Smart Fortwo Brabus Gedopter Zwerg
Wenn männliche Heranwachsende mit Klebetattoo, Muskelshirt und Gelfrisur auf dicke Hose machen, muss man manchmal Nachsicht walten lassen. Ähnlich verhält es sich mit dem neuen Smart Brabus. Der hat Spoiler, Doppelauspuff und auf der Hinterachse 17-Zoll-Räder mit 225er-Walzen. Doch es sind eher der Spaß an der Maskerade und das Spiel mit der Provokation als ernsthafte Vollgas-Ambitionen, die hinter diesem vorlauten Auftritt stecken. Zumal das Auto mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,2 Liter Superbenzin und einem CO2-Ausstoß von 124 Gramm je Kilometer ökologisch in der akzeptablen Spur bleibt. Bleibt die Frage, warum es ausgerechnet vom Smart eine Hallodri-Variante geben muss?
"Weil wir auch Kunden gewinnen wollen, die im Auto auf nichts verzichten und dennoch die Vernunft nicht über Bord werden möchten", sagt Anders Sundt Jensen, Leiter des Smart Markenteams innerhalb der DaimlerChrysler AG. Und so werden ab Anfang Oktober sowohl das Smart Fortwo Coupé als auch das Cabrio in den Varianten Brabus und Brabus exklusive angeboten. "Die Technik beider Autos ist identisch", erklärt Jensen. Unterschiede gebe es lediglich bei Ausstattung und Farbauswahl, denn die Varianten mit dem Namenszusatz exklusive sind ausschließlich in schwarz oder silber erhältlich.
Im Heck des Zweisitzers arbeitet ein Einliter-Dreizylinder-Turbomotor der 98 PS entwickelt und auf ein maximales Drehmoment von 140 Nm kommt. Das reicht für eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 9,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 155 km/h begrenzt. "Es ist nicht das Tempo, über das wir den Smart Brabus definieren möchten, sondern die Agilität", erläutert Jensen. "Immerhin dauert die Beschleunigung von null auf 60 Sachen nur 4,1 Sekunden." Unter anderem auch deshalb, weil das automatisierte Fünfgang-Getriebe mit einem kürzeren ersten Gang ausgerüstet wurde.
Gut, dass der Wagen auf Tempo 155 begrenzt ist
Der Eindruck, dass der Smart Brabus ein spritziges Kerlchen ist, bestätigt sich bei der ersten Probefahrt. Ebenso wird bei voll durchgetretenem Gaspedal auf der Autobahn deutlich, warum der Tempobegrenzer bei 155 sehr sinnvoll ist: Das Wägelchen springt bei dieser Geschwindigkeit beinahe über die Querfugen der Fahrbahn, und der Geräuschpegel erreicht ungefähr Kleinbusniveau. Wer längere Distanzen zügig mit dem Auto zurücklegen muss, sollte besser nicht auf die Idee kommen, der Smart Brabus sei dafür das geeignete Vehikel.
Eigentlich ist der Wagen, so wie er ist, überflüssig. Wer ein flinkes Stadtmobil möchte, ist mit den schwächer motorisierten Modellen ausreichend bedient. Und eine Sportskanone wird der Knirps schon aufgrund seines Grundkonzepts niemals werden. Solchen Einsichten zum Trotz gibt es eine Nachfrage nach dem Miniatur-Muskel vor allem in Frankreich und Italien. Von der ersten Generation wurden seit 2003 gut 7000 Exemplare verkauft. Das klingt bescheiden, aber dafür dürfte die Marge erklecklich sein. Der neue Smart Brabus kostet in seiner günstigsten Version 16.490 Euro als Coupé und 19.430 Euro als Cabrio die Exklusive-Varianten sind jeweils 3000 Euro teurer.
Positiv zu vermerken ist, dass der teure Kleinstwagen umfangreich ausgestattet wurde. ESP gehört beispielsweise zum Serienumfang, ebenso vier Airbags. Außerdem erhalten alle Smart-Brabus-Versionen elektrische Fensterheber, Klimaanlage, Panoramadach, ein tiefergelegtes Sportfahrwerk, Edelstahl-Pedale, Dreispeichen-Lederlenkrad, ein ganzes Sortiment an Zierteilen und einen Tacho, dessen Skala bis 200 reicht.
Ein Über-Smart wird auf der IAA stehen
Dass dieser Geschwindigkeitsbereich für den Smart nicht völlig utopisch ist, wird die Tuningfirma Brabus die zu gleichen Teilen mit Mercedes an der Smart Brabus GmbH beteiligt ist auf der IAA demonstrieren. Dort zeigen die Bottroper Spezialisten den Brabus 112 Ultimate auf Smart-Basis. Wer mit den Usancen der Modellnamen des Hauses vertraut ist ahnt, dass dieses Auto mit einem 112 PS starken Motor ausgerüstet sein wird. Allerdings wird es das Gerät nur in einer limitierten Auflage geben und zu einem Preis von mehr als 40.000 Euro.
Der Smart Brabus, also das offizielle Topmodell des Herstellers, wird vermutlich in den USA ganz gut ankommen. Zu Beginn des nächsten Jahres startet Smart den Verkauf seiner Modelle auf dem größten Automarkt der Welt. Bereits jetzt sind nach Angaben von Markenchef Jensen mehr als 30.000 Vorbestellungen eingegangen. Möglich, dass der Wagen das Zeug zum In-Accessoire in den Metropolen der Ost- und Westküste hat als neckisch-ironisches Feigenblättchen in den Nobel-Fuhrparks der Upper Class. Immerhin: Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche wird demnächst einen Smart Brabus erhalten, natürlich die Exklusive-Version ganz in schwarz.