Renault Laguna: Jetzt bloß keine Fehler machen - DER SPIEGEL
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Renault Laguna Jetzt bloß keine Fehler machen

Carlos Ghosn steht in der Pflicht. Nachdem der Vorstandschef Nissan saniert hat, soll er die von Qualitätsproblemen geplagte Marke Renault auf Vordermann bringen. Die größten Hoffnungen ruhen dabei auf dem neuen Laguna, der im Oktober anrollt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Öffentliche Selbstkritik üben Autohersteller so gut wie nie. Doch nachdem der letzte Renault Laguna ein ziemlicher Flop war, können die Franzosen ihre Probleme nicht einfach weglächeln: Lästige Mängel, vor allem bei der Elektronik, haben die Kunden vergrätzt und den einstigen Shootingstar abstürzen lassen. "Wir wollten damals einfach zu viel neue Technologie zu schnell in Serie bringen", sagt Produktmanager Marc Osseux.

Als das Auto 2001 erschien, erfreuten sich die Kunden an in dieser Klasse damals unbekannten Extras wie einer Scheckkarte statt eines Zündschlüssels, einer Reifendruckkontrolle und anderen elektronischen Helfern. Zudem erhielt der Laguna als erstes Auto überhaupt fünf Sterne im Crashtest. Doch es folgte ein tiefer Fall: Ab 2003 brach der Absatz ein, einzig in der ADAC-Pannenstatistik erreichte der Wagen noch Spitzenplatzierungen.

Weil die Mittelklasse aber in Europa extrem wichtig ist und der Laguna zudem zum Flaggschiff wird, wenn Renault das bisherige Oberklasse-Modell Vel Satis einstellt, gingen die Franzosen beim neuen Modell in jeder Hinsicht auf Nummer sicher. Das Testprogramm war aufwändiger denn je, beteuert das Unternehmen. "Nach den Erfahrungen vom letzten Mal wollten wir uns keinen Fehler erlauben", sagt Osseux. "Statt Revolution gibt es nun eine Evolution."

Das gilt zuallererst für die technischen Spielereien von der Schlüsselkarte bis zur Navigation, die zwar verbessert, aber kaum erweitert wurden. Neu sind eigentlich nur die Xenonscheinwerfer mit Kurvenlicht, die elektrische Parkbremse, der nachrüstbare USB-Anschluss und Seitenairbags mit mehreren Luftkammern, die dank spezieller Sensoren an den Flanken jetzt noch schneller aufgeblasen werden können.

Zurückhaltung wurde den Designern auferlegt. Natürlich wirken Kombi und Limousine, die im September auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt Premiere feiern und dann im Oktober und Januar zu den Händlern kommen, gründlich entstaubt. Doch auf stilistische Extravaganzen wurde verzichtet. Ähnlich wie schon der neue Twingo ist der Laguna ein Biedermann geworden. Gleichwohl ist der Wagen nicht ohne Charakter: Dafür sorgt von vorn die markante Front mit dem tiefen Lüftungsschlund, die weit nach unten gezogene Motorhaube und die riesigen Scheinwerfer. An der Seite gibt es Chromrahmen um die Fenster, am Heck ungewöhnlich hoch platzierte LED-Bremsleuchten.

Wachstum in jede Richtung

Im Zuge des Generationswechsels wuchs der Laguna. Während Radstand, Höhe und Breite nur um wenige Millimeter zulegen, sind es bei der Länge neun Zentimeter. Innen schafft das etwas mehr Platz auf der Rückbank, so dass man nun auf allen Plätzen bequem auf Reisen gehen kann. Außerdem wuchs der Kofferraum: Bei der nun 4,70 Meter langen Limousine fasst er 462 Liter und kann auf 1337 Liter erweitert werden, und beim um nochmals zehn Zentimeter längeren Kombi reicht der Stauraum für 508 bis 1593 Liter. Dazu gibt es für den Grandtour genannten Kombi noch ein Geheimfach im Wagenboden und eine pfiffige Mechanik, mit der man die geteilte Rückbank auf Knopfdruck flachlegen kann.

Unter der Haube ist die Auswahl überschaubar. Zum Start gibt es vier Motoren, die allesamt mit sechsstufigen Getrieben gekoppelt sind, die den Fahrer mit einem dezenten Schalt-Hinweis im Cockpit zum spritsparenden Gangwechsel animieren. Die beiden Benziner haben zwei Liter Hubraum und kommen als Sauger auf 140 PS und mit Turbo auf 170 PS; die beiden Diesel schöpfen aus 1,5 Litern 110 und aus zwei Litern 150 PS.

Auch auf der Straße bleibt der Neuling bei den ersten Testfahrten im besten Sinne unauffällig. Das freundlich abgestimmte Fahrwerk vermittelt ein gutes Gefühl für die Strecke, die neue Lenkung arbeitet präzise und das Getriebe flutscht wie von selbst in den richtigen Gang. Allerdings wirkt dabei schon der serienmäßig rußgefilterte 150-PS-Diesel so bedächtig, dass man sich die Fahrt mit dem schwächeren 110 PS starken Motor kaum vorstellen mag.

Immerhin kommt das sogenannte Eco2-Aggregat ganz ohne Kunstgriffe auf eben jene 5,1 Liter Durchschnittsverbrauch und 136 Gramm CO2-Ausstoß, mit denen VW das Sparmodell Passat Bluemotion als Saubermann feiert. Zwei Fragen bleiben offen: Warum bekommt dieser als besonders umweltfreundliche Laguna-Variante vermarktete Diesel erst im nächsten Sommer einen Rußpartikelfilter? Und wie sparsam könnte er mit verkleidetem Unterboden, längerer Übersetzung, Leichtlaufreifen oder Start-Stopp-Automatik sein?

Die Erfolgslatte liegt niedrig

Um erfolgreicher zu sein als der Vorgänger, bedarf es für den neuen Laguna nicht viel. Vom bisherigen Modell wurden in Deutschland im vergangenen Jahr nur rund 8000 und in den ersten sechs Monaten dieses Jahres nicht einmal 3000 Exemplare zugelassen. Obwohl Renault die Preise angehoben hat, auf 21.300 Euro für die Benziner und 22.750 Euro für die Diesel (Kombi je 1000 Euro mehr), sollte der Neue die bisherigen Verkaufszahlen übertreffen. Doch das Timing ist nicht ideal: Im der unteren Preisregion konkurriert der Laguna mit dem neuen Ford Mondeo und dem Mazda6, und am oberen Ende muss er sich gegen die neue Mercedes C-Klasse und den neuen Audi A4 behaupten.

Renault-Chef Carlos Ghosn ficht das nicht an. Er wettet auf den Laguna und proklamiert intern ambitionierte Wachstumsziele. Nicht nur der Absatz soll steigen - auch bei Qualität und Kundenzufriedenheit soll das Auto zu den drei besten in Europa zählen. Renault verlängert die Garantiefrist auf drei Jahre und 150.000 Kilometer. Auf der IAA wird neben der neuen Limousine und dem neuen Kombi auch ein Laguna Coupé stehen. Das werde, so versprechen Insider, mit neuen V6-Motoren sowie einer Allradlenkung in Serie gehen. Ein wenig Revolution muss eben doch sein.

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