Abgewürgt Im Designlabor des Dr. Frankenstein
Schade, dass Ludwig Ganghofer das nicht mehr erleben durfte. Dem bayerischen Heimatschriftsteller und Wolpertinger-Fan hätte das neue Auto von BMW sicher gefallen. Der 5er Gran Turismo ist eine Kreuzung aus - ja, aus was eigentlich?
BMW spricht von einem sogenannte Progressive Activity Sedan. Als ich mir das Fahrzeug kürzlich in München anschaute, versuchte ich nachzuvollziehen, welche Auto-Gene die Münchner da zusammengebracht haben. Länglich limousinenhaft ist das Auto, das abfallende Dach gemahnt eines Coupés. Chefdesigner Adrian van Hooyendonk hat das Gefährt zudem etwas aufgebockt - SUV-Gene sind also auch dabei. Der 5er GT ist eine Promenadenmischung, wenn auch keine ganz unansehnliche. Oder wie Ganghofer gesagt hätte: Er ist eine "Hirschbockbirkfuchsauergams".
Bei den Herstellern ist der Crossover-Wahn ausgebrochen. Wie automobile Dr. Frankensteins fügen die Designer derzeit Teile verschiedener Modelle zusammen. Das ist per se nicht neu; auch der gute alte Kombi ist letztlich eine Kreuzung (aus Limousine und Lieferwägelchen). Doch mit den aktuellen Komposita haben Autodesigner ein völlig neues Gaga-Level erreicht.
Hier kommt der Lifestyle-Lieferwagen-SUV
Führend bei PS-Wolpertingern ist der BMW-Konzern. Neben dem GT gibt es den X6, eine Mischung aus Sportcoupé und Allradler. Wenn man sich positiv über das Fahrzeug äußern möchte, lobt man am besten die Fahrleistung - und lässt das Erscheinungsbild außen vor.
Noch irrwitziger sind die Permutationen des Mini: Derzeit erwägen die Münchner, den Kleinen mit einem Geländewagen zu fusionieren. Das britische Automagazin "Top Gear" höhnte: "Mini-SUV geplant, massenhaftes Sich-Im-Grab-Umdrehen erwartet".
Kleinwagen trifft Geländetrumm? Immer öfter wächst zusammen, was nicht zusammengehört. Auf der Pariser Autoshow begaffte ich im vergangenen Herbst ungläubig eine VW-Studie namens Caddy Panamericana. Das klassische Handwerkerwägelchen haben die Wolfsburger mit einem Lifestyle-Allradler gekreuzt - inklusive grobstolliger Reifen und angedeutetem Unterfahrschutz.
Gewagte Crossover für die IAA 2009
Man könnte einwenden, dass die meisten dieser Autos nur Studien sind. Da ihre Erscheinung und ihr Nutzen zweifelhaft sind, gehen sie niemals in Serie. Allein: Die Vergangenheit lehrt, dass viele dieser wunderlichen Wägelchen dann doch gebaut werden.
Als ich Anfang des Jahrtausends hörte, Porsche wolle einen Elfer mit einem Geländewagen kreuzen, war ich nicht wirklich beunruhigt. Wer konnte ahnen, dass der Cayenne einige Jahre später allerorten das Straßenbild verunzieren würde?
Die einzige Möglichkeit, diesem Wahnsinn zu entrinnen ist, ihm vorauszueilen. Deshalb hier einige Crossover-Modelle, die ich gerne auf der IAA 2009 sehen würde:
Jetzt fehlt nur noch eine Kreuzung aus Rennauto und Leichenwagen. Klingt vollkommen bescheuert? Ist es auch. Aber wie Spötter anmerken , hat Porsche hat mit dem Panamera demnächst so etwas ähnliches im Lieferprogramm.