Die Dekade des Terrors 9/11 und die Folgen
Das Fanal: Am 11. September 2001 steuern Terroristen des Netzwerks al-Qaida entführte Passagierflugzeuge in die Türme des New Yorker World Trade Centers und auf das Washingtoner Pentagon. Ein weiterer Jet stürzte ab. Insgesamt sterben fast 3000 Menschen.
Bald ist klar: Auch wenn einige der Attentäter ihren Plan in Hamburg ausheckten, die Drahtzieher um Osama Bin Laden halten sich in Afghanistan auf, wo das Taliban-Regime ihnen Unterschlupf gewährt. Die USA ziehen in den Krieg.
Die Taliban haben dem Angriff nicht viel entgegenzusetzen, ihr Regime zerfällt. Der Terror aber ist dadurch ebenso wenig besiegt wie al-Qaida. Bald setzen sich zwei Begriffe durch: "Global War on Terror" (GWOT) und "Der lange Krieg", denn Afghanistan bleibt nicht der einzige Schauplatz dieses Weltkonflikts.
Der Saudi-Araber Osama Bin Laden, Chef und Gründer des Terrornetzwerks al-Qaida, wird zum meistgesuchten Mann der Welt. Doch auch acht Jahre nach 9/11 ist er nicht gefunden, stattdessen sendet er aus seinem Versteck weiter Botschaften. Al-Qaida verwandelt sich in dieser Zeit von einer Kaderorganisation zu einem weltweiten Netzwerk lose miteinander verbundener Akteure.
Bali, 12. Oktober 2002: 202 Menschen, darunter viele australische Touristen und sechs Deutsche, sterben bei Bombenanschlägen auf Nachtclubs. Diese Vorgehensweise setzt sich für spektakuläre Großanschläge in den folgenden Jahren als Modus Operandi der dschihadistischen Akteure durch.
Ein Jahr nach 9/11 gelingt in Pakistans Metropole Karatschi eine wichtige Festnahme. Hier im Bild der mutmaßliche Mitverschwörer Ramzi Binalshibh, Vertrauter der Hamburger Zelle um Mohammed Atta.
Ein Jahr später wird der mutmaßliche Mastermind der Anschläge von 2001 verhaftet: Chalid Scheich Mohammed. Voraussichtlich 2010 beginnt sein Prozess in New York. Die beiden Festgenommenen verschwinden in den folgenden Jahren in den Innereien eines geheimen Netzes von CIA-Gefängnissen. Chalid Scheich Mohammed wird mit Waterboarding gefoltert.
Im Kampf gegen den Terror lassen die Exzesse nicht lange auf sich warten. Das US-Gefangenenlager Guantanamo Bay, absichtsvoll auf einem US-Stützpunkt auf Kuba und damit außerhalb der US-Jurisdiktion errichtet, wird zum
Synonym für Willkür und Misshandlung Gefangener, denen elementare Rechte vorenthalten werden. Viele Insassen sitzen für Jahre fest, ohne dass sie je angeklagt werden.
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Durch den Deutsch-Türken Murat Kurnaz wird Guantanamo auch zum Thema in Deutschland. Mehr als vier Jahre lang sitzt er in dem Lager ein, ein Bundestagsuntersuchungsausschuss versucht zu klären, ob sich die Bundesregierung ausreichend um seine Freilassung bemüht hat.
"Shock and Awe": Im März 2003 beginnen die USA ihren Feldzug gegen das Regime von Saddam Hussein im Irak. Die Regierung von US-Präsident George W. Bush macht geltend, der Diktator kooperiere mit al-Qaida und verfüge über Massenvernichtungswaffen. Beides stimmt nicht. Der Sturz des Regimes ist schnell bewerkstelligt, aber der Irak schlittert in eine Gewaltspirale. In der Folge etabliert sich in dem Land eine besonders blutrünstige Qaida-Filiale.
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Auch im Nachkriegsirak kommt es zu Exzessen. Das US-Gefangenenlager Abu Ghuraib wird zum Synonym für Folter, Misshandlung und sogar Totschlag. Mehrere US-Amerikaner werden in der Folge verurteilt. Die Weltöffentlichkeit ist schockiert über die Methoden. Der Ruf der USA ist international auf dem Tiefpunkt angelangt.
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Am 11. März 2004, unmittelbar vor den Parlamentswahlen in Spanien, schlägt eine von al-Qaida inspirierte Islamisten-Gruppe in Madrid zu: Mindestens 191 Menschen sterben bei Explosionen in Vorortzügen. Ziel ist es, der Opposition zum Sieg zu verhelfen, weil diese einen Abzug aus dem Irak anstrebt. So kommt es auch.
Im Mai 2004 kommt es zu einer Terrorserie in Saudi-Arabien. Etliche Qaida-Kader haben das umkämpfte Afghanistan verlassen und sind in ihre Heimatländer zurückgekehrt, um das Werk fortzuführen - so hatte Bin Laden es angeordnet. In dem Wüstenkönigreich sind die Folgen besonders deutlich.
Im Juli 2005 ist es wieder so weit: Der Terror kommt erneut nach Europa. Diesmal trifft es London, Sprengsätze in U-Bahnen und in einem Bus töten 56 Personen. Im gleichen Monat kommt es auch in Ägypten zu verheerenden Anschlägen, bei denen in Scharm al-Scheich 80 Menschen sterben.
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Kurz darauf ist erneut ein islamisches Land Schauplatz eines Blutbades: In der jordanischen Hauptstadt Amman sprengen sich Selbstmordattentäter der irakischen Qaida-Filiale in Hotels in die Luft. Eine Hochzeitsgesellschaft wird getroffen, fast alle Opfer sind Muslime.
Im Juni 2006 gibt es wieder einen Erfolg im "GWOT": Im Irak tötet ein US-Luftschlag den dortigen Qaida-Chef Abu Mussab al-Sarkawi, der sich mit gefilmten Enthauptungen von Geiseln und brutalen Terroranschlägen einen Namen als ruchloser Schlächter von Bagdad gemacht hatte. Doch al-Qaida im Irak lebt weiter. Bis heute.
Im Sommer 2006 entgeht Deutschland einem Terroranschlag: Zwei Studenten mit libanesischen Wurzeln deponieren Sprengsätze in Nahverkehrszügen. Doch die Bomben gehen nicht hoch. Einer der Angeklagten taucht im Libanon wieder auf, der zweite wird in Deutschland verurteilt. Die sogenannten "Kofferbomber" agierten offenbar aus Wut über umstrittene Mohammed-Karikaturen, die deutsche Zeitungen nachgedruckt hatten. Al-Qaida ist nicht involviert, Deutschland diskutiert über "homegrown terrorism".
Einer der beiden Kofferbomber, Youssef al-H., nach der Haftvorführung beim Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof. In Deuschland setzt sich die Erkenntnis durch, dass das "Nein" zum Irak-Krieg keine Immunität mehr gegen dschihadistische Terroranschläge verspricht.
Potentiell bedrohlicher als die Pläne der "Kofferbomber" waren womöglich die einer Terrorzelle, die im September 2007 hochgenommen wird. Fritz Gelowicz, Adem Yilmaz, Daniel Schneider und Atilla Selek planten laut Anklage, im Namen der Islamischen Dschihad Union (IJU) eine US-Kaserne, mehrere Pubs und Discotheken mit Autobomben anzugreifen.
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Überraschend gestehen alle vier Angeklagten in einem großen Prozess - und schildern ihren Weg in den Radikalismus und zur IJU Waziristan, wo sie sich ausbilden ließen.
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Al-Qaida setzt unterdessen immer mehr darauf, dass junge Dschihadisten aus eigener Initiative aktiv werden. Einer der Kader der jüngeren Generation, der immer wichtiger wird, ist der Libyer Abu Jahja al-Libi, der ständig neue Videos von sich veröffentlicht. Einige Experten halten den eloquenten Hassprediger für einen möglichen Nachfolger Osama Bin Ladens.
Im November 2008 trifft der Terror Indien: Schwer bewaffnete Terroristen greifen Luxushotels in Mumbai an.
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Regierungswechsel in Washington: Der neue US-Präsident Barack Obama verspricht im Juni 2009 in Kairo in einer gefeierten Rede einen Neuanfang in den Beziehungen zur islamischen Welt. Doch es fällt schwer, die Versprechen umzusetzen. Guantanamo Bay ist immer noch nicht geschlossen, der Nahost-Frieden so weit entfernt wie eh und je.
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Im September 2009 beginnt al-Qaida eine Drohkampagne gegen Deutschland. Sollten die Wähler nicht für einen Abzug aus Afghanistan stimmen, werde es Anschläge geben. Überbringer der Nachricht ist Bekkay Harrach aus Bonn, der sich dem Netzwerk Bin Ladens angeschlossen hat - einer von mehreren Dutzend Dschihadisten aus Deutschland, die sich am Hindukusch bei verschiedenen Organisationen tummeln.
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Im Oktober 2009 beschließt Pakistan, in der Krisenregion Waziristan, Rückzugsgebiet zahlreicher Terrororganisationen, einzumarschieren. Die pakistanischen Taliban und al-Qaida reagieren ihrerseits mit einer Terrorkampagne, in Pakistan kommt es fast täglich zu Anschlägen.
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Im Oktober 2009 präsentiert die Islamische Bewegung Usbekistan weitere Rekruten aus Deutschland. Die deutschen Sicherheitsbehörden sind ob der Zahl der Kampfeswilligen ratlos. Trotz aller Sicherheitsgesetze und neuen Befugnisse der Behören aus den vergangenen Jahren lässt sich der Zulauf nicht stoppen. Der "Kampf gegen den Terror" ist nicht vorbei und nicht gewonnen.