Porsche Cayman R: Mehr Biss für den Kleinen - DER SPIEGEL
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Porsche Cayman R: Dem 911er auf die Pelle gerückt

Porsche Cayman R Mehr Biss für den Kleinen

Eine Baureihe und nur zwei Modellvarianten? Im Hause Porsche ist das nahezu undenkbar. Deshalb wird nun allmählich auch die Cayman-Familie ausgebaut. Dritte und damit jüngste Variante ist das geschärfte Modell Cayman R. Ein Auto mit mehr Leistung und weniger Gewicht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es muss ja nicht immer gleich ein komplett neues Auto sein. Porsche pflegt vielmehr die feine Unterscheidung innerhalb einer Modellreihe und hat beispielsweise die 911er-Baureihe auf mittlerweile 21 Varianten aufgebläht. Das etwas bescheidenere Coupé Cayman ist noch längst nicht so breit aufgestellt; die Zuffenhausener aber arbeiten daran. Jetzt nämlich wird eine neue Variante des Mittelmotor-Coupés aufgelegt, der Cayman R.

69.830 Euro kostet das neue R-Modell, das sind etwa zehn Prozent mehr als der normale Cayman. Ein happiger Aufpreis für eine Art Fingerübung von Entwicklern und Designern: Die kitzelten für die R-Variante zehn PS mehr aus dem Sechszylindermotor, verpassten dem Wagen einen feststehenden Heckspoiler und lackierten das Auto in giftgrüner Farbe namens Peridot - so heißt auch ein grün schimmernder Halbedelstein. Das neue Top-Modell der Cayman-Baureihe war scheinbar schnell auf die Räder gestellt.

Ganz so leicht sei es nicht gewesen, sagt Jan Roth. "Wir wollten dem Cayman einen anderen, noch sportlicheren Charakter geben." Neben der Motorleistung von 330 PS, die übrigens nicht durch einen neuen Steuerchip, sondern vor allem durch einen neuen Auspuff mit weniger Gegendruck zustande kommen, und den Design-Variationen, zu denen neben dem Heckspoiler die schwarzen Ringe um die Scheinwerfer zählen, galt das Augenmerk vor allem dem Fahrwerk, der Elektronik und dem Gewicht.

Aluminium-Türen beispielsweise sparen 15 Kilogramm ein, die dünnen Schalensitze sind um 12 Kilogramm leichter, der Verzicht auf Klimaanlage und Radio bringt weitere 15 Kilogramm und ermöglich obendrein eine kleinere Batterie, die wiederum einige Pfunde leichter ist. Weitere 8 Kilogramm speckten die Ingenieure mit einem halben Dutzend Kleinigkeiten ab, von denen die neuen Türöffner am meisten ins Auge stechen: Wo es beim normalen Cayman zwei Plastikgriffe gibt, hängen hier lediglich Stofflaschen aus der Konsole. Selbst die Getränkehalter wurden im Cayman R gestrichen, weil die jeweils 300 Gramm wiegen.

In vielen kleinen Diätschritten wurde um 55 Kilo abgespeckt

"Natürlich sind das alles nur ganz kleine Schritte", sagt Roth. "Doch weil schon der normale Cayman kein Schwergewicht ist, mussten wir jedes Gramm mitnehmen, um das Gewicht überhaupt senken zu können." Mit Erfolg: Insgesamt 55 Kilogramm haben die Schwaben gespart und den Cayman R so auf 1295 Kilo gedrückt. "Der Unterschied entspricht dem Gewicht einer durchschnittlichen Porsche-Beifahrerin", sagt Porsche-Sprecher Eckhard Eybl.

Ein wenig Theorie vor der ersten Ausfahrt ist gar nicht schlecht. Denn auch wenn Cayman S und Cayman R tatsächlich zwei ziemlich verschiedene Autos geworden sind und Profis wie Walter Röhrl mit dem neuen Modell auf der Nordschleife des Nürburgrings fünf Sekunden gutmachen, gelingt dem Normalfahrer die Unterscheidung allenfalls im direkten Vergleich. Wo der fehlt, ist der Cayman R ein Porsche wie jeder andere auch: stark, schnell und messerscharf.

Festgeschnallt in den kräftig konturierten Sitzen werden Mensch und Maschine eine eilige Einheit: Den 3,4 Liter großen Boxer-Motor hinter den Sitzen kann man fast körperlich spüren, die Lenkung arbeitet beinahe intuitiv, und bei maximal 370 Nm lässt jeder noch so feine Gasstoß den Cayman nach vorne schnellen. Im besten Fall reichen 4,7 Sekunden, um den Wagen auf Tempo 100 zu katapultieren. So wird Überholen zum Kinderspiel und die freie Landstraße zur Prüfung für die Verkehrsmoral. Bei Vollgas auf der leeren Autobahn lässt sich eine weitere Aussage des Projektleiters überprüfen. "Der Cayman R ist der erste Mittelmotor-Porsche, der über 280 Sachen fährt", hatte der Entwickler gesagt und auf eine Spitzengeschwindigkeit von 282 km/h verwiesen. Imposant, aber eben doch nur fünf km/h mehr als beim Cayman S. Und dass der stärkere Cayman sogar der sparsamere ist, weil mit dem Gewicht auch der Verbrauch um 0,1 auf 9,3 Liter sinkt? Geschenkt.

Vor allem der brüllend laute Sportauspuff macht den Unterschied

Dass man den Unterschied am Ende doch spürt, liegt am neuen Sportauspuff, der im Zusammenspiel mit der umprogrammierten Elektronik ein gewaltiges Spektakel veranstaltet: Brüllend, manchmal kreischend und bei jedem Gangwechsel ein Fanfarenstoß - für Leistetreter ist der Cayman R das falsche Auto. Jenseits der Bebauung spielt der Auspuff den aggressiven Soundtrack zur schnellen Landpartie. Doch wenn einen die Elektronik selbst bei Tempo 50 noch brüllend laut im ersten Gang durch die Stadt führen möchte, klingt der Cayman so albern, dass man den Sportmodus schnell wieder ausschaltet.

Auch Projektleiter Roth weiß, dass mit dem Cayman R das Ende der Variationsmöglichkeiten der Baureihe noch nicht erreicht ist. Noch stärker, noch sportlicher, noch strammer und noch schneller - einem guten Ingenieur würde da schon was einfallen. Doch ob solche Ideen auch umgesetzt werden, ist zweifelhaft. "Wir sind schon jetzt so nah am 911, dass die Luft für den Cayman nach oben langsam dünn wird."