VW Eos: Nach oben offen
VW Eos 2.0 TSI Sonne über Wolfsburg
Rechtzeitig vor dem Beginn der Cabrio-Saison 2011 hat VW das Modell Eos überarbeitet und schickt das Modell mit versenkbarem Stahldach zu Preisen ab 27.975 Euro an den Start. Ab sofort mit dem neuen Markengesicht, den typischen LED-Haken des Tagfahrlichts, markanten LED-Rückleuchten, erweiterter Ausstattung und einer im Gegensatz dazu ausgedünnten Motorpalette.
Im Rahmen dieser Auffrischung erhält der Eos ein paar Finessen, die ihn vornehmer erscheinen lassen und dadurch eine halbe Klasse nach oben hieven: zu einem Audi A5 oder einer Mercedes E-Klasse fehlt nicht mehr viel, wenn man auf den Eos-Sitzen Platz nimmt, das weiche, zweifarbige Leder fühlt und den Blick über matte Chromapplikationen im aufgeräumten Cockpit schweifen lässt. So was schmeichelt der VW-Kundschaft und macht zugleich im Sortiment ein wenig Platz für das neue Golf Cabrio, das auch bald auf den Markt kommen wird.
Was neu ist am Eos, merkt man schon beim Einsteigen: Erstmals gibt es nun auch für das Klappdach-Cabrio einen Schlüssel, der dauerhaft in der Tasche bleiben kann. Handauflegen am Türgriff genügt, schon ist das Auto offen. Und danach reicht ein Druck auf den Startknopf, um den Motor anzulassen. Wichtiger allerdings - zumindest aus Herstellersicht - ist der eingebaute Showeffekt: Weil nun auch die Dachautomatik mit der 455 Euro teuren Fernbedienung bedient werden kann, kann sich der Eos schon entblättern, wenn der Fahrer noch auf der Café-Terrasse sitzt.
Neu sind auch Park Assistent und Park Pilot. Sie kosten zwar 810 Euro Aufpreis, sind aber dennoch empfehlenswert. Der Eos ist nämlich so unübersichtlich, dass Einparken ohne elektronische Helfer schnell ein teures Unterfangen werden kann.
Bei geschlossenem Dach wird der Eos unerwartet laut
Auf den ersten Blick ist das von VW als Cabrio-, Schiebe- und Coupédach angebotene Verdeck noch immer eine faszinierende Sache und jedes seiner Bewegungen ein Blech-Ballett, das technisch interessierte Betrachter verzückt innehalten lässt. Doch je länger man mit dem Eos unterwegs ist, desto deutlich treten die Nachteile zu Tage: Beim neuen Golf Cabrio dauert das Öffnen des Verdecks gerade mal 9,5 Sekunden, beim Eos 25 Sekunden. Außerdem schrumpft dann das Kofferraumvolumen von ohnehin nicht üppigen 380 auf magere 205 Liter.
Klar, wenn die Sonne scheint, dann genießt man jede Ausfahrt mit dem Eos. Man freut sich, dass bis Tempo 100 nur ein laues Lüftchen über die Scheiben streicht, genießt die Verwirbelungen bei höheren Geschwindigkeiten und stellt überrascht fest, dass man im offenen Auto sogar im Fond einigermaßen kommod sitzt. Aber wenn es kalt ist und man mit dem geschlossenen Eos fährt, ist es mit der Freude vorbei: Zumindest in unserem Testwagen wurde die Windgeräusche jenseits von Tempo 100 so laut, dass jeder englische Roadster als Oase der Stille durchgehen würde.
Und zügig fahren ist durchaus normal im Eos, schließlich steckte unter der Haube unseres Modells der zwei Liter große Benzindirekteinspritzer, der mit nun 210 PS die Leistungsspitze der Baureihe markiert. Zudem gibt es zwei Benziner mit 122 und 160 PS sowie einen Diesel mit 140 PS. Das Top-Aggregat hängt gut am Gas, ist mit 280 Nm jederzeit zum Zwischenspurt bereit: Von 0 auf 100 sprintet das Auto in 7,8 Sekunden, das Spitzentempo liegt bei 238 km/h. Auch der Verbrauch mit offiziell 7,1 und realistischen 9,0 Litern geht in Ordnung.
Opel wird ab 2013 wieder ein Konkurrenz-Cabrio anbieten
Allerdings kann man den Preis des Eos mit dem großen Motor und ein bisschen Ausstattung auf beinahe 50.000 Euro treiben. Volkstümlich ist dieser VW dann nicht mehr. In diesem Fall wird das Frischluftvergnügen zum Premium-Privileg. Immerhin wird es das neue Golf Cabrio ab 23.625 Euro geben und auch vom neuen Beetle soll es wieder eine Open-Air-Version geben.
Während VW die Kunden massiv an die frische Luft setzt, halten sich viele anderen Hersteller in der Kompaktklasse bedeckt. Denn abgesehen von Peugeot 308 CC und dem offenen Renault Mégane gibt es, von den so genannten Premium-Marken abgesehen, kein weiteres offenes Modell. Das wird sich so schnell auch nicht ändern: Ford stellte im Juli 2010 die Auftragsfertigung des Focus CC bei Pininfarina ein, ob es einen Nachfolger geben wird, ist noch offen.
Und auch Opel hält die Frischluftfreunde erst einmal unter dem Deckel, seit im letzten Jahr die Bänder der Astra-Twin-Top-Produktion gestoppt wurden. Allerdings haben die Hessen mittlerweile auf die Wolfsburger Offensive reagiert: Kaum hatte VW die ersten Fotos vom Golf Cabrio veröffentlicht, bestätigte Opel flugs den Bau eines neuen Open-Air-Modells auf Basis des Astra. Das Cabrio wird im Werk im polnischen Gliwice gebaut und soll - besser spät als nie - 2013 auf den Markt kommen.