Studie Avantissimo Alles in Audi
Geschickt baute Audi-Vorstandschef Franz-Josef Paefgen die Spannung auf. Erst referierte er Unternehmenszahlen, dann erläuterte er, dass trotz einer "nach wie vor schwachen Konjunktur" Audi auf sein sechstes Rekordjahr in Folge zusteuere, was die Absatzzahlen angeht. In Ingolstadt muss sich also niemand ernsthafte Sorgen machen. Die Attacke von VW-Konzernchef Ferdinand Piëch, der Audi unlängst noch Mutlosigkeit vorgeworfen hatte, ist mit der jetzt enthüllten Studie wohl auch vom Tisch. Denn nach dem mündlichen Kurz-Geschäftsbericht hob sich ein blau angestrahlter Schleier vom Avantissimo.
Weil Audi sich als Hersteller außergewöhnlicher Kombis mit Namen Avant versteht, war es im Grunde nur logisch, dass sie diese Fahrzeugart nun auch in der Oberklasse anbieten wollen. Und der Avantissimo sieht schon ziemlich nach Serienmodell aus und keineswegs wie eine Spielerei der Design- und Ingenieursabteilung. "Man kann seine Zukunft am besten vorhersagen, wenn man sie selbst gestaltet", sagte Paefgen zu dem Auto.
5,06 Meter lang ist der Luxuskombi. Unter seine Haube hat Audi einen 4,2-Liter-Biturbo-V8-Motor gepflanzt, der 430 PS (316 kW) leistet und ein Drehmoment von 600 Nm produziert. Leistungsfanatiker hören so etwas mit Entzücken, Skeptiker der Vollgas-Mentalität dagegen schaudert es bei dem Gedanken, in Zukunft würden auch noch mit Kind und Kegel beladene Riesenkombis mit 250 Stundenkilometern über die linke Spur fegen. Andererseits: Studien sind dazu da, bestimmte Entwicklungen zu übertreiben und zu demonstrieren, was technisch machbar ist.
Und da hat der Avantissimo viel mehr zu bieten als nur ein bärenstarkes Triebwerk. Zum Beispiel ein Fahrwerk mit Luftfederung, das sich stufenlos der jeweiligen Fahrsituation anpasst. Oder riesige "Pax-Räder", die offenbar so heißen, weil sie Frieden geschlossen haben mit dem Feind namens Plattfuß. Die Notlaufeigenschaften sind angeblich so gut, dass man auch bei völligem Druckverlust noch 200 Kilometer weit fahren kann. Ein Ersatzrad kann also entfallen.
Der Innenraum, so Audi-Technikvorstand Werner Mischke, sei eine einzige "Wohlfühl-Landschaft". Es komme ihm so vor, fabulierte Mischke, als vereine der Avantissimo die Vorzüge eines "englischen Landsitzes, einer Hochseeyacht und eines First-Class-Flugzeugs".
Alles in Audi eben. Wesentlich innovativer als das Leder-Holz-Velours-Interieur sind die Bi-Xenon-Scheinwerfer. Die sind so eingebaut, dass sie senkrecht nach oben strahlen und dort auf einen beweglichen Spiegel treffen. Der stellt sich jeweils so ein, dass die Straße - also auch Kurven, die das System dank der Navigationseinheit erkennt - stets voll ausgeleuchtet wird. Schließlich ist im Avantissimo auch das elektronische Bedienprogramm MMI (Multi Media Interface) installiert. Doch trotz aller Hightech-Semantik und Flugzeug-Vergleiche, beruhigt Paefgen die Auto-Puristen: "Wir werden kein Elektroniklabor mit Motor anbieten."