Abgewürgt: Das polierte Blech der Autodesigner - DER SPIEGEL
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Abgewürgt Das polierte Blech der Autodesigner

Auf dem Pariser Salon haben die Stardesigner ihren großen Auftritt: Bei zahlreichen Fahrzeugpremieren werden sie um die Karossen scharwenzeln und ihre Entwürfe erklären. Das könnte interessant sein - wenn man das Kauderwelsch der Motoren-Maestros verstünde.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn ich im Feierabendstau wieder einmal viel zu viele Pkw gesehen habe, grüble ich mitunter über Autodesigns nach. Dann frage ich mich, warum mir Aston Martins so gut gefallen. Wieso mich der Porsche Cayenne zutiefst irritiert. Und warum moderne Kleinwagen neuerdings immer so aufgeblasen aussehen wie Bodybuilder aus Offenbach-Süd.

Für Antworten auf solch brennende Fragen sind eigentlich Autodesigner zuständig. Sie sollten erklären können, warum Autos so aussehen, wie sie aussehen - und was sich les createurs d'automobiles dachten, als sie das Blech in die eine oder andere Form zwängten. Denn Designer kennen sich aus mit Charakterlinien, Proportionen und dem Zitieren von Stilelementen.

Nur leider verstehe ich kein Wort von dem, was sie sagen.

Was ist eine Bedürfnisse antizipierende Einstiegsbeleuchtung?

Zum Beispiel Walter de Silva, der Chefdesigner von VW. Der Mann hat viele erfreuliche Karossen entworfen, zum Beispiel den Alfa Romeo 156. Zuletzt designte er am neuen Golf VI herum. Der sei "akzentuierter, dreidimensionaler als seine Vorgänger; mit exakt definierten Linien und Kanten, mit fein proportionierten Wölbungen und Hohlkehlen." Wieso dreidimensional? Was war denn der Golf V? Ein Abziehbildchen?

Vor und während Automessen wie dem Anfang Oktober beginnenden Pariser Salon ist es besonders schlimm. Dann wird auf allen Kanälen geschwurbelt, was das Zeug hält. Kia-Designer Gregory Guillaume etwa erklärt im Vorfeld die Vorzüge des Modells Soul: "Das 'lässige' Design des Armaturenbretts … sowie des dick gepolsterten Lenkrads schaffen ein behagliches Cockpit, das in einem ungewöhnlichen Kontrast zum großzügigen Raumangebot für die Mitfahrer steht."

Puh. Das gemütliche Cockpit steht im Gegensatz zum großzügigen Platzangebot - weil ausreichend Beinfreiheit unbehaglich ist? Da schwirrt mir der Kopf. Migränefördernd wirkt auch die Designfibel von Lexus, laut der im Modell GS die "intuitive Lichtführung der Einstiegsbeleuchtung … den Fahrer unaufdringlich willkommen" heißt. Das sei "ein sorgfältig komponierter Ablauf, der echte Bedürfnisse antizipiert".

Das Bangle-Speak ist unübertroffen

In gedruckter Form ist derartiges Blech schwer zu ertragen. Etwas besser wird es, wenn Designer aus Fleisch und Blut vor ihrer jeweiligen Studie stehen und dem Zuschauer vermittels exzentrischer Handbewegungen zumindest eine ungefähre Ahnung dessen vermitteln, was sie mit Sätzen wie "die Feinarbeit bringt den skulpturalen Charakter noch deutlicher zum Ausdruck" verdammt noch mal sagen wollen.

Das letzte Wort gebührt in diesem Zusammenhang Chris Bangle, dem Chefdesigner der BMW-Group. Seine Ausführungen sind mitunter derart kryptisch, dass sie an das "Greenspeak" des früheren US-Notenbankchefs Alan Greenspan erinnern. Dessen Einlassungen kapierte auch niemand, was ihren Unterhaltungswert freilich eher erhöhte.

Bei Bangle ist es ähnlich. Über den neuen 7er sagt er: "Besonders von der Fahrerposition ist das eine der most emotional Motorhaube effect, das wir haben je in eine BMW gehabt. Ich fand das wirklich beautiful, wie diese Form zeigt die Verspiegelung von der Natur durch diese Skulptur."

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Ist Ihnen auch ein besonders unverständlicher Designer-Ausspruch aufgefallen? Dann schicken Sie ihn an abgewuergt@spiegel.de

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