Baguette
Andrea Thode
Zur Geschichte des Baguettes gibt es mehrere Theorien. Die eine besagt, dass das Gebäck in den 1830er-Jahren aus Wien kam, ursprünglich als ein Brot, das mit Bierhefe und Milch gebacken wurde. Die Milch wurde bald aus Kostengründen weggelassen und die Form wurde immer länglicher, weil dadurch die Backzeit kürzer wurde als bei einem runden Brot. Man vermutet auch, dass ein Gesetz aus den 1920er-Jahren, das verbot, vor 4 Uhr morgens zu backen, dazu beitrug, dass die heutige Form des Baguette sich entwickelte.
Die zweite Theorie hat mit Napoleon zu tun, angeblich ließ der längliche Brote backen, weil die von den Soldaten auf den Fußmärschen besser transportiert werden konnten, praktischerweise direkt im Hosenbein. Man darf dieser Theorie aber getrost mit einer gewissen Skepsis begegnen.
Eine dritte Theorie behauptet, das Baguette sei während des Baus der Pariser Métro entwickelt worden. Da waren Arbeiter aus verschiedenen Gegenden Frankreichs beschäftigt, die immer wieder miteinander in Raufereien verwickelt waren. Damals war es noch üblich, dass jeder Arbeiter ein Messer bei sich trug, um sich von den großen runden Brotlaiben ein Stück abzuschneiden. Um zu verhindern, dass die Streitereien bewaffnet ausgetragen wurden, ließ der Ingenieur Fulgence Bienvenüe ein Brot backen, das ohne Messer zerteilt werden konnte, nur durch Reißen. Daher, sagt man, stammt auch der Brauch einiger Puristen, Baguette niemals mit dem Messer zu schneiden. Nach dem Zweiten Weltkrieg hielt auch in der Baguetteproduktion die Industrialisierung Einzug, gegen 1980 begannen die handwerklichen Bäcker, darauf zu reagieren und besannen sich auf die traditionellen Methoden. 1993 wurde die Tradition im berühmten Décret Pain gesetzlich festgehalten.