Automechanika Zum Surfen an die Zapfsäule
Frankfurt/Main - Die Automobilindustrie, die sich zur Zeit in Frankfurt auf der Fachmesse Automechanika präsentiert, hat allen Grund zur Sorge: Die Deutschen sind der hohen Benzinpreise überdrüssig. Einer Umfrage zufolge sind sie immer öfter bereit, den Wagen in der Garage zu lassen. Zudem sparen sie auch noch an Autopflege und -wartung.
Angesichts der Flaute im Neu- und Gebrauchtwagengeschäft sehen Werkstätten und Händler ihre Umsätze in den Keller gehen. Sie hoffen auf spritzige Ideen der Hersteller, die einen Ausweg aus der schlechten Situation aufzeigen könnten.
So will zum Beispiel der italienische Anbieter Marconi Commerce Systems die Autofahrer in Deutschland zum Surfen an der Zapfsäule ermuntern. Während die Tankuhr läuft, sollen künftig auf einem Minibildschirm Verkehrsinformationen, Nachrichten und Tageswetter abgerufen oder ein Hamburger geordert werden können - ein System, das die Hamburger Firma ACS Systemberatung in ähnlicher Form bereits auf der Cebit vorgestellt hat.
Unabhängig von allen Ladenschlusszeiten sollen Autofahrer während des Tankens interaktiv ihre Einkäufe erledigen und sich die Waren zum Abholen an die Tankstelle oder nach Hause liefern lassen. Auch das Bezahlen könnte flexibler werden: Der Kunde soll direkt an der Zapfsäule die Kreditkarte zücken oder per Handy-Anweisung zahlen können.
Zur Automechanika sind in diesem Jahr rund 3900 Aussteller zusammengekommen. Auf 300.000 Quadratmetern dreht sich dort alles rund ums Auto - von computergesteuerten Diagnosesystemen für Werkstätten über Pflegemittel bis zu Autoersatzteilen und Zubehör. 261,5 Milliarden Mark hat das Kraftfahrzeuggewerbe 1999 mit dem Verkauf neuer Autos und Lastwagen, mit Gebrauchtwagen und Reparaturen umgesetzt. Für dieses Jahr wird allein bei den Neuwagen ein Minus von zehn Prozent erwartet. Die Flaute könnte sich nach Ansicht des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) auf die gesamte Branche auswirken - und den Umsatz auf 255 Milliarden DM drücken.
Dennoch bleibt der hiesige Markt gerade für die ausländischen Aussteller - insgesamt sind 64 Länder auf der Automechanika vertreten - attraktiv. Ein britischer Hersteller setzt auf das hohe Sicherheitsbewusstsein der Autofahrer und bietet ein kabelloses Reifendruck-Überwachungssystem an.
Weil viele während des Autofahrens trotz des fürs nächste Jahr geplanten Handyverbots nicht auf die Vorzüge des mobilen Telefonierens verzichten wollen, kommen zwei deutsche Firmen mit universellen Freisprechsystemen auf den Markt, die sich vor allem für Dienstwagen anbieten. Musste bisher beim Kauf eines neuen Handy-Modells die gesamte Einrichtung ausgewechselt werden, ist bei den neuen Anlagen nur noch eine neue Handy-Halterung nötig.
Weniger zweckgebunden sind bunte Neonröhren, mit denen Techno-Freaks ihr Auto Samstag nachts verzieren können. Die gelben, blauen und roten Röhren müssen im Straßenverkehr zwar dunkel bleiben, doch auf dem Parkplatz vor der Disco darf der Neonstick im Innenraum ungehemmt leuchten. Nach einigen Stunden empfiehlt sich allerdings ein kleiner Check, sonst ist am Morgen danach die Batterie leer.
Für Autobesitzer, die ihren Wagen aus Angst vor Kratzspuren harter Waschstraßen-Bürsten noch immer selbst wienern, gibt es ab dem nächsten Jahr eine Waschanlage, die berührungslos säubert. Ein neues Lösungsmittel und eine neue Düsentechnik sollen helfen, den Schmutz auch ohne Bürste zu entfernen.
Anja Kreisel, dpa