Suzuki Jimny Der Berufsjugendliche
Mit dem Geländewagen LJ 80 etablierte sich der japanische Hersteller Suzuki im Segment der kleinen Allradautos. Das aktuelle Modell in dieser Klasse ist der Suzuki Jimny, ein rustikales Geländewägelchen, rund 3,70 Meter lang und mit zuschaltbarem Allradantrieb sowie Geländereduktion, das einerseits abseits der Straße durchaus den Rabauken geben kann, andererseits im normalen Verkehrsalltag als ziemlich handliches Autos überzeugt. Obwohl der Wagen bereits neuen Jahre auf dem Buckel hat - eine dezente Modernisierung 2005 brachte keine wesentlichen Neuerungen - verkauft sich das Auto immer noch respektabel; 4829 Modelle wurden im vergangenen Jahr neu in Deutschland zugelassen.
Eine Ablösung des betagten Modells ist noch längst nicht in Sicht, erst 2011 soll der Jimny durch ein komplett neues Auto ersetzt werden. Bis dahin versucht Suzuki, den Wagen durch Sondermodelle attraktiv zu halten. Derzeit gibt es das Cabrio gleich in drei Spezial-Versionen: Als Jimny "Daktari" mit schwarz-weißem Zebra-Look, als Jimny "Camouflage" mit grün-braun-olivfarbener Tarnfärbung und als Jimny "Rock am Ring". Letzteres Modell ist sozusagen der automobile Output, den Suzukis Engagement beim Open-Air-Festival "Rock am Ring" auf dem Nürburgring erbrachte. Seit vier Jahren unterstützen die Japaner das Musikspektakel - und fabrizieren parallel ein Sondermodell, das sich unter anderem durch eine CD-Musikanlage, eine Mittelarmlehne, eine Auspuffblende, Nebelscheinwerfer und eine Klimaanlage von der Standardversion abhebt.
Dafür kostet das Auto auch 16.900 Euro, die Modelle "Daktari" und "Camouflage" aufgrund spezieller Leichtmetallfelgen sogar 17.700 Euro. Aber es geht auch günstiger. Das Jimny Cabrio in der Grundausführung ist für 14.800 Euro das billigste viersitzige Cabriolet auf dem deutschen Markt. Das zweigeteilte Faltverdeck lässt sich über den Köpfen der vorderen Insassen zurückknöpfen, und dann kann auch noch das komplette Heck bis ungefähr auf Hüfthöhe abgetakelt werden. So entsteht ein reichlich belüfteter Innenraum, in dem es aber ab Tempo 90 auch ziemlich laut und wummerig wird.
Es gibt nur zwei Airbags, aber immerhin ABS
Wer sich fragt, was der automobile Fortschritt der vergangenen neun Jahre gebracht hat, findet mit Hilfe des Jimny etliche Antworten: Die Kunststoffe im Innenraum wirken billig, brauchbare Ablagen gibt es kaum, die Schaltwege des Fünfganggetriebes sind lang, man blickt teils auf unverkleidetes Metall, und es gibt lediglich zwei Airbags, aber immerhin höhenverstellbare Sicherheitsgurte an den Vordersitzen mit Gurtstraffern und serienmäßig ABS.
Das Modell mit dem Faltverdeck wird ausschließlich mit dem 1,3-Liter-Benziner angeboten, der 86 PS leistet, im Schnitt 7,3 Liter verbraucht und damit pro Kilometer durchschnittlich 174 Gramm CO2 ausstößt. Das Auto fährt sich, einen eher defensiven Stil vorausgesetzt, durchaus angenehm. Die Übersicht ist gut, die Instrumente sitzen alle am rechten Fleck, und der Motor kommt prima mit dem gut 1100 Kilogramm schweren Auto klar. Insofern lehrt der Jimny Demut, denn mehr Auto braucht man nicht, jedenfalls dann nicht, wenn man ohnehin überwiegend auf Kurzstrecken unterwegs ist, und das auch noch meist alleine oder zu zweit.
Der Jimny bietet zwar auch im Fond zwei gar nicht mal so unbequeme Plätze, doch um dort hinzugelangen, sind Gelenkigkeit und Balancegefühl unbedingte Voraussetzungen. Und auf langen Strecken dürfte das Fahrwerk mit Starrachse auch nicht gerade zur Reiselust beitragen. Und dass hinten Trommelbremsen zur Verzögerung des Autos beitragen, ist auch nicht mehr Stand der modernen Technik. Aber gerade deshalb demonstriert das in Spanien gebaute Jimny Cabrio ganz gut, dass eben - trotz anders lautender Marketing-Mitteilungen - nicht beides zugleich geht: Hightech und Geiz, Gewichtsersparnis und Komfort, Minipreis und Maxisicherheit.
Technik von vorgestern, Dekor von heute
Für Suzuki rechnet sich der Jimny dennoch. Das Auto mit der Technik von vorgestern kann mit ein paar flotten Aufklebern immer noch auf jugendlich und frisch getrimmt werden - und wer nicht allzu hohe Erwartungen an seinen fahrbaren Untersatz stellt, wird mit dem Jimny durchaus zufrieden sein, zumal als Cabriolet. Die japanische GM-Tochter jedenfalls plant eifrig ihren Expansionskurs, in dem der aktuelle Jimny nur eine geringe Rolle spielt. Nach 32.237 verkauften Autos im vergangenen Jahr in Deutschland sollen in diesem Jahr 35.000 Pkw abgesetzt werden und im Jahr 2010 dann sogar 50.000.
Zum Wachstum betragen sollen unter anderem der Minivan Splash, den Suzuki auf der IAA im September vorstellen wird, dann ab dem Ende des nächsten Jahres ein neuer Kleinstwagen sowie, im Jahr 2010, ein neues, sportliches Mittelklassemodell als Limousine und Kombi. "Wir entwickeln uns", sagt Suzuki-Sprecher Axel Seegers, "vom Nischenanbieter zum Vollsortimenter." Und da müssen auch alt gediente Eisen wie der Jimny vorerst noch an Bord bleiben.