VW Golf GTD: Sparsamer Sprinter mit Schönheitsfehler - DER SPIEGEL
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VW Golf GTD Sparsamer Sprinter mit Schönheitsfehler

Das Trara um das Debüt des neuen VW Polo verebbt gerade, da kurbeln die Wolfsburger mit neuen Golf-Varianten die Aufmerksamkeit wieder an. Im Modell GTD feiert der sportliche Diesel sein Comeback. Doch sparsam ist der Wagen nur in Bezug auf den Verbrauch.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein Sportler, der auch sparen kann? Das hat VW schon einmal versucht und wegen der ungeschickten Diesel-Modellpolitik verwässerte das Auto Anfang der achtziger Jahre das wertvolle Label GTI zu einem billigen Abziehbild. Zuletzt mühte sich das Marketing von VW, den Golf GTI wieder mit Emotionen aufzuladen; vor wenigen Wochen erschien die aktuelle Auflage des Kompaktsportlers, der wieder den alten Nimbus vom rasanten Alltagsfeger genießt. Weil aber die Kombination von Vernunft und Vergnügen weiterhin charmant ist, reaktiviert VW nun auch das Kürzel GTD. Ab Ende Juni tritt der neue VW Golf GTD an.

Der stärkste Dieselmotor im kompakten Bestseller sieht - trotz des neuen alten Namens - dem GTI ziemlich ähnlich. Die GTD-Variante ist ebenfalls um 15 Millimeter tiefer gelegt, trägt eine neue Frontschürze mit senkrecht angeordneten Nebelleuchten und dem klassischen Wabengitter im Kühlergrill, hat einen Diffusor unter dem hinteren Stoßfänger und bekommt innen die Sportsitze, das unten abgeflachte Lenkrad sowie den griffigen Schaltknauf und die Alupedale. Nur eine Kleinigkeit macht den Unterschied: Im Kühlergrill wie auf dem klassischen Karomuster auf den Sitzen setzen die Designer auf graue GTD- statt rote GTI-Streifen.

Wie beim Debüt des Originals vor 27 Jahren will auch der neue Spitzendiesel im Golf sparsam und sportlich zugleich sein. Wo der GTI mit 210 PS und einer Messzeit von 6,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h den schnellen Sprinter spielt, gibt der GTD den Langstreckenläufer. Denn mit 170 PS und 350 Nm braucht er aus dem Stand bis Tempo 100 exakt 8,1 Sekunden, und die Höchstgeschwindigkeit ist mit 222 km/h nicht ganz so imposant wie die 240 km/h des GTI. Doch während der nach 750 Kilometern auf Reserve läuft, reicht dem GTD eine Tankfüllung für rund 1000 Kilometer. Denn das Datenblatt weist einen Normverbrauch von 5,3 Litern aus (Golf GTI 7,4 Liter/100 Kilometer).

Ein sparsamer und zugleich kraftvoller Motor

So sparsam sich der Wagen bewegen lässt, so viel Spaß kann man am Steuer haben. Der Dieselmotor macht ordentlich Dampf, beschleunigt zügig von unten heraus und hat auch bei höheren Geschwindigkeiten noch genügend Puste. Selbst für eine ansprechende Akustik haben die Ingenieure gesorgt. Während Selbstzünder sonst gar nicht leise genug sein können, wird der Motorsound in diesem Fall elektronisch verstärkt und moduliert, damit beim Anfahren auch akustisch ein Hauch von Sportlichkeit aufkommt.

Der gewaltige Punch des GTD beim Anfahren ist imponierend, das Sportfahrwerk ist stramm und präzise, die variablen Dämpfer (945 Euro Aufpreis) spreizen den Spagat in Richtung Rasanz noch ein wenig weiter, und das ebenfalls aufpreispflichtige Doppelkupplungsgetriebe (1875 Euro) kommt auch mit dem stärksten Diesel gut zurecht, wenngleich mit ihm nicht nur der Preis, sondern auch der Verbrauch und der Sprintwert ansteigen. Weil dem GTD jedoch die elektronische Differentialsperre fehlt und der Motor schwerer auf der Vorderachse lastet, ist der Dauerläufer nicht ganz so handlich und agil wie der Sprintertyp GTI.

VW dreht auf: Preisgestaltung in Premium-Manier

Das größte Manko ist allerdings der Preis, der bei 27.475 Euro beginnt und damit noch einmal rund 1000 Euro über dem ohnehin schon teuren GTI liegt - als Dreitürer wohlgemerkt. Für die hinteren Türen verlangt VW noch einmal 765 Euro Aufschlag und weitere 200 Euro wenn man die Fenster elektrisch öffnen will. Da kann von sparen keine Rede mehr sein.

Wenn der GTD Ende Juni auf die Straße kommt, kehrt in der Golf-Familie nur kurz Ruhe ein. Denn nach den Sommerferien steht den Händlern bereits die nächste Premiere ins Haus: Der aufgefrischte Variant. Ähnlich wie beim Hochdach-Modell Golf Plus haben die Niedersachsen beim Kombi zwar nur ein wenig Kosmetik betrieben, durch diese jedoch den Wagen mit einer neuen Frontpartie wieder näher an die Familie gerückt.

Nach dem Kombimodell Variant kommt noch ein Über-Golf

Außerdem bekommt der mindestens 18.500 Euro teure Lademeister, dessen Kofferraumvolumen sich auf 1495 Liter erweitern lässt, einen neuen Motor. Neben dem TSI-Benziner mit 122 PS und dem zwei Liter großen Common-Rail-Diesel-Aggregat mit 140 PS gibt es nun einen zweiten Selbstzünder mit 1,6 Litern Hubraum und 105 PS, der im Mittel nur 4,5 Liter verbrauchen soll. Später folgen bei den Benzinern noch zwei Sauger mit 80 und 102 PS sowie ein Turbo-Direkteinspritzer mit 160 PS.

Nicht einmal ein Jahr nach der Premiere der Generation VI hat VW die gesamte Golf-Palette auf Vordermann gebracht. Die gesamte Palette? Nein, ganz verschossen ist das Pulver noch nicht. Denn für die IAA ist eine weitere Variante mit einer Leistung zwischen 250 und 300 PS angekündigt. Und es fehlt noch eine Neuauflage des Golf Cabrios. "In dieser Generation kommt das nicht mehr", sagt VW-Sprecher Jochen Grüten; zunächst will VW erst einmal die offenen Modelle New Beetle und Eos losschlagen. Aber danach? "Kein Kommentar" heißt es dazu, was für Wolfsburger Verhältnisse fast schon eine Bestätigung ist.

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