Schlaflabor: Verkabelt durch die Nacht - DER SPIEGEL
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Im Schlaflabor Verkabelt durch die Nacht

Theresa ist ständig müde. Eine Nacht im Schlaflabor soll klären, woran das liegt. Wie winzige Elektroden und eine »Alien-Haube« bei der Diagnose einer Schlafstörung helfen.
Von Deborah Weber • • aus DEIN SPIEGEL 8/2025

Erst kam die Müdigkeit beim Bahnfahren. Dann beim Schwimmtraining. »Ich fühlte mich nie ganz erholt, egal, wie viel ich geschlafen hatte«, sagt Theresa. Besonders schwierig war es in der Schule. »Ich musste mich so doll darauf konzentrieren, wach zu bleiben, dass ich im Unterricht nicht mehr mitarbeiten konnte.« Und noch etwas war merkwürdig: »Ich spürte manchmal meine Muskeln nicht mehr. Meine Beine wurden schwach, einmal fiel ich sogar um. Mit Ohnmacht hatte das aber nichts zu tun, ich war bei Bewusstsein.«

Theresa war 15 Jahre alt, als sie die Symptome erstmals einer Ärztin beschrieb. Heute, zwei Jahre später, weiß Theresa, dass sie an einer Schlafkrankheit leidet, die fast niemand kennt: Narkolepsie. Betroffene dieser Krankheit sind ständig müde oder schlafen unkontrolliert ein. Meistens tritt die Krankheit bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen auf.

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Foto: DEIN SPIEGEL

»Ich hab heute Nacht etwas total Verrücktes geträumt!« So oder ähnlich fangen häufig die ersten Gespräche am Frühstückstisch an. Wer hat im Schlaf etwas Absurdes erlebt? Oder vielleicht etwas Gruseliges? Die Titelgeschichte des Kinder-Nachrichten-Magazins DEIN SPIEGEL dreht sich ums Träumen und erklärt, was dabei im Gehirn passiert. Ein berühmter Schlafforscher sagt, was man gegen Albträume tun kann. Außerdem im Heft: Wie sich Schüler in Brandenburg für die Demokratie und gegen Rechtsextremismus einsetzen. DEIN SPIEGEL gibt es am Kiosk, ausgewählte Artikel online. Erwachsene können das Heft auch hier kaufen:

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»Narkolepsie ist gar nicht so selten. Sie wird nur oft nicht erkannt«, sagt Rebekka Lehmann. Sie ist Ärztin und arbeitet in einem Krankenhaus in Berlin, in dem es ein Schlaflabor gibt. Ihr Job ist es, Menschen mit Schlafstörungen zu helfen. Jedes Jahr kommen mehrere Jugendliche zu ihr, die ähnliche Symptome haben wie Theresa. Oder Erwachsene, bei denen die Krankheit jahrelang nicht erkannt wurde.

Die Ursache für Narkolepsie liegt im Gehirn. Dort wird ein Hormon namens Orexin hergestellt. Dieses Hormon reguliert das Schlafen und Wachsein. Wenn die Zellen, die das Orexin herstellen, versagen, wird der Körper müde. Bei Narkolepsie-­Patientinnen und -Patienten funktioniert die Herstellung dieses Hormons nicht. Ein weiteres Kennzeichen von Narkolepsie: intensive Sinnes­täuschungen beim Einschlafen. Betroffene sehen oder hören also Dinge, die gar nicht da sind.

Auch bei Theresa ist das so. Das fand Ärztin Rebekka Lehmann im Schlaflabor heraus. Dort untersucht sie, was beim Schlafen im Gehirn passiert. Manche ihrer Patientinnen und Patienten schlafwandeln, andere wachen ständig nachts auf und finden keine Ruhe. Im Schlaf­labor gibt es verschiedene Räume. In jedem schläft eine Person. An der Decke sind Kameras befestigt, die die Betten filmen. Zunächst werden Patientinnen und Patienten am ganzen Kopf verkabelt. An den Kabeln sind Elektroden befestigt, die messen, wie aktiv das Gehirn beim Schlafen ist. Mit den vielen Kabeln am Kopf sieht Theresa irgendwie außerirdisch aus.

Kann man mit so vielen Kabeln am Körper überhaupt schlafen? »Es war schon komisch, beobachtet zu werden. Dauernd kam jemand rein, wenn ein Kabel verrutschte. Aber in dem Fall war meine Müdigkeit gut, ich konnte schnell einschlafen«, erinnert sich Theresa. Seit ihrer Nacht im Schlaflabor sind einige Monate vergangen. Nun, am Ende ihrer Behandlung, sieht sich Theresa gemeinsam mit ihrer Ärztin noch mal die Messergebnisse an.

Auf dem Computerbildschirm sind verschiedene Wellenlinien zu sehen. Sie zeigen, wie aktiv Theresas Gehirn beim Schlafen war. Gleichmäßige, langsame Wellen bedeuten, dass sich das Gehirn im Tiefschlaf befand. Doch in der Aufzeichnung sind nur wenige Minuten nach dem Einschlafen hektische, gegen­läufige Zickzackwellen erkennbar. »Wenn jemand so schnell lebhaft träumt, spricht das für Narkolepsie«, sagt Lehmann.

Eine Kamera dokumentiert Theresas Schlafverhalten. Die Wellenlinien zeigen, wie aktiv ihr Gehirn ist

Eine Kamera dokumentiert Theresas Schlafverhalten. Die Wellenlinien zeigen, wie aktiv ihr Gehirn ist

Foto: Scarlett Werth / Dein SPIEGEL

Seit die Diagnose feststeht, bekommt Theresa Medikamente gegen die Müdigkeit. Weil Narkolepsie eine chronische Erkrankung ist, wird Theresa wahrscheinlich ein Leben lang die Symp­tome behandeln müssen. Eine Tablette nimmt sie morgens vor der Schule, eine weitere mittags. »Damit bin ich viel fitter und kann mich in der Schule wieder richtig konzentrieren«, sagt die 17-Jährige.

Die meisten ihrer Lehrkräfte wissen Bescheid. Die Ärztin findet das wichtig. »Oft werden betroffene Schülerinnen und Schüler ausgeschimpft. Sie hören Sätze wie: ›Sei nicht so faul.‹ Oder: ›Hör auf, nachts am PC zu zocken.‹ Niemand kommt auf die Idee, dass etwas Ernstes dahinterstecken könnte. Und bis die Krankheit schließlich erkannt wird, vergehen oft Jahrzehnte.«

Dieser Artikel erschien in DEIN SPIEGEL 8/2025.

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