Studenten in Berlin: Damn, sind wir hip - DER SPIEGEL
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Studenten in Berlin: Hippe Klamotten, lockere Haltung

Foto: Thomas Meyer / OSTKREUZ

Bibliothek mit stylischen Studenten Hier kommen die Bibster

Die Hose eng, der Mantel weit, die Jutetasche über der Schulter: In dieser Uni-Bibliothek sehen die Studenten eher nach Party und Laufsteg aus als nach Lernerei. Kein Wunder, das Grimm-Zentrum steht in der Hipster-Haupstadt Berlin. Eine etwas andere Modestrecke.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer in Berlin studiert, hat schnell Neider. "Wie cool!", heißt es dann. Klar, günstigere Mieten als in so gut wie jeder anderen westlichen Großstadt sind cool. Jede Woche eine neue Bar oder Galerie auch. Nach einer langen Nacht in der Ringbahn einschlafen weniger, aber trotzdem gibt es etwas zu erzählen.

Und dann gibt es, seit mehreren Jahren schon, die Hipster. Erkennungsmerkmale: Die meisten sind zwischen 18 und 35 Jahre alt, sie tragen superenge Röhrenjeans, obenrum gern etwas Weites, große Brillen, Jutebeutel und Casio-Uhren. Männer außerdem einen Bart, auch Basecaps oder Schlumpfmützen sind beliebt. Geld ist nicht wichtig, Secondhand ist besser. Sie geben sich rebellisch und individuell, ihre Haltung jedoch ist nicht politisch, sondern eher schlaff: "Sein Körper ist dann okay, wenn er wie ein eingeknickter Laternenpfahl in der Gegend steht", schreibt Silke Burmester über den Hipster.

Weil Berlin neben London und New York eine der Hipster-Metropolen ist und sich außerdem viele junge Leute, auch aus anderen Ländern ("OH, I LOVE BERLIN!"), von Deutschlands Hauptstadt angezogen fühlen, tummeln sich hier besonders viele Hipster-Studenten.

Ein Ort scheint sie besonders anzuziehen, obwohl er neu und schick ist anstatt angesagt schäbig: Das Grimm-Zentrum in Berlin-Mitte. 2009 wurde die Bibliothek der Humboldt-Universität eröffnet, mehr als 75 Millionen Euro hat der Bau gekostet. Naturstein von außen, viel Glas, großzügige Räume, lange Regalreihen und Leseterrassen, die an amerikanische Bibliotheken erinnern.

Von 8 bis 24 Uhr hat das Grimm-Zentrum unter der Woche geöffnet, bis zu 7000 Besucher und Studenten aller Berliner Unis kommen täglich hierher, einige nur um festzustellen, dass alle der rund 1200 Arbeitsplätze besetzt sind. Wer bleibt, lümmelt in roten Ledersesseln, trinkt in der Eingangshalle Cappuccino oder hängt mit rundem Rücken über seinem Klapprechner oder Tablet.

Catwalk, Laufsteg, nennen viele das Grimm-Zentrum. Weil es hier zwar auch den normalen Bibliothekslook gibt - Kapuzenpulli, Strickjacken und Wollsocken - aber eben auch eine Menge Leute, deren Outfit eher nach Party als nach Referatschreiben aussieht.

Einige finden gerade das gut, sie kommen auch zum Leute gucken hierher. Andere reagieren verschnupft, schütteln genervt den Kopf ob unseres Fotoshootings. Und die Hipster selbst? Verhalten sich artgerecht und leugnen ihr Hipstertum. "Niemand mag Hipster, selbst die Hipster nicht", schreibt der New Yorker Autor Jeff Wise in "Psychology Today".

Eine Untersuchung zeige: Selbst wer aussieht wie einer, würde sich selbst nicht als Hipster bezeichnen. Denn sobald man sich einer Gruppe zuordnet, verliert man seine Individualität. "Das sei das Wesen der Hipster", schreibt Wise. "So zu tun, als wäre man keiner."