Rover 75 Tourer: Union Jack am Heck - DER SPIEGEL
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Rover 75 Tourer Union Jack am Heck

Bei der zuletzt arg gebeutelten britischen Automarke MG Rover ist man wieder voller Optimismus. Zumal nun endlich die Kombivariante des Rover 75 auf den Markt kommt. SPIEGEL ONLINE fuhr den neuen Briten mit Dieselmotor und Automatikgetriebe.
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Eigentlich ist BMW längst raus. Am 9. Mai 2000 verkaufen die Bayern MG Rover - damals beharrlich "der englische Patient" genannt - für zehn Pfund an das britische Phoenix Konsortium. Doch andererseits ist BMW noch allgegenwärtig. Alleine schon deshalb, weil unter den Hauben der Rover-75-Modelle blau-weiße Motoren sitzen. Auch der Zweiliter-Common-Rail-Turbodiesel in unserem Testauto ist eine Maschine des Münchner Herstellers.

Und dass der Kombi erst jetzt, mehr als zwei Jahre nach dem Start der Limousine, auf den Markt kommt, hängt ebenfalls mit dem Trennungstheater BMW-Rover zusammen: Denn ursprünglich ließen die ehemaligen bayerischen Statthalter beide Karosserievarianten parallel entwickeln. Dann aber, im Februar 2000, stoppte BMW sämtliche Kombi-Aktivitäten. Der praktisch fertige Wagen wurde zum Dauerparker - und erst Monate später von den inzwischen neuen Hausherren wiederbelebt.

Nun steht er ab 25. August bei den deutschen MG-Rover-Händlern, und die werden, so jedenfalls lauten die Planungen, den Kombi vor allem in Verbindung mit dem Dieselaggregat verkaufen. Triebwerk und Karosserie passen gut zusammen: Der Motor läuft ordentlich und kraftvoll, das Kombi-Kleid ist stilvoll geschnitten. Das Auto hat nichts Übertriebenes an sich. Ein eleganter Wagen der Vernunft ist der Tourer CDT.

Als Konkurrenten sieht man bei MG Rover zum Beispiel den BMW 3er Touring, den Audi A4 Avant, den Opel Vectra Caravan, den Ford Mondeo Turnier oder den Volvo V40. Der englische Kontrahent jedoch hat einen unschätzbaren Vorteil: Er sieht durch und durch britisch aus. Das Design ist von geschmeidigen Linien, klassischen Proportionen und zeitloser Eleganz geprägt. Kühlergrill, Doppelscheinwerfer, Türgriffe, die nach hinten leicht abfallende Schulterlinie und das solide, breit und satt auf der Straße stehende Heck signalisieren, dass hier der Gentleman unter den Mittelklasse-Kombis vorfährt.

Die anglophile Anmutung setzt sich im Innenraum fort, hier erzeugt durch Wurzelholzverkleidungen, elfenbeinfarbene Zifferblätter bei den Cockpit-Instrumenten und ein serienmäßig eingebautes Dreispeichen-Lederlenkrad. Etwas betagt für ein modernes Auto wirkt lediglich die Fünfstufen-Automatik mit nur einer Schaltgasse, wo doch in dieser Klasse heutzutage die Schaltautmaten häufig mit manuellen Bedienmodi oder anderen Extras aufwarten. Im Fahrbetrieb allerdings kommen Motor und Automatik problemlos und weitgehend ruckfrei miteinander klar.

Hersteller:MG Rover
Typ:Rover 75 Tourer 2,0 CDT
Karosserie:Kombi
Motor:Vierzylinder-Turbodiesel
Hubraum:1.951 ccm
Leistung PS:115 PS
Leistung kW:85 kW
Drehmoment:260 Nm
Von 0 auf 100:12,7 Sek.
Höchstgeschw.:187 km/h
Verbrauch (ECE):6,9 Liter
CO2-Ausstoß:183 g/km
Kofferraum:400 Liter
umgebaut:1.222 Liter
Versicherung (HP):21 €
Versicherung (TK):34 €
Versicherung (VK):23 €
Preis:27.737 €

Wer einen flotteren Fahrstil bevorzugt, sollte statt der Automatik, die 3202 Mark Aufpreis kostet, lieber das Fünfgang-Schaltgetriebe bestellen. Dann jedoch lässt sich der von Rover angegebene Durchschnittsverbrauch von rund sieben Litern Dieselkraftstoff je 100 Kilometer wohl nicht mehr halten. Der Wert darf ansonsten für ein Auto dieses Kalibers als durchaus angemessen gelten. Immerhin schluckt der Stauraum hinter der bis auf den Stoßfänger hinabreichenden Heckklappe (Höhe der Ladekante: 54 Zentimeter) bei maximaler Vergrößerung, also nach dem kompletten Umklappen der geteilten Rücksitzlehne, 1222 Liter Ladung.

An die ist dank einer separat öffnenden Heckscheibe leicht heranzukommen. Zudem befindet sich zwischen dem ebenen Laderaumboden und dem Ersatzrad noch eine Art Geheimfach, in dem aber zum Beispiel auch eine abnehmbare Anhängerkupplung verstaut werden kann. Eine clevere Lösung ist auch die Unterbringung des Bordwerkzeugs, das unterm Ladeboden klapperfrei in exakt herausgeschnittenen Mulden verstaut ist.

Noch in diesem Jahr möchte MG Rover rund 1200 Tourer-Modelle in Deutschland verkaufen, im nächsten Jahr sollen es dann rund 3700 verkaufte Fahrzeuge werden. Bei einem Einstiegspreis von 47.428 Mark für das Basismodell mit dem 1,8-Liter-Benzinmotor scheinen dies realistische Zahlen zu sein. Zumal der Wagen ab Werk mit vier Airbags, Kassetten-Radio mit Lenkradbedienung, höhenverstellbarem Fahrersitz und Dachreling ausgestattet ist.

Für Details wie ein Glas-Schiebe-Hebedach (1584 Mark), Kopfairbags für die beiden vorderen Plätze (459 Mark), Navigationssystem mit Fernsehfunktion und Bordcomputer (5800 Mark), Niveauregulierung (1056 Mark) oder Metallic-Lack (1101 Mark) muss Aufpreis bezahlt werden. Umsonst gibt es dagegen eine Plakette mit der britischen Flagge: Der Union Jack auf der Heckklappe soll das neue Selbstbewusstsein von MG Rover demonstrieren. BMW - Das ist eigentlich lange vorbei.

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