Lamborghini Countach aus Draht: Schön zurechtgebogen
Lamborghini Countach aus Draht Krasses Fahrgestell
Man muss das erst einmal hinkriegen: ein unerhört brachiales und effektheischendes Auto wie den Lamborghini Countach so feingliedrig und luftig erscheinen zu lassen, dass man glatt hindurchschaut. Benedict Radcliffe hat dieses Kunststück fertiggebracht, indem er den italienischen Klassiker sozusagen aufs Wesentliche reduzierte. Der Brite formte aus 50 Meter Draht, zehn Millimeter dick, die Silhouette der Karosserie samt der Reifen. Heraus kam ein Gestell, das dem Original perfekt nachempfunden ist. Gut hingebogen, könnte man sagen.
Einen Zwölfzylinder mit Doppelturbo hat der Wagen allerdings nicht zu bieten. Dafür sorgt sein knalliges Orange für einen verblüffenden Effekt: Auf Bildern sieht es aus, als wäre der Wagen eine Laserprojektion. Ein analoges Hologramm.
Radcliffe hat bereits einen kleinen Fuhrpark aus Drahtgeflechten gezwirbelt, unter anderem verewigte er auf diese Weise einen Toyota Corolla, einen Subaru Impreza und einen Range Rover Evoque. Die Werke tauchen in Werbeanzeigen und bei Veranstaltungen der jeweiligen Hersteller auf oder schmücken Autohäuser, der Lamborghini parkte sogar schon publikumswirksam vor der Royal Academy of Arts in London und auf den Straßen des noblen Stadtteils Mayfair. Dort erhielt er den Ritterschlag: Laut Radcliffe klebte ein echtes Knöllchen wegen Falschparkens an der Skulptur.
"Eigentlich eine krasse Ludenschleuder"
Beim Lambo dienten Radcliffe Fotos und Blaupausen als Vorlage. Ein richtiges Auto, das sozusagen Porträt steht, war nicht drin. Das wäre in diesem Fall auch extrem schwer aufzutreiben gewesen, denn er knöpfte sich ein Sondermodell vor - einen Lamborghini, den der Edeltuner Walter König aus München 1989 anfertigte. Der auffälligste Unterschied an dem aufgemotzten Countach sind die Seitenschweller. "Die waren für die Skulptur wichtig", erklärt Radcliffe gegenüber SPIEGEL ONLINE, "weil sie dem Auto mehr Struktur verleihen". Außerdem, so der Brite, war er davon begeistert, dass es "vom ultimativen Supersportwagen noch eine ultimativere Version gibt".
Den Lambo bastelte Radcliffe bereits vor einigen Jahren, der Geschäftsmann Bernd Rathjen aus Berlin kaufte ihm dann das Werk ab und nutzte es als Dekoration für sein Büro. "Der Countach ist ja eigentlich eine krasse Ludenschleuder", sagt Rathjen, "aber die Silhouette gefiel mir total".
Jetzt wechselte das Gerüst bei einer Versteigerung des Auktionshauses RM in Paris erneut den Besitzer. Bei Rathjen steht ein Umzug an, und der Lambo war ihm zu sperrig für die neuen Räume. Für 93.600 Euro kam der Countach unter den Hammer. Kein schlechter Preis für 50 Meter Draht.