VW Passat Alltrack: Irgendwo dazwischen - DER SPIEGEL
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VW Passat Alltrack: Der Kombi fürs Grobe

Foto: Volkswagen

VW Passat Alltrack Irgendwo dazwischen

Allen Menschen, denen der Passat zu spießig und der Touareg zu protzig ist, möchte VW jetzt offenbar helfen. Mit dem Passat Alltrack bieten die Wolfsburger einen höhergelegten Passat mit allerlei Allrad-Spielereien an. Bleibt nur eine Frage: Gibt es diese Menschen überhaupt?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Skiurlaub in den Alpen, einige Zentimeter Neuschnee auf der fest gefahrenen Schneedecke, dazu ein paar Eisplatten am Hang hinauf zur Liftstation. Papi aber lässt sich davon nicht bange machen, sondern steuert seinen roten VW-Kombi stoisch bergauf. So oder so ähnlich sieht das Szenario aus, für das die VW-Leute das Modell Passat Alltrack entwickelt haben. Der höher gelegte Kombi mit Allradantrieb kommt allerdings - verglichen mit Konkurrenzmodellen - um viele Jahre verspätet auf den Markt. Er fährt dem Trend der Kombi-SUVs hinterher.

Aber ist das überhaupt noch ein Trend? Denn über verschneite Straßen ins Skigebiet oder über matschige Waldwege zur Forsthütte käme man wohl auch mit einem ganz normalen VW Passat Variant mit Allradantrieb. Der Alltrack wirkt daher ein bisschen wie eine Versicherung, die man mutmaßlich nie in Anspruch nehmen wird - aber dennoch abschließt. Für alle Fälle eben.

Wer ein Auto sucht, das auch für die letzten 0,1 Prozent der Transportaufgaben noch geeignet ist, wird womöglich mit dem Passat Alltrack glücklich, der ab Ende März zum Preis von 33.450 Euro verkauft wird. Serienmäßig mitgeliefert wird die Illusion, man fahre einen Wagen, der überall durchkommt. So werden auch Stadtmenschen zu Abenteurern, und falls es tatsächlich mal ernst wird abseits des Alltags, dann bewahren drei Zentimeter mehr Bodenfreiheit und die massiven Bleche unter den Weichteilen am Wagenboden eben doch vor teuren Reparaturen.

Paradox: Den Alltrack gibt es auch als Fronttriebler

Außerdem hat der Alltrack ein paar elektrische Helfer aus dem Survival-Handbuch für Allrad-Amateure an Bord. So gibt es, wie sonst nur in den VW-Geländewagen, eine elektronische Bergabfahrhilfe, die Steilstrecken automatisch erkennt und das Tempo im Gefälle selbsttätig konstant hält. Beim Bremsen auf losem Grund dürfen die Räder trotz ABS so lange blockieren, bis sich vor den Pneus ein kleiner Keil aus Lehm oder Schotter gebildet hat, der die Verzögerung unterstützt. Und weil zu viel Drehmoment auf losem Untergrund immer problematisch ist, wirkt das Gaspedal spürbar sanfter auf die Motorsteuerung. Unlogisch ist am Alltrack-Optionssortiment allerdings, dass auch Frontantrieb verfügbar ist. Gibt es wirklich Kunden, die so ein Auto nur für die Show kaufen?

Die Marketing-Leute von VW umgarnen das Publikum mit einer seltsamen Rechnung: Der Alltrack kostet zwar rund 2700 Euro mehr als ein normaler Passat Kombi, doch in Wirklichkeit liege der Aufpreis bei lediglich 250 Euro. Die abstruse Kalkulation geht dann auf, wenn man die Aufpreise für die Offroad-Assistenzsysteme mit einrechnet, die in 99,9 Prozent der Fälle wohl ungenutzt bleiben.

Zumal es mit diesem Aufschlag nicht getan ist. Das Auto schluckt im Schnitt rund einen halben Liter mehr Sprit als der herkömmliche Kombi - die Gründe sind das höhere Gewicht und die geringere Windschlüpfigkeit. Die Vorteile des Wagens sind die im Vergleich zum normalen Passat leicht erhöhte Sitzposition und der daraus resultierende bequemere Ein- und Ausstieg.