Studenten in Berlin Hippe Klamotten, lockere Haltung
Goldkette, Mütze, Achtziger-Jahre-Lederjacke: Isa, 21, sieht gestylt aus. Ihre Klamottenauswahl habe aber nur fünf Minuten gedauert, sagt sie. Isa kommt ursprünglich aus Köln, sie studiert im vierten Bachelor-Semester Slavische Sprachen und Literaturen an der HU. "Man sagt, die Leute hier im Grimm-Zentrum wollen sehen und gesehen werden. Ich finde, es ist gemischt. Einige machen sich offenbar viele Gedanken, anderen ist es egal." mehr...
"Mir ist es nicht ganz egal, ich überlege mir schon, was zusammenpasst, aber wenn ich weggehe, ziehe ich schickere Sachen an", sagt Isa. "Jetzt bin ich ja nur hier, um eine Hausarbeit zu schreiben." Sie trägt viele gebrauchte Klamotten. Ihr heutiges Outfit hat alles in allem um die 80 Euro gekostet.
Ein bisschen extravagant, ein bisschen lässig: Yusuf, 27, aus Indonesien, macht seinen Master in Südostasien-Studien an der HU. Was er anzieht, entscheidet er spontan. "Je nach Wetter und nach Gefühl."
Süß und je nach Laune: Katie, 24, beschreibt ihren Stil heute als "gemütlich und entspannt". Sonst kleide sie sich eher "süß" - auf jeden Fall müssen die Klamotten zu ihrer Stimmung passen. 15 bis 20 Minuten steht sie morgens vor dem Kleiderschrank, bis sie weiß, was sie anzieht.
"Ich kaufe meistens secondhand", sagt Katie. Die Australierin ist seit zweieinhalb Jahren in Berlin und hat hier im Grimm-Zentrum ihre Bachelorarbeit in Deutsch und Geschichte geschrieben. Jetzt arbeitet sie als Barista in einem Coffee-Shop.
Keilabsätze, kurzer Blazer, enge Hose: Juliane, 23, ist Berlinerin. Sie studiert Kunstgeschichte, Jüdische Geschichte und Religionswissenschaften an der FU. Das Grimm-Zentrum ist nicht überfüllt von Hipstern, findet sie. "Komm mal in die Kunstbibliothek am Kulturforum", sagt sie. "Da sehen Männer aus wie Frauen, und Frauen kleiden sich wie Männer."
Knallblaue Hose, knallblaue Turnschuhe, schmaler Schal: Pablo, 30, kommt aus Spanien. Seit drei Jahren ist er in Berlin, er promoviert in Polymerchemie. Er wohnt nicht weit vom Grimm-Zentrum entfernt und kommt fast täglich hierher. "Die Bib ist cooler als andere, sie hat zum Beispiel bis Mitternacht geöffnet", sagt er. "Manchmal denke ich aber, die Leute kommen mehr zum Flirten als zum Arbeiten her."
Pablo mag Blau.
Hosenträger und Seidenbluse: Rike, 32, studiert Kunstgeschichte an der FU. Da sie in Friedrichshain wohnt, recherchiert sie für ihre Bachelorarbeit im Grimm-Zentrum. Sie mag vor allem den Ausblick. "Ich sitze immer ganz oben am Fenster", sagt sie.
Besonders gestylt sind die Grimm-Besucher aus Rikes Sicht nicht. "Die Leute in den Kunstbibliotheken sind viel extravaganter, die tragen wirklich kreative Outfits." Sie selbst macht sich nicht extra zurecht, sagt sie. "Ich laufe immer so rum."
Zwirbelbart, Kniestrümpfe, enge Hose: Flo, 29, ist der Meister-Hipster. Er schreibt gerade seine Masterarbeit in Religions- und Kulturwissenschaften über, na so was, Hipster. "Ich denke viel darüber nach, wie ich mich anziehe", sagt er. "Der Charakter, den ich zurzeit darstellen will, ist eine Mischung aus dem Stil der zwanziger Jahre und einem Philosophiestudenten wie zu Hegels Zeiten Anfang des 19. Jahrhunderts."
Natürlich sei, so Flo, sein ganzer Look "pure Ironie". Das Grimm-Zentrum ist für ihn ein Ort zum Arbeiten, Leutetreffen, aber auch der Inspiration. "Die Bibliothek ist sehr hipsterlastig, sie ist in erster Linie ein Catwalk: schöne Menschen, die ihre schönen Fahrräder vor der Tür abstellen." Was wird der der nächste Trend der Hipster? "Reiterhosen und Nazi-Oberlippenbärte."
Bundeswehrjacke und Jeans: Mariami, 22, lernt im Grimm-Zentrum für ihre Deutschprüfung am Goethe-Institut. "Die Stimmung ist gut hier, und man lernt schnell Leute kennen." In ihrer Heimat Georgien hat sie schon Jura studiert, seit einem Jahr ist sie in Berlin und möchte hier noch einen Master in Jura machen. Auf ihre Bundeswehrjacke wurde sie schon häufig angesprochen. Schon komisch, findet sie. "Ich habe die Jacke auf dem Flohmarkt im Mauerpark für fünf Euro gekauft."
Hut, Locken, Jeansjacke: Jan, 30, studiert Psychologie und schreibt gerade an einem Artikel. "Ich komme in die Bibliothek, weil ich hier meine Ruhe habe", sagt er. So wie heute laufe er immer rum. "Ich style mich nicht extra für die Bib, mache mich aber auch nicht extra runter."
Jan trägt Hut. Mit Blume.
Beigefarbiges Kleid, Blazer im Chanel-Stil: Marlina, 26, liegt in den letzten Zügen ihres Doppelstudiums "Polnisches und Deutsches Recht". "Ich bereite mich hier aufs Staatsexamen vor. An zwei Tagen in der Woche arbeite ich, den Rest der Zeit verbringe ich hier." Marlina interessiert sich für Mode, sie findet es angenehm, dass sie in der Bibliothek anziehen kann, was sie möchte. Was sie nicht tragen würde: "Zu leichte Kleidung, die anderen ihre Konzentration raubt."
Marlinas liebstes Teil: ihre Uhr. Fällt auch auf.
Die Farbe Grau und Modelblick: Matti, 19, verbringt morgens ungefähr eine halbe Stunde mit der Kleiderwahl und probiert verschiedene Sachen an, bevor er sich für ein Outfit entscheidet. Er arbeitet im Grimm-Zentrum, ist also jeden Tag hier. Für Klamotten gibt er relativ viel Geld aus, heute trägt Matti, der schon mal gemodelt hat, ungefähr 250 Euro am Leib. Was er niemals tragen würde? "Adidas oder Nike - viel zu gewöhnlich."