Subaru Impreza Es geht auch ohne Spoiler
Jens Becker hat keine Lust auf gute Mine zum bösen Spiel: "Die Situation ist bescheiden", sagt der Geschäftsführer von Subaru in Deutschland, "da gibt es nichts zu beschönigen." Den Rückgang auf dem Privatkundenmarkt spüren die Japaner ganz besonders, weil der Nischenmarke die Geschäftskunden fehlen. Der Absatz im Juli 2007 war um 29 Prozent niedriger als im vergangenen Jahr.
"Und die Zahlen für den August machen kaum Hoffnung", sagt Becker. Seine Hoffnungen setzt der Manager auf gleich zwei Modelle, mit denen Subaru die Kunden wieder in die Schauräume locken könnte. Auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) gibt die nächste Auflage des Kleinwagen Justy ihren Einstand. Und beinahe zeitgleich rollt die dritte Generation des Impreza zu den Händlern.
Der Kompaktwagen hatte bislang immer "ein gewisses Imageproblem", sagt Naoki Fujimaki aus der Europazentrale. "Weil er bei der Rallye-Weltmeisterschaft so erfolgreich war und wir vom Rennwagen sehr sportliche Sondermodelle abgeleitet haben, wurden die Serienfahrzeuge kaum mehr wahrgenommen", klagt der Japaner. Becker wird konkreter: "Wir bekommen bei allen Studien regelmäßig eine hohe Kundenzufriedenheit, tolle Qualität und extrem zufriedene Händler attestiert. Doch hilft das alles nichts, wenn die Kunden nur eine Frage auf den Lippen haben: Wie sieht der denn aus?"
Diese beiden Probleme wollen die Japaner nun bei der Neuauflage in einem Aufwasch lösen und den Impreza aus dem Schatten der Sportler fahren. Und so sind erst einmal die ganz normalen und gar nicht auffrisierten Serienmodelle an der Reihe. Die Varianten mit den leistungsstarken Motoren werden erst einmal zurück gestellt. Außerdem gibt es statt der beiden bisherigen Karosserievarianten fortan nur noch eine. Statt einer ungewöhnlichen Limousine und einem ohnehin viel zu kleinen Kombi gibt es künftig nur noch einen Fünftürer mit dem klassischen Schrägheck der Golf-Klasse, der bei einer Länge von 4,42 Metern, einem Radstand von 2,62 Metern und einem Kofferraumvolumen von 301 Litern allerdings kein Raumwunder ist.
Rote Kaugummis im weißen Automaten
Mag sein, dass sich die Japaner um ein wenig mehr Charme bemüht und sich vom altbackenen Design des Vorgängers verabschiedet haben. Doch nur weil sich jetzt eine kleine Chromschwinge durch den Kühlergrill zieht, die Motorhaube ein paar Falten erhielt, die Scheinwerfer ein wenig Wimperntusche bekamen und die Bremslichter aussehen wie rote Kaugummis in einem weißen Automaten, wird der Neuling nicht gleich zum Charakterdarsteller.
Allenfalls die Silhouette schlägt den Betrachter kurz in den Bann, weil sie entfernt an Alfa Romeo erinnert. Weitgehend unauffällig präsentiert sich auch der Innenraum: Materialauswahl und Verarbeitung sind in Ordnung, und wenn man erst einmal den Startknopf neben der Tür gefunden hat, findet man sich ganz gut zurecht. Doch von Lust und Leidenschaft ist in der mausgrauen Welt des neuen Impreza auch trotz einiger glänzender Konsolen wenig zu spüren.
Optisch gehen die Japaner in der Masse unter. Doch technisch bleiben sie mit einer fast schon charmanten Sturheit eigenbrötlerisch und damit außergewöhnlich: Wie jeden Subaru in Europa gibt es auch den Impreza ausschließlich mit Allradantrieb. Und wie immer rauschen die Kolben nicht auf und ab, sondern boxen gegeneinander.
Weil sich ja die Sportmodelle zum Wohl der restlichen Motoren-Familie erst einmal zurück halten sollen, beginnt das Programm mit einem 107 PS starken 1,5-Liter und einem Zweiliter mit 150 PS, den es auch mit Automatikgetriebe gibt. Zwar macht das neue Fahrwerk eine sehr ordentliche Figur, doch gerade in Verbindung mit der Automatik muss man die 150 PS und die maximal 196 Nm schon lange suchen, bis man etwas Fahrspaß findet.
Die Rückkehr der Turbomotoren ist schon beschlossen
Bei den beiden Motoren wird es aber nicht bleiben: Bald wird es doch auch wieder Turbos geben, und auf der IAA zeigen die Japaner den weltweit ersten Diesel-Boxer. Der neue Sonderling, der in etwa so exotisch ist wie der Wankelmotor bei Mazda, gibt seinen Einstand zwar im Modell Legacy, wird aber mittelfristig auch im den Impreza eingesetzt werden. Bis dahin baut Becker auf eine Alternativlösung, die ihm schon manchen Kundenkontakt gerettet hat und auch beim neuen Impreza ab dem Start verfügbar ist. "Unser Diesel heißt Flüssiggas", sagt der Geschäftsführer, der mittlerweile jeden zweiten Subaru mit Autogas-Tank ausliefert.
Obwohl die Markteinführung unmittelbar bevor steht, gibt es zur Ausstattung bislang nur dürre Informationen: Sicher sind vier Airbags, aktive Kopfstützen und Klima für alle sowie ESP für die stärkeren Modelle. Unklar ist auch der Einstiegspreis, der bislang bei 18.160 Euro gelegen hat. Viel Spielraum hat Subaru ohnehin nicht, klagt Becker. "Die Zeiten, in denen man bei einem Modellwechsel mal eben zehn Prozent aufgeschlagen hat, sind vorbei."