Porsche Cayenne Diesel: Verschwenderisch sparen
Porsche Cayenne Diesel Dickschiff auf Magerstufe
Ja, Ihre Nachbarn werden Augen machen, wenn Sie mit einem Porsche Cayenne vorfahren. Die einen sind vielleicht ein bisschen neidisch, und die anderen kündigen Ihnen mit Verweis auf Verbrauch und CO2-Ausstoß womöglich die Freundschaft.
Doch sechs Buchstaben reichen aus, um das Stigma des Klimaschänders abzuschütteln und für Frieden am Gartenzaun zu sorgen: "d-i-e-s-e-l". Bei mittlerweile drei von vier aller in Europa verkauften Cayenne steht groß, breit und in fein geschwungenen Lettern eben dieses Wort auf den vorderen Kotflügeln. Laut Kraftfahrtbundesamt kam der Selbstzünder-SUV in Deutschland im Monat Februar sogar auf eine Quote von 100 Prozent. Wer damit noch nicht zufrieden ist, dem kann man ein freundliches "7,4 Liter" zurufen. Das ist nämlich der Durchschnittsverbrauch des Geländewagens mit Achtgangautomatik und Start-Stopp-Funktion. In CO2 umgerechnet sind das 195 Gramm je Kilometer - ein Wert, der auch bei leistungsstarken Mittelklasse-Kombis durchaus üblich ist.
Klar sind die 7,4 Liter nur ein theoretischer Wert, den Porsche im normierten Verfahren auf dem Prüfstand ermittelt hat. Und ein moderner Kleinwagen ist mit etwas mehr als der Hälfte zufrieden. Aber erstens kann und will eben nicht jeder in einem Stadtflitzer zwischen Hamburg und München pendeln oder auf dem Firmenparkplatz vorfahren. Zweitens liegt der Normverbrauch immerhin zehn Prozent unter dem des Cayenne mit Hybridantrieb und bis zu vier Liter unter dem der Benziner-Typen. Und drittens hält sich der Durst des Dieselmotors auch in der Praxis in Grenzen. Selbst nachts, wenn die Autobahn leer ist und man über lange Strecken mit hohem Tempo fahren kann, klettert die Anzeige auf dem Bordcomputer nur knapp in den zweistelligen Bereich.
Dicke Dämmmatten sorgen für die Ruhigstellung des Dieselmotors
Es hat lange gedauert, bis das bei einem Porsche möglich war. Schon bei der ersten Generation des Cayenne wurde der Ruf nach einem Dieselmotor laut - und von den Schwaben lange ignoriert. Erst kurz vor dem ersten Generationswechsel der Baureihe wurde von Audi ein drei Liter großer V6 übernommen. Der Motor verkaufte sich so gut, dass er mit etwas Feinschliff und vor allem mit einem besseren Getriebe von Anfang an auch in der zweiten Auflage des SUV-Dickschiffs angeboten wird.
Für den immerhin 2,1 Tonnen schweren Brummer wirkt der V6-Motor mit einer Leistung von 240 PS auf den ersten Blick fast ein bisschen schwächlich. Doch mit einem maximalen Drehmoment von 550 Nm wischt der Selbstzünder die Sehnsucht nach dem V8-Benziner eindrucksvoll beiseite. Nur wenige Augenblicke nach dem Gasbefehl treibt der hinter dicken Dämmmatten verborgene und deshalb kaum hörbare Dieselmotor das Dickschiff so vehement voran, dass selbst verwöhnte Porsche-Fahrer zufrieden aufatmen: 7,8 Sekunden bis Tempo 100, der Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h in 5,3 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 218 km/h - da gibt es nun wirklich nichts zu meckern.
Ohnehin ist der Cayenne kein Auto für aggressive Kurvenbeißer und notorische Lichthuper. Wer so fahren möchte, der soll bitteschön Cayman oder Carrera kaufen. Zwar ist auch der Geländewagen für seine Gewichtsklasse überraschend handlich und präzise, vor allem wenn per Knopfdruck der Sportmodus mit direkterer Lenkung und strafferer Federung aktiviert ist. Doch fährt man mit Weitsicht und Gelassenheit am Besten. Dann entpuppt sich der Cayenne Diesel als schneller Dauerläufer mit langem Atem. Immerhin reicht der 85-Liter-Tank bei entspannter Fahrweise für mehr als 1100 Kilometer.
Wer in einem Porsche-SUV sparen will, wählt am besten den Diesel
Auf Langstrecken spielen nicht nur der Diesel und die kaum merklich schaltende Achtgang-Automatik ihre Qualitäten aus. Sondern dort lernt man auch andere Vorzüge des Autos zu schätzen - etwa die bequemen Sitze, die verstellbare Rückbank, das schmucke Ambiente oder das sehr ordentliche Navigationsgerät sowie die zahlreichen Assistenzsysteme. Sie halten nach vorn die nötige Distanz, überwachen den toten Winkel, weisen auf Tempolimits hin oder passen die Lichtkegel der Verkehrssituation an.
All das funktioniert ziemlich reibungslos und lässt sich nach der ersten halben Stunde spielend von Lenkrad aus bedienen. Warum es allerdings bei so vielen Schaltern und Hebeln rund um das Volant nicht auch noch für eine Lautstärkenregelung der Musikanlage gereicht hat, erschließt sich nicht. Und dass man nur nach dem Studium der Bedienungsanleitung von Winter- auf Sommerzeit wechseln kann, ist eine Blamage - je nach Standpunkt für den Fahrer oder das Fahrzeug.
Unter dem Strich ist der Diesel ist für den Cayenne nicht nur die beste, sondern beinahe auch die billigste Alternative: Zwar liegt er mit einem Grundpreis von 59.834 Euro gut 3000 Euro über dem des V6-Benziners mit 3,6 Litern Hubraum und 300 PS. Doch kann man diesen Unterschied durch die Spritersparnis tatsächlich wieder herausfahren. Schließlich braucht man nicht nur weniger Kraftstoff, sondern spart durch die selteneren Tankstopps auch an Nebenkosten für Kaffee und Kaugummi.