Subaru Levorg im Test: Der große Unbekannte - DER SPIEGEL
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Subaru Levorg im Test Der große Unbekannte

An optischer Zurückhaltung liegt es sicher nicht, dass kaum jemand den Mittelklasse-Kombi Levorg von Subaru kennt. Vielleicht ist der extrovertierte Auftritt genau sein Manko.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein dickes DIN-A4-Kuvert, für das mindestens 1,45 Euro Porto fällig werden, würde locker durch die Hutze in der Motorhaube des Subaru Levorg passen. Doch leider passt dieser klaffende Schlitz so gar nicht zu einem Auto, das als Mittelklasse-Familienkombi konzipiert ist: geräumig, praktisch und mit kompromisslos unspektakulären Fahreigenschaften ausgestattet. Wenn so ein Auto mit Hutze, Seitenschwellern, Dachspoiler und Diffusorattrappe vorfährt, gibt es nur drei Interpretationsmöglichkeiten: Der Besitzer hat kein besonderes Stilgefühl, oder er möchte mit seinem Auto angeben - oder beides.

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Subaru Levorg: Hutzenplotz

Foto: Jürgen Pander

Sofern einem gleichgültig ist, wie die Mitmenschen bestimmte automobile Merkmale interpretieren, ist der Subaru Levorg allerdings eine Entdeckung. Das kann man so und so verstehen: Zum einen ist der Wagen, sitzt man erst einmal drinnen, kein bisschen überspannt, sondern rundum durchdacht und kompetent. Zum anderen ist er eine echte Seltenheit auf den hiesigen Straßen; seit 2015 wurden in Deutschland insgesamt nur 1617 Exemplare neu zugelassen - ungefähr diese Anzahl wirft VW vom Golf in zwei Tagen auf den deutschen Markt.

Dass der Zuspruch zu diesem Auto so verhalten ist, liegt wohl nicht nur an der aufdringlichen Sportlichkeit des Designs. Unter den Mankos lässt sich auch der durstige Boxermotor verbuchen. Subaru nennt für das 1,6-Liter-Turboaggregat einen Durchschnittsverbrauch von 7,2 Liter. Während unserer Testfahrten - die im Januar und damit stets mit eingeschalteter Heizung samt Gebläse sowie eingeschaltetem Licht stattfanden - genehmigte sich der Motor knapp elf Liter im Schnitt. Und auch wenn dies kein zertifiziertes Messergebnis ist, sondern das Resultat einer einfachen Division nach dem Volltanken - es macht zumindest deutlich, dass die Maschine kein Sparwunder ist.

Abgesehen vom Verbrauch läuft der Boxermotor exzellent, nämlich leise, vibrationsarm, drehfreudig und auf jeden Fall flott genug für diese Art von Fahrzeug. Mag sein, dass das stufenlose Automatikgetriebe, das Subaru für den Levorg alternativlos anbietet, zu Lasten der Spritzigkeit geht - insgesamt ist das Antriebspaket eine stimmige Kombination für einen Mittelklasse-Kombi, der als Familientransporter und nicht als Außendienst-Bolide zum Einsatz kommt.

Allradantrieb in strenger Symmetrie

Serienmäßig ist beim Levorg, das sollte man auch bei der Beurteilung des Verbrauchs im Blick behalten, der permanente Allradantrieb, der vom Motor über das Getriebe bis zum hinteren Differenzial konsequent symmetrisch aufgebaut ist. Als Fahrer bemerkt man das insofern, als sich der Wagen ungeheuer ruhig und souverän bewegen lässt. Das liegt neben dem Allradantrieb mit der leicht hecklastigen Drehmomentverteilung am tiefen Schwerpunkt, der gut abgestimmten elektrischen Servolenkung und einer kommoden Fahrwerksabstimmung.

Dazu kommt eine wirkungsvolle Geräuschdämmung, für die Subaru in Hohlräumen aus Gründen der Gewichtsersparnis Resinschaum anstelle herkömmlicher Dämmmatten einsetzt und für die beispielsweise das Getriebe mit Thinsulate-Kunstfasern ummantelt ist, die man normalerweise von Funktionskleidung kennt. Bei Subaru dämpft das Gewebe neben den Geräuschen auch noch die Vibrationen.

Für die Insassen des Kombis bedeuten diese Details vor allem ein angenehm ruhiges und bequemes Fahrgefühl. Der Innenraum strahlt Geborgenheit aus. Es gibt zwar weder Holzapplikationen noch Ambientelicht, dafür jedoch eine handfeste Solidität und im Grunde dann doch all das, was in einem Auto nützlich ist. Gut gepolsterte Sitze, brauchbare Ablagen, übersichtliche Bedienelemente und das alles in unverkrampfter, klassischer Atmosphäre. Der Levorg schämt sich nicht, ein Auto zu sein - weshalb er gar nicht erst so tut, als sei er eine Lounge oder Wellnessoase.

Im neuen Modelljahr erhält der Subaru Levorg erstmals eine Frontkamera. Deren Bild wird auf Knopfdruck auf dem schmalen Monitor auf der Armaturentafel eingeblendet, und man kann so praktisch zentimetergenau einparken. Auch neu ist, dass das stufenlose Automatikgetriebe jetzt mit sieben (zuvor waren es sechs) manuellen Schaltstufen arbeitet, falls man es vorzieht, die Schaltpaddles am Lenkrad zu verwenden und das Übersetzungsverhältnis nicht allein der Elektronik zu überlassen. Und schließlich ist die Rücksitzlehne jetzt dreigeteilt (40:20:40), was neue Möglichkeiten bei der Laderaumvergrößerung eröffnet.

Was soll man nun vom Subaru Levorg halten? Mal abgesehen vom merkwürdigen Modellnamen - ein Akronym aus LEgacy (das Vorgängermodell), reVOlution und touRinG - bietet der Mittelklasse-Kombi hohen Nutzwert, ein sicheres und robustes Fahrverhalten und eine ausgereifte Technik. Auf der Minusliste steht der hohe Verbrauch. Und dann wäre da noch die Optik, wobei die natürlich Geschmackssache ist. Und nebenbei auch immer wieder zu spontanen Kontakten führt. Denn auf die Hutze, das sollte man wissen, wird man immer wieder mal angesprochen.

Hersteller:Subaru
Typ:Levorg 1.6 Sport
Karosserie:Kombi
Motor:Vierzylinder-Boxer-Direkteinspritzer-Turbo
Getriebe:stufenlose Automatik
Antrieb:Allrad
Hubraum:1.600 ccm
Leistung PS:170 PS
Leistung kW:125 kW
Drehmoment:250 Nm
Von 0 auf 100:8,9 Sek.
Höchstgeschw.:210 km/h
Verbrauch (ECE):7,2 Liter
CO2-Ausstoß:164 g/km
Kofferraum:522 Liter
umgebaut:1.446 Liter
Gewicht:1.596 kg
Maße:4690 / 1780 / 1490
Versicherung (HP):18 €
Versicherung (TK):23 €
Versicherung (VK):24 €
Preis:37.200 €

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