Seat Alhambra: Wuchtiger VW-Zwilling - DER SPIEGEL
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Seat Alhambra: El Grande

Seat Alhambra Wuchtiger VW-Zwilling

Seat gibt sich gerne als emotionsgeladene Marke, doch als Vollsortimenter hat die spanische Firma auch rationale Typen im Angebot. Topmodell in dieser Hinsicht ist die Großraumlimousine Alhambra. Die Neuauflage ist wieder eine Ableitung des VW Sharan - und deutlich billiger.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Falls Ihnen dieser Volkswagen spanisch vorkommt, dann liegen Sie richtig. Denn ein paar Monate nach dem VW Sharan bringt nun auch Seat eine neue Großraumlimousine an den Start, das Modell Alhambra. Bei den Autos handelt es sich sozusagen um eineiige Zwillinge. Selbst eine stilistische Abgrenzung, wie sie zwischen den ansonsten baugleichen Modellen VW Polo und Seat Ibiza erkennbar ist, findet in diesem Fall nicht statt. Lediglich die Markenlogos und der Kühlergrill unterscheiden Alhambra von Sharan. Ansonsten gleichen sich die beiden Vans von den Xenonscheinwerfern (gibt es gegen Aufpreis) über die neuen Fond-Schiebetüren bis zu den Rückleuchten wie ein Ei dem anderen. Nur an einigen Hightech-Extras wie etwa an der Einparkautomatik behalten sich die Niedersachsen die Exklusivrechte vor.

Die kaum zu erkennende Emanzipation der spanischen Marke von der Wolfsburger Übermutter hat einen einfachen Grund: das Geld. "Vor allem bei den Händlern war der bisherige Alhambra beliebt, weil er die größte Rendite abgeworfen hat", sagt Seat-Sprecherin Melanie Stöckel. Damit das auch beim neuen Modell so bleibt, wurde offenbar mit spitzem Stift kalkuliert, weshalb teure Eingriffe ins Blech unterblieben. Und irgendwelche Design-Extravaganzen wären bei einem Auto dieses Typs ohnehin zum Scheitern verurteilt, denn Großraumlimousinen müssen vor allem eins sein: groß.

Also arrangiert sich Seat mit der nüchtern-norddeutschen Karosserie, die schlicht und schnörkellos gestaltet ist. Es geht um die Maximierung des umbauten Raums. Davon bietet das neue Modell reichlich: Um gut 20 Zentimeter wurde der Wagen auf jetzt 4,85 Meter gestreckt, zugleich wurde er neun Zentimeter breiter als bisher und das Modell verfügt nun über Schiebe- statt Klapptüren. Der Alhambra will der Familienfreund für alle Mobilitätsfragen sein: praktisch, geräumig, variabel.

Schlaue Extras, reichlich Raum und einfaches Sitzeklappen

Praktisch ist der Alhambra, weil man jetzt in den Fond leichter einsteigen kann, drinnen gut sitzt, die Bedienung leicht fällt und es viele passende Ablagen gibt. Außerdem sind Extras wie integrierte Kindersitze oder ein System zur Sicherung des Krimskrams im Kofferraum verfügbar. Geräumig ist der Wagen, weil man zumindest in den ersten beiden Reihen sehr bequem sitzen und die Beinfreiheit durch verschiebbare Sitze individuell justieren kann. Zudem fasst der Stauraum selbst bei siebenfacher Bestuhlung 267 Liter und lässt sich auf fast 2,5 Kubikmeter erweitern. Variabel ist der Alhambra, weil sich das Klappen und Verschieben der Sitze nun auch ohne Kraftanstrengung mit wenigen Handgriffen bewerkstelligen lässt. Während bislang die einzelnen Sitze ausgebaut und aus dem Auto gehievt werden mussten, lassen sie sich jetzt einfach umklappen oder im Wagenboden versenken.

Neue Zeiten beginnen beim großen Seat auch unter der Motorhaube. Als Antriebsquellen sind künftig ein Benziner und zwei Diesel im Angebot, die ein Leistungsspektrum von 140 bis 170 PS abdecken. Alle Motoren sind Vierzylinder mit Direkteinspritzung, und alle Alhambra laufen unter dem Sparlabel "Ecomotive". Das heißt: Spritspartechniken wie ein System zur Rückgewinnung der Bremsenergie oder eine Start-Stopp-Automatik sind serienmäßig an Bord. Das hat einen erfreulich niedriger Verbrauch zur Folge. Selbst der 150-PS-Benziner kommt im Schnitt mit 7,2 Litern aus, und die sparsamste Maschine, der 140-PS-Diesel, ist mit 5,5 Litern zufrieden.

Der dicke Diesel ist absolut ausreichend für den Alhambra

Natürlich ist ein Auto von diesen Dimensionen kein Sportwagen. Aber bei der ersten Ausfahrt von SPIEGEL ONLINE zeigte der Alhambra mit dem stärksten Motor nicht nur Qualitäten als konditionsstarker Dauerläufer, der mit niedriger Drehzahl, geringem Geräuschniveau und komfortablem Fahrwerk flott über die spanische Autobahn schnurrt. Mit 170 PS und vor allem mit bis zu 350 Nm hat der grundsätzlich mit Doppelkupplungsautomatik bestückte Common-Rail-Dieselmotor auch ausreichend Kraft für Zwischenspurts: Auf Tempo 100 wuchtet er die Fuhre in 9,8 Sekunden. Und wenn der Anlauf reicht und es eben dahin geht, erreicht das Auto auch knapp die 200-km/h-Marke. Dann rückt zwar der Normverbrauch von 5,9 Litern in weite Ferne, doch die enormen Verbrauchswerte des Vorgängermodells werden im neuen Auto selbst notorische Bleifüße kaum mehr erreichen.

Klar: Der Alhambra, ein nahezu hundertprozentiger Klon des Sharan, zeigt nicht gerade viel Eigeninitiative. Doch zumindest auf der Preisliste hört das Prinzip des schlichten Kopierens auf. Obwohl VW und Seat serienmäßig mit sieben Airbags, ABS und Klimaanlage recht ähnlich ausgestattet sind, kostet der Sharan mindestens 28.875 Euro, den Alhambra jedoch gibt es ab 27.500 Euro.