VW Golf Plus: Behalten Sie den Hut auf
VW Golf Plus Wenn Zentimeter entscheiden
Nach dem Generationswechsel beim Stammmodell der Golf-Familie im vergangenen Jahr und der Renovierung des Variant wurde nun auch das Plus-Modell auf den aktuellen Stand gebracht: Neue Schürzen, neue Scheinwerfer, andere Rückleuchten und ein aufpoliertes Interieur rücken den Wagen optisch in die Nähe des Golf VI, und der Wechsel auf die neuen TDI-Motoren macht ihn auch technisch fit für die nächsten Jahre.
Die Preise beginnen jetzt bei 17.800 Euro und liegen damit knapp 400 Euro über dem Golf-Fünftürer - ein Aufschlag, der gut angelegt ist. Denn schon beim Einsteigen erweist sich der Golf Plus als das bequemere Auto, weil die Sitze ein paar Zentimeter höher montiert sind und sich die Einsteigenden deshalb nicht so weit herablassen müssen. Statt zu lümmeln, thront man ergonomisch akzeptabel im Auto.
Noch deutlicher werden die Vorzüge im Fond. Bei normaler Konfiguration unterscheiden sich die Platzverhältnisse zwar nicht vom konventionellen Fünftürer, doch sobald man nach unten greift, den Riegel anhebt und die zweigeteilte Rücksitzbank um bis zu 16 Zentimetern nach hinten gleiten lässt, freuen sich die Hinterbänkler. Dann gibt es massig Kniefreiheit. Zudem lässt sich die Lehne des Mittelplatzes nach vorn klappen und bietet so zusätzliche Ablagen sowie Becherhalter. Zusammen mit den Klapptischen an den Rücklehnen der Vordersitze gibt es dann so viele Ablagen, dass es fast schon übertrieben wirkt.
Grotesk: Der VW Golf Plus bietet mehr Stauraum als der Audi A4 Avant
Platzprobleme kennen Golf-Plus-Nutzer kaum. Schon im ungünstigsten Fall - mit komplett nach hinten geschobenen Rücksitzen - fasst der Kofferraum 395 Liter und ist damit 45 Liter größer als der des Golf. Opfert man den Fond-Fußraum, gehen schon 505 Liter hinten rein - genau so viel wie beim neuen Golf Variant. Wird die Rückbank auch noch umlegt, lassen sich sogar 1450 Liter verstauen. Das sind 20 Liter mehr als beispielsweise bei einem Audi A4 Avant.
Mit dem Facelift hat VW nicht nur das Äußere frisch gestaltet sondern auch den Innenraum angepasst und die Optionsliste erweitert. Nun gibt es also die Instrumente des neuen Golf, das ebenfalls neue Lenkrad mit zusätzlichen Bedienfeldern und neuerdings auch Tasten für Extras wie den Tempomat mit Abstandsregelung, die Rückfahrkamera und den Einparkautomaten. Ein System zum Eindruck schinden, denn nach wie vor wirkt es gespenstisch, wenn sich wie von Geisterhand das Lenkrad dreht und der Wagen den Weg in die Lücke findet.
Der Preis des Extra-Platzes: Mehr Wankbewegungen, höherer Verbrauch
Es ist aber nicht so, dass der Golf Plus nur Vorteile bietet. Den Preis für den Extra-Platz und die bequemere Sitzposition zahlt man auf der Landstraße. Denn der höhere Schwerpunkt zwingt den Fahrer in engen Kurven zu mehr Zurückhaltung. Auch deshalb ist das Fahrwerk weicher ausgelegt als im Golf VI, der durchaus zum Kurvenkünstler taugt. Außerdem treibt die größere Silhouette den Luftwiderstand und damit den Verbrauch in die Höhe: Immerhin 0,6 Liter schluckt der Golf Plus mehr als der normale Golf (sofern der jeweils kleinste Benziner im Motorraum steckt).
Wer den großen Kofferraum häufiger nutzen will, für den ist die Basismotorisierung wohl kaum nicht die beste Wahl. Denn 80 PS könnten dann arg mager sein. SPIEGEL ONLINE hat deshalb etwas höher gegriffen und den 1,4 Liter großen Benzindirekteinspritzer getestet. Dank Turbo kommt der auf 122 PS und macht mit 200 Nm eine ordentliche Figur. 10,2 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 sind für ein Familienauto ebenso in Ordnung wie die Höchstgeschwindigkeit von 195 km/h.
Den Aufpreis für das DSG-Getriebe kann man sich eigentlich sparen
Und auch wenn das Doppelkupplungsgetriebe der Wolfsburger weithin gelobt wird, kann man sich den Aufpreis von 1750 Euro getrost sparen. Auch die manuelle Sechsgang-Schaltung arbeitet tadellos. Doch wer den Normwert von 6,6 Litern erreichen will, muss sich zurückhalten.
Der Golf Plus als goldene Mitte - oder lauwarmes Mittelmaß-Auto: Er ist weniger knackig als sein konventioneller Bruder, nicht ganz so geräumig wie der Variant, und so viele Sitze wie der Touran hat er auch nicht. Doch als guter Kompromiss taugt er allemal. So denken offenbar auch viele Kunden. Rund 500.000-mal nämlich wurde der Wagen der ersten Serie binnen vier Jahren verkauft.