Renault Mégane: Reizendes Hinter-Teil - DER SPIEGEL
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Renault Mégane Reizendes Hinter-Teil

Mut haben diese Franzosen. Ausgerechnet sein erfolgreichstes Volumenmodell Mégane hat Renault in ein komplett neues und provozierendes Design gepackt. Und das in dem am stärksten umkämpften Autosegment Europas.
Von Frank Wald
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Kompaktklasse umfasst rund ein Drittel des west-europäischen Pkw-Markts. Hier tummeln sich alle Volumenhersteller sowie einige Premium-Marken, die im vergangenen Jahr rund fünf Millionen Autos unters Volk brachten. So auch Renault mit der Mégane-Familie, von der die Franzosen bislang insgesamt 4,1 Millionen Fahrzeuge absetzen konnte, davon fast eine halbe Million (496.000) in Deutschland. Diesen Erfolg soll der neue Mégane mit einem komplett neuen Styling fortsetzen.

Von der großen Masse abheben dürfte sich der frische Franzose künftig vor allem durch sein ungewöhnliches Design. Hier vor allem durch das provozierende Hinter-Teil mit der fast senkrecht stehenden Heckscheibe und der kuppelförmigen Wölbung, wie bereits aus Avantime und Vel Satis bekannt. Wobei die Kuppel beim Fünftürer weniger ins Auge fällt als bei der dreitürigen Version. Durch die bogenähnliche seitliche Fensterlinie wirkt der steile Heckabschluss wie ein aufgesetztes Dreieck. Aber auch die eckig geschnittenen Scheinwerfer sowie der große Marken-Rhombus auf dem Mittelsteg des Kühlergrills spiegeln Familienähnlichkeit wieder.Ebenso wirkt der neue Mégane durch die breite Spur und die kurzen Überhänge stattlicher als der Vorgänger. Mehr Platz hat er deshalb aber nicht. Das reizende Heckdesign kostet Kofferraumvolumen. Statt 348 Liter sind es jetzt nur noch 330 Liter. Durch die asymmetrisch teilbare Rückbank lässt er sich immerhin auf 1190 Liter vergrößern. Und auch wenn der Mégane in Länge, Höhe und Breite um einige Zentimeter wuchs und auch der Radstand um 5,8 Zentimeter zulegen konnte, bleibt die Beinfreiheit auf der Rückbank knapp bemessen.

Ansonsten punktet der Innenraum mit einem übersichtlichem Cockpit mit zwei kreisrunden Instrumentenanzeigen und ergonomisch geformten Hebeln, Griffen und Schaltern, beispielsweise die Handbremse, die wie ein Schubhebel im Flugzeug bedient wird. Das meiste davon besteht allerdings, zumindest in den Basisausführungen, aus billig anmutenden Hartplastik. Ansehnlicher wird's erst in den gehobeneren Ausstattungen mit Leder- oder Alu-Applikationen. Dafür finden sich allerlei Staufächer und Ablagemöglichkeiten, so zum Beispiel zwei Geheimfächer im vorderen Fußboden oder auch das 17 Liter große Handschuhfach, das in Verbindung mit Klimaanlage sogar gekühlt wird.

Mit dem großen Bruder Laguna gleichziehen will s der neue Mégane in Sachen Sicherheit. Ab Werk geliefert werden zweitstufig auslösenden Frontairbags, Seitenairbags in den Vordersitzen und Windowbags für beide Sitzreihen. Ganz neu ist der Anti-Submarining-Airbag in den Vordersitzen des Dreitürers, der bei einem Crash verhindern soll, dass die Passagiere unter dem Gurt durchrutschen. Beim Fünftürer übernehmen zwei zusätzliche Gurtstraffer diese Funktion. Aber auch in punkto aktive Sicherheit zeigt sich der Wagen vorbildlich. Serienmäßig sind ESP, ABS und Bremsassistent. Aber auch ein gut abgestimmtes Fahrwerk, das in Verbindung mit der präzise arbeitenden elektrischen Servolenkung sowie der guten Bremsanlage den Fahrer kaum einmal in verlegene Situationen bringt.

Angeboten wird der neue Mégane zunächst mit drei Benzin- und zwei Dieselmotoren. Basis ist ein 1.4 16V mit 72 kW (98 PS), gefolgt vom 1,6-Liter mit 83 kW (113 PS) und der Top-Version mit einem 2-Liter-16V-Aggregat, dessen 99 kW (135 PS) bei unseren Testfahrten durch rege Bedienung des Sechsganggetriebes geweckt werden wollten. Eher zu empfehlen ist da schon der 1,9-Liter-Common-Rail-Diesel, der mit seinen 88 kW (120 PS) und 270 Newtometer Drehmoment bei 2000 Umdrehungen überzeugender wirkte. Den Spurt aus dem Stand bewältigt der 1.9 dCi damit in 10,5 Sekunden. Und hält sich mit 5,4 Liter im Durchschnitt mit dem Spritverbrauch zurück. Hier ist der kleine Turbodiesel 1.5 dCi mit 60 kW (82 PS) noch einmal besser, der laut Renault mit nur 4,6 Litern Dieselöl auskommen soll. Die Preise beginnen bei 14.500 Euro und enden mit dem Top-Diesel für 20.600 Euro - je nach Ausstattung.

Denn die Vielfalt bei der Motorenauswahl setzt sich bei den Varianten fort. Drei- und Fünftürer (700 Euro Aufpreis) können in drei Ausstattungsniveaus (Mégane, Confort, Luxe) mit vier verschiedenen Designlinien als Authentique, Expression (200 Euro Aufpreis), Dynamique (550 Euro) und Privilège (200 Euro) kombiniert werden. Schon in der Grundausstattung gibt's Bordcomputer, elektrische Fensterheber, verstellbares Lenkrad, automatische Türverriegelung. Und nicht nur stilistisch bedient sich der neue Mégane bei Avantime und Vel Satis. Auch Oberklasse-Ausstattungsfeatures und -Optionen bietet Renault jetzt in seiner Kompaktklasse an, wie beispielsweise das schlüssellose Öffnen und Starten per Chipkarte, automatische Aktivierung von Scheinwerfer und Wischer oder die Tankklappe mit integriertem Tankdeckel. Auf Wunsch außerdem Navigation mit ausfahrbarem Bildschirm und Xenon-Licht.

Für den Kunden wird die Qual der Wahl komplett, wenn die Mégane-Familie im kommenden Jahr neben dem Drei- und Fünftürer mit Coupé, Kombi, Stufenheck, Kompaktvan Scénic als Fünf- und Siebensitzer wieder vollzählig sein wird.

Hersteller:Renault
Typ:Mégane 1.9 dCi
Karosserie:Kompaktwagen
Motor:Vierzylinder-Turbodiesel
Hubraum:1.870 ccm
Leistung PS:120 PS
Leistung kW:88 kW
Drehmoment:270 Nm
Von 0 auf 100:10,5 Sek.
Höchstgeschw.:196 km/h
Verbrauch (ECE):5,4 Liter
CO2-Ausstoß:143 g/km
Kraftstoff:Diesel
Kofferraum:330 Liter
umgebaut:1.190 Liter
Versicherung (HP):18 €
Versicherung (TK):35 €
Versicherung (VK):16 €
Preis:18.650 €