Rinspeed Tatooo: Eidgenössische Extravaganza - DER SPIEGEL
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Rinspeed Tatooo Eidgenössische Extravaganza

Mit dem Brachial-Laster Tatooo will die Schweizer Avantgarde-Schmiede Rinspeed die Pickup-Mode der fünfziger Jahre ins dritte Jahrtausend hieven - und auf dem Genfer Autosalon die Blicke auf sich ziehen.
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Das Schweizer Unternehmen Rinspeed Design beschäftigt zwar nur acht Leute. Doch der kleine Autoveredler aus der Nähe von Zürich hat es in den letzten Jahren auf dem Genfer Automobilsalon immer wieder geschafft, mit seinen monströsen Kreationen auch größeren Herstellern die Schau zu stehlen. 1998 etwa zeigten die Eidgenossen dort mit dem 410 PS starken Einsitzer E-Go Rocket eine Reminiszenz an die Salzsee-Renner der vierziger Jahre. Und im letzten Jahr konnte sich Rinspeed mit dem Multifunktions-Vehikel X-Trem einige Schlagzeilen sichern.

Auch auf dem diesjährigen Salon (2.-12. März) wollen die Schweizer in Genf wieder für Aufsehen sorgen - und zwar mit einer Pickup-Studie, die mit vollem Namen "Rinspeed Tatooo.com" heißt. Die drei "o" stehen dabei laut Firmenchef Frank Rinderknecht für das Jahr 2000, während das Anhängsel auf die - allerdings noch im Aufbau befindliche - eigene Website des Wagens  verweist. Äußerlich spielt der Tatooo auf die US-Automode an, in der Retro-Optik und besonders der Pickup noch immer beherrschende Themen sind. Ein Trend, der nun auf der anderen Seite des Atlantiks Wirkung zeigt: Der meistverkaufte US-Fahrzeugtyp beschäftigt auch die Phantasie europäischer Hersteller.

Vor Rinspeed versuchte sich zuletzt Volkswagen in diesem uramerikanischen Segment: Auf der Motorshow in Detroit stellten die Wolfsburger mit dem AAC einen Pickup-Prototypen mit Zehnzylinder-Dieselmotor vor. Nun haben sich also die Eidgenossen an den amerikanischen Traum gewagt - und sind wesentlich weiter weg vom stilistischen Mainstream gelandet als der Massenhersteller aus Wolfsburg.

Beim Tatooo greift Rinspeed auf die US-Formensprache der fünfziger Jahre zurück und zitiert Elemente gechoppter Hot-Rods - wie etwa das tiefergelegte Dach, die mächtige Motorhaubennase und das beinahe auf der Straße aufsitzende Chassis. Als Grundgerüst der Studie dient ein Kastenrahmen von Chevrolet, um den herum die Schweizer eine kühne Karosserie aufgebaut haben. Unter der muskulös anmutenden Schale sorgt ein getunter 5,7-Liter-V8-Motor aus dem US-Sportwagen Corvette für eine Leistung von 409 PS, die den Brachial-Laster bis auf 245 Stundenkilometer beschleunigen.

Dass der Wagen eine Ladefläche hat, ist aber nicht nur ein Zugeständnis an den gegenwärtigen Trend, sondern dient auch dazu, eine weitere Rinspeed-Eigenentwicklung ins Scheinwerferlicht zu rücken. Die Schweizer wollen gemeinsam mit dem Tatooo ihre schon beim X-Trem verwendete Ladevorrichtung "X-Tra-Lift" präsentieren, ein Hebemechanismus für Pickups, der bis zu 600 Kilo auf die Ladefläche hieven kann. Derzeit laufen mit einigen US-Autoherstellern Verhandlungen über eine Lizenzvergabe der Erfindung. Damit die Konstruktion auch in Genf zur Wirkung kommt, wird der Tatooo auf dem Salon eine besondere Last befördern - und zwar ein motorradähnliches Tauchmobil.

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