Parkhäuser von Star-Architekten - DER SPIEGEL
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Spektakuläre Parkhäuser: Renaissance der Garagenpaläste

Foto: GKD/ New York Focus LLC

Spektakuläre Parkhäuser Alles nur Fassade

Die Zeit der seelenlosen Betonklötze ist vorbei - das Parkhaus als Prachtbau ist zurück, selbst Star-Architekten finden Gefallen daran. Auch für die neuen Garagenpaläste gilt allerdings die alte Immobilien-Weisheit: Lage ist alles.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zu Beginn des 20.Jahrhunderts gab es kein stärkeres Symbol für den Fortschritt als das Automobil. Seiner Bedeutung gemäß baute man ihm in den Metropolen wahre Schlösser. Der Begriff Parkhaus war da unpassend: Wer zum Beispiel im Berlin der frühen dreißiger Jahre sein Auto abstellen wollte, konnte das im "Kant Garagenpalast" tun, dessen Architektur einem Festspielhaus glich.

Jetzt erleben die Prachtbau-Parkhäuser eine Renaissance. Es werden wieder Garagenpaläste gebaut, und die Entwürfe dazu stammen von berühmten Stararchitekten.

Jüngstes Beispiel dafür ist die Collins Park Garage von Zaha Hadid, die in Miami entsteht. Das Haus befindet sich in bester Nachbarschaft - auch Frank Gehry und die Schweizer Architekten Herzog&Meuron haben dort Parkhäuser gebaut. In anderen Großstädten sind in den vergangenen Jahren ebenfalls ambitionierte Projekte entstanden, etwa das Veranda Parkhaus in Rotterdam von Paul de Ruiter. Die Gebäude haben eine Gemeinsamkeit: Sie sehen aus, als ob darin wertvolle Kunstwerke aufbewahrt würden - und nicht bloß profane Fahrzeuge (siehe Fotostrecke).

Brutalistische Abstellkammern

Die meisten Parkhäuser sind allerdings immer noch hässliche Betonklötze. "Der Parkhausbau boomte vor allem in den sechziger und siebziger Jahren", erklärt Jürgen Hasse. Er ist Professor für Geografie an der Goethe-Universität Frankfurt und hat bereits vor einigen Jahren ein Buch über die Kulturgeschichte von Parkhäusern geschrieben. "Ihr Baustil zu dieser Zeit war strikt funktional und geradezu brutalistisch."

Damals dienten Parkhäuser dem alleinigen Zweck, den ruhenden Verkehr zu schlucken - und somit die Idee der sogenannten autogerechten Stadt zu verwirklichen. Die Paläste wurden zu Abstellkammern.

In den Achtzigern sollte dann einfach Gras über die Sache wachsen. "Mit dem Aufkommen der Öko-Bewegung wurde das Auto zum Symbol der Umweltverschmutzung", sagt Hasse. Die Folge: "Die Parkhausbetreiber installierten Metallgerüste an den Gebäuden und pflanzten darauf Blumen. Es war der Versuch, das moralisch angeschlagene Auto hinter Knöterich zu verstecken."

Der neue Autofetischismus

Die modernen Parkhäuser haben diese blumige Dekoration nun nicht mehr nötig. "Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Parkhaus eine Bühne zum Repräsentieren", sagt Hasse. Zu dieser Bedeutung kehren viele der neuen Bauten wieder zurück.

Das klingt zunächst überraschend, denn viele Menschen verzichten mittlerweile bewusst auf einen eigenen Wagen und steigen zum Beispiel auf Carsharing um. "Gleichzeitig wird das Auto aber nicht mehr verdammt wie einst", sagt Hasse. Die zahlreichen ambitionierten Parkhäuser bringen seiner Ansicht nach einen neuen "Autofetischismus" zum Ausdruck. Letztlich spiegelt diese scheinbar paradoxe Entwicklung nur eine Gesellschaft wider, in der es laut Hasse "immense Unterschiede bei der Weltanschauung und den Lebenszielen gibt".

Trotzdem hat die neue Ästhetik der Parkhäuser eine Schattenseite: "Sie suggeriert, dass sich Verkehr und Stadtplanung vertragen", sagt Hasse. "Aber genau das ist ein Trugschluss, denn die schönen Fassaden kaschieren nur die Tatsache, dass der Verkehrskollaps in den Städten immer näher rückt."

Der Ort ist entscheidend, nicht die Form

Die Parkhäuser gaukeln uns demnach vor, in den Citys sei noch jede Menge Platz für Autos. "Werden noch mehr davon gebaut, kommen auch mehr Fahrzeuge. Der Verkehr wird weiter gestapelt, um möglichst viele Konsumenten anzulocken", sagt Hasse. Er findet es zwar nicht weiter schlimm, wenn die Leute zum Einkaufen in die Stadt gehen: "Aber es stellt sich die Frage, ob das immer mit dem Auto geschehen muss."

Das perfekte Parkhaus zeichnet sich also in erster Linie nicht durch eine meisterhafte Architektur aus. Entscheidend ist vielmehr, wo es platziert wird. Nämlich am besten außerhalb der Stadt, mit direkter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Wirklich zeitgemäße Autopaläste erkennt man demnach nicht an der Handschrift großer Architekten, sondern an Schildern mit einer kurzen Aufschrift: "Park and Ride" statt Park und zeig'.