Sieben Tage mit dem VW Multivan: Die große Freiheit - DER SPIEGEL
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VW Multivan: In jeder Hinsicht großzügig

Sieben Tage mit dem VW Multivan Die große Freiheit

Beim Traumauto, denken viele an Ferrari, Bentley oder Porsche. Doch kaum ein durchschnittlicher Familienvater von Verstand wünscht sich ein derartiges Fabrikat. Eher schon einen VW-Bus. Leider ist der auch ziemlich teuer - sonst aber ein Autotraum. SPIEGEL ONLINE hat's erlebt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Erster Tag: Gruß an die Wirbelsäule
Eine Woche Urlaub steht an und vor der Tür steht ein VW Multivan 2.0 TDI in der Ausstattungsvariante Comfortline. Drinnen ist der Wagen mit sieben Sitzplätzen ausgestattet, das sind für unsere Zwecke zwei zuviel. Um Platz zu schaffen fürs Gepäck, sollen die beiden Einzelsitze im Fond also ausgebaut werden. Das Aushaken der Sitze aus den im Fahrzeugboden eingelassenen Schienen ist ein Kinderspiel - dann aber folgt ein Kraftakt. Denn die Einzelsitze wiegen 40 Kilogramm und sind nur unwesentlich griffiger als eine Waschmaschine. Die Dinger alleine in den zweiten Stock zu hieven grenzt an das fahrlässige Herbeiführen eines Bandscheibenvorfalls - zum Glück passiert nichts. Und die Schmerzen sind sogleich vergessen, wenn es ans Beladen geht. Die im Fond verbliebene Dreier-Sitzbank lässt sich mühelos so weit nach vorne verschieben, dass im Heck ein Gepäckraum entsteht, der Taschen und Koffer, Schlitten und Skier locker schluckt.

Zweiter Tag: Ein Kenner zollt Respekt

Die Reise hat begonnen, das Auto spielt bereits seine Paraderolle als Minibus, der alle Insassen zufrieden stellt. Die Fondpassagiere genießen die große Bewegungsfreiheit nach allen Seiten und den prima Ausblick von der erhöhten Sitzposition. In Reihe eins ist die Stimmung ebenfalls bestens. Bei einem Stopp tritt der Fahrer eines VW T4 heran und beginnt ein Gespräch. Einem alten Multivan-Hasen wie ihm kann man als Novize nach 24 Stunden mit dem Auto nichts Neues mehr sagen. Er wiederum konstatiert: "Wenn ich mir meinen Wagen so anschaue, dann ist der neue jetzt endgültig ein Pkw mit extra viel Platz geworden. Sieht richtig hübsch aus, das Armaturenbrett, die Sitze und das Cockpit."

Dritter Tag: ESP für alle

Wir sind am Zielort in Norwegen eingetroffen, tief verschneit ist es hier noch und die letzten Kilometer rollten wir über eine geschlossene Schneedecke - teilweise recht saftig bergauf. Der VW nimmt das klaglos hin. Klimaanlage und Lüftung sorgen für eine wohltemperierte Atmosphäre an Bord und das von VW jetzt serienmäßig in der T5-Baureihe installierte ESP nimmt einigen glatten Passagen den Schrecken.

Vierter Tag: Endlich moderne Motoren

Das Auto hat heute Ruhe. Ruhe ist übrigens ein gutes Stichwort, um ein paar Dinge zum Motor loszuwerden. Das wahrnehmbare Außengeräusch des neuen Vierzylinder-Commonrail-Turbodieselmotor in unserem Testwagen nämlich wurde um glatt 5 dBA leiser als beim Vorgängeraggregat, dem Fünfzylinder-Pumpe-Düse-Selbstzünder. Außerdem sank der Verbrauch und es stieg die Leistung. Mit 140 PS, 340 Nm und einem Durchschnittsverbrauch von 7,7 Liter ist der zweitstärkste Diesel im Motorenangebot ein ideales Triebwerk für das Auto - zumal wenn man zu fünft mit reichlich Gepäck unterwegs ist. Endlich hat VW die Dieselmotoren-Umstellung auch beim T5 vollzogen, damit erfüllt nämlich die aktuelle Selbstzünder-Flotte ausnahmslos die Euro-5-Abgasnorm. Und Rußpartikelfilter sind inzwischen auch als Standard an Bord.

Fünfter Tag: Das sind ja Mond-Preise

Gespräche über den VW-Bus ähneln sich auffällig. Nach zwei, drei Sätzen Schwärmerei über das Auto sagt einer: "Das Ding ist leider viel zu teuer." Widerspruch ist nach Faktenlage sinnlos. Das von uns gefahrene Modell kostet von der Stange 43.583 Euro mit Sechsgang-Schaltgetriebe; wollte man den gleichen Wagen mit Sieben-Gang-DSG, wären schon mal 2089 Euro mehr fällig. Für Seiten- und Kopfairbags werden 458 Euro extra fällig, für Fußmatten 51 Euro, für eine Einparkhilfe vorn und hinten 530 Euro, für einen Spurwechselassistenten 790 Euro - und man könnte noch lange so weitermachen, denn wir sind erst auf der dritten von insgesamt 16 eng bedruckten Din-A4-Seiten, auf denen die aufpreispflichtigen Sonderausstattungen aufgelistet sind. Ach ja, die Lackierung im Farbton Reflexsilber metallic, die unser Auto trug, macht noch mal 740 Euro extra.

Sechster Tag: Der ganz kleine Trucker


Auf der Rückfahrt begreift man, warum trotz der satten Preise VW allein von der aktuellen Generation mit dem Kürzel T5, die seit 2003 auf dem Markt ist, schon mehr als eine Million Fahrzeuge verkauft hat. Der VW Bus gehört vermutlich zu den ausgereiftesten Autos überhaupt, immerhin wird das Modell seit 60 Jahren gebaut. Man spürt das an Kleinigkeiten wie den schlau platzierten und nützlich geformten Ablagen, aber auch am großen Ganzen, etwa dem rundum guten Fahrgefühl, das der Wagen vermittelt. Ob Schottersträßchen oder Autobahn, da knarzt und knistert nichts, die Lenkung vermittelt einen guten Kontakt nach unten und wenn die Türen zuschnappen oder die Sitze verstellt werden, bleibt jedes Mal der Eindruck größter Solidität zurück.

Siebter Tag: Warum Traumauto?

Nie mehr darüber nachdenken, ob Fahrrad oder Kinderwagen wohl noch ins Auto passen. Keinen Gedanken daran verschwenden, ob man denn trotz des großen Fahrzeugs auch einen passenden Parkplatz findet. Als wir einen suchen, fährt gerade ein Mercedes E-Klasse T-Modell aus einer Lücke. Das Einparken klappte problemlos - der Multivan ist nämlich sogar ein paar Millimeter kürzer als der Mercedes-Kombi. Und als Durchschnittsverbrauch während des Sieben-Tage-Tests ermittelten wir 8,8 Liter. Seither erscheint auch uns immer mal wieder ein VW-Bus im Traum.