Neuer BMW 7er Das High-End-Auto
Darf Leder knarzen? Dietmar Weber, verantwortlich für die Sitzentwicklung des neuen 7ers, sagt nein. Und weil das so ist, gibt es bei BMW zwei Ingenieure, die sich ausschließlich damit beschäftigen, den edlen Sitzbezügen die Geräusche auszutreiben. "Stick-Slip-Effekt" nennen die Experten die Ursache für die unschönen Töne aus der Polsterung.
Im Labor EK 452 des BMW Forschungs- und Innovations-Zentrums, kurz FIZ genannt, steht ein eigens angefertigter Prüfstand, der die akustischen Eigenheiten von Lederbezügen analysiert, damit die Sitze Ruhe geben.
Das ist nur ein Beispiel, wie aufwändig heutzutage die Entwicklung eines Autos geworden ist. Besonders wenn der Wagen im sogenannten Premium-Segment angeboten wird, wie das beim neue BMW 7er der Fall ist.
Ab 17. November beginnt der Verkauf des Autos, die Fahrvorstellung ist für Anfang Oktober terminiert, seine offizielle Weltpremiere wird er auf der IAA im September erleben. Doch schon jetzt präsentierten die Münchner das Auto statisch, um auf die vielen technischen Neuheiten aufmerksam zu machen. Auf keinen Fall sollen Dinge wie nahezu knarzfreie Lederbezüge oder andere Innovationen im späteren Wust der PS-, Drehmoment- und Verbrauchs-Daten untergehen.
Chefdesigner Chris Bangle erklärte zum Beispiel, dass seine Lieblingsansicht des neuen 7ers die Silhouette sei. "Das Auto steht satt und kompakt auf der Straße", schwärmt er. Wenn die Sprache auf den etwas bucklig geratenen Kofferraumdeckel kommt, verteidigt er die Formgebung als "optimalen Kompromiss". Der Heckhöcker sei das Resultat größerer Kopffreiheit im Innenraum (plus 5 Zentimeter im Vergleich zum bisherigen Modell), den daraus resultierenden aerodynamischen Notwendigkeiten und der Möglichkeit, Golfbags nun auch quer in den Kofferraum einladen zu können.
So lässt sich schon auf dem Parkplatz vor dem Clubhaus Anerkennung ernten. Noch mehr Ahhs und Ohhs könnte es dann drinnen an der Bar geben. Wenn der künftige Besitzer eines neuen 7ers zum Beispiel davon berichtet, dass unter der Haube des Wagens ein völlig neu entwickelter V8-Motor sitzt, der weltweit erstmals mit einem vollvariablen Ventiltrieb und einer vollvariablen Sauganlage ausgestattet ist.
Die Feinheiten mögen vielleicht nur Techniker interessieren, die Daten jedoch kapiert auch ein Laie auf Anhieb: Das größere der beiden anfangs angebotenen V8-Triebwerke hat 4,4 Liter Hubraum, leistet 333 PS (245 kW), bietet ein Drehmoment von 450 Nm, schafft den Spurt von 0 auf 100 in 6,3 Sekunden und beschleunigt das knapp zwei Tonnen schwere Auto auf bis zu 250 km/h, ehe die Elektronik besänftigend eingreift.
Ein weiteres Novum am neuen 7er wird sein, dass der Wagen ausschließlich mit dem weltweit ersten Sechsgang-Automatik-Getriebe erhältlich sein wird. Das hat mehrere Gründe: Zum einen den, dass auch der bisherige 7er nahezu ausschließlich mit Automatikgetriebe geordert wurde. Zum anderen gibt es im neuen Modell gar keinen Platz mehr für einen konventionellen Schalthebel. Dort, wo üblicherweise der Schaltknauf aus dem Mitteltunnel ragt, sitzt beim neuen Luxus-BMW der sogenannte Controller, an den sich eine kleine, lederverkleidete Kommode mit Armauflage anschließt.
Der Controller ist das Herzstück des von BMW iDrive (das i steht für intuitiv) genannten Cockpit-Konzepts. Grundgedanke dabei ist, dass ein Auto zwar immer mehr Funktionen erfüllen muss, dass aber bitte nicht für jede ein eigener Schalter installiert werden soll. Also sitzen die wirklich wichtigen Tasten und Knöpfe (Licht, Automatik, Blinker, Feststellbremse) direkt am oder um das Lenkrad und die grundlegenden Komforteinstellungen (Temperatur, Gebläsestärke, Lautstärke) lassen sich in der Mitte des Armaturenbretts regeln.
Alle anderen Dinge - von der Borddiagnose bis zum Internetzugang, von der Klimaanlagen-Feineinstellung bis zur Audio- oder Videokontrolle - werden über den Controller und einen 8,5-Zoll-Monitor geregelt. Der große runde Knopf hat dabei in etwa die Funktion einer Computermaus. Schieben wechselt die angezeigten Menüs, drehen bewegt den Cursor in den Menüs und Drücken bestätigt eine im Menü ausgewählte Funktion.
In deutlichem Kontrast zur supermodernen Bordelektronik dazu haben die Innenraumdesigner das Auto keineswegs technisch gestylt, sondern sehr wohnlich. Große Holzleisten in Kirsche seidenmatt und Esche hochglänzend sorgen für eine heimelige, aber durchaus zeitgemäße Atmosphäre.
Der Innenraum mit seinen großen Flächen und ruhigen Linien wirkt optisch beruhigend - und akustisch ebenso. "Die Akustik des neuen 7ers ist das Beste, was wir je gemacht haben", lobt sich BMW-Chefakustiker Gerhard Thoma selbst. Monatelang haben er und sein Team daran getüftelt, die Geräuschquellen der üppigen Komfortausstattung (es gibt allein 85 Elektromotoren im Auto) zu beseitigen.
Es gehe, sagt das "Ohr" der Forschungsabteilung, im Premiumsegment heute nicht mehr um leise oder noch leiser. Man müsse Komfortdetails so integrieren, dass sie unhörbar seien. "Die Leute", so Thoma, "kaufen sich ja nicht ein Auto für sagen wir mal 100.000 Mark und sagen dann: Ach, da schnackelt mal wieder was, da läuft wohl irgendwo ein kleiner Motor."