VW Polo GTI Cup Edition: Primus inter Polos - DER SPIEGEL
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VW Polo GTI Cup Edition Primus inter Polos

Der Polo ist nicht mehr ganz taufrisch, doch VW zieht alle Register, um den Kleinwagen im Rennen zu halten. Jüngste Maßnahme in dieser Hinsicht ist die Modellvariante Cup Edition. Die ideellen Wurzeln des 180 PS starken Kleinwagens liegen im Rennsport.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bei den Stichworten VW und Motorsport fällt einem zunächst die Wüstenraserei bei der Rallye Dakar ein, an der die Wolfsburger mit großem Tamtam teilnehmen. Seit einiger Zeit allerdings engagiert sich VW auch im Straßenrennsport. Am übernächsten Wochenende geht die dritte Saison des "ADAC Volkswagen Polo Cup" mit einem Rennen am Hockenheimring zu Ende, eine Nachwuchsrennserie für Talente zwischen 16 und 24 Jahre, bei der mit 150 PS starken VW Polo im dezenten Vollgastrimm gefahren wird.

Von den quirligen Rennautos hat nun die Volkswagen Individual GmbH eine Straßenversion abgeleitet, den VW Polo GTI Cup Edition. In diesen Tagen kommen die ersten Autos auf die Straßen, wer jetzt einen der 22.425 Euro teuren Feger bestellt, wird bis Februar warten müssen, weil die Paarung von viel PS und wenig Auto offenbar funktioniert. "Es gibt Kunden, denen ist ein Golf GTI inzwischen zu groß und schwer und ein Polo GTI mit 150 PS nicht sportlich genug", sagt VW-Sprecher Christian Buhlmann.

Für diese Menschen gibt es nun den Polo GTI Cup Edition – ein schmuckes, kompaktes Auto, unter dessen Haube der bewährte 1,8-Liter-Vierzylinder-Turbomotor aus dem VW-Fundus steckt, der auch den Polo GTI antreibt, in diesem Fall jedoch 30 PS mehr an den Start bringt und dem Cup-Edition-Piloten somit 180 PS zur Verfügung stellt.

Das Leistungsgewicht, also der Quotient aus Leergewicht und Motorleistung, liegt bei 6,6 kg pro PS. Damit fährt der "stärkste Polo aller Zeiten", wie VW das Auto bewirbt, in einer Liga mit dem Porsche Cayenne S (6,5 kg pro PS) und kommt sogar dem Audi TT (6,3 kg pro PS) nahe.

Zur Fahrvorstellung des Dreitürers, der mit Ausnahme der vorderen Kotflügel und der Schweller sämtliche Karosserieteile des Polo-Rennwagen einschließlich des kecken, dreiteiligen Dachspoilers übernimmt, lud Volkswagen jetzt in den Motopark Oschersleben. Auf den 14 Kurven der 3,6 Kilometer langen Piste durfte der Kleinwagen mit den großen Nüstern im Frontstoßfänger zeigen, was eine Harke ist. Mit dem wilden Motor und dem um eineinhalb Zentimeter tiefer gelegten Sportfahrwerk sowie 17-Zoll-Rädern zirkelt der Polo durch die Kehren des Kurses wie noch kein Serien-Polo vor ihm.

Im "schnellsten Polo aller Zeiten" kommt rasch Freude auf

Es macht Spaß, den kleinen Muskelprotz zu bewegen. Nicht nur, weil er sich so flink und frisch bewegen lässt; auch wegen des kernigen Motorklangs und wegen seiner umfangreichen Ausstattung. Sportsitze, Lederlenkrad, Lederschaltknauf, Armaturenblenden im Alu-Look, Metallkappen auf den Pedalen, Klimaanlage, elektrische Fensterheber, eine Tachoskala bis 260 und rote Ziernähte auf den schwarzen Sicherheitsgurten gehören zum Serienumfang des Primus inter Polos. Zudem serienmäßig installiert sind ABS, ESP, vier Airbags und eine Reifendruckkontrollanzeige.

VW tritt mit dem Polo GTI Cup Edition im kleinen, aber prestigeträchtigen Segment der Mini-Racer an, wo sich bereits Autos wie der Renault Clio Sport (197 PS), der Opel Meriva OPC (180 PS), der Mercedes A 200 (193 PS) oder der identisch motorisierte Seat Ibiza Cupra (180 PS) tummeln. Das Reglement der Polo-Cup-Rennserie übrigens verhindert es, dass die 180-PS-Motoren zum Einsatz kommen dürfen. Allerdings plant die Motorsportabteilung von VW derzeit eine weitere Pistenpräsenz mit Polo-Flitzern in Dänemark - und dort dürften dann die 180-PS-Maschinen eingesetzt werden.

Welchen Effekt diese Spielereien im Grenzbereich sowohl zu waschechten Sportwagen als auch zum Aberwitz für eine Kleinwagenbaureihe insgesamt haben, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Marketingleute schwören darauf, dass ein rasantes Topmodell auf die ganze Baureihe abstrahle und der Vollgas-Nimbus frische Begehrlichkeiten bei der Kundschaft wecke.

Marktbeobachter wie der Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer jedoch bezweifeln solche Imagetransfers: "Einen Abstrahleffekt gibt es nach meiner Auffassung nicht." Dem durchschnittlichen Polo-Käufer wird es wohl tatsächlich gleichgültig sein, ob man "sein" Auto auch fetzig durch eine Schikane werfen kann. Doch die kleine Schar derer, für die genau das ausschlaggebend ist, die möchte VW erreichen. Mit dem Polo GTI Cup Edition stehen die Chancen dazu nicht schlecht - wie ja auch die Lieferfrist beweist.

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