Deutsch-türkische Freundschaft: Kichererbsen und Descartes
Deutsch-türkische Freundschaft Kichererbsen und Descartes
Anfang der sechziger Jahre war ich mit einigen befreundeten Sprachschülern nach dem Englisch-Unterricht häufig auf der Kettwiger Straße in Essen unterwegs. Dort gab es die Areg, ein Stehlokal, in dem man preisgünstig essen konnte. Hier lernten wir einige türkische Bergbaustudenten kennen, die uns bald regelmäßig Gesellschaft leisteten - auch abends beim Besuch des Ratskellers. Einige von ihnen waren armenisch- und syrisch-türkischer Herkunft, ein Spiegel der ethnischen Vielfalt ihres Vaterlandes.
Da auch häufig unser Lehrpersonal mit von der Partie war - unter anderem ein Engländer und ein US-Amerikaner - gab es reichlich Unterhaltungsstoff und einen munteren Schlagabtausch über nationale Vorlieben und Vorurteile. Ich hatte mir zu dieser Zeit ein türkisches Lehrbuch beschafft, um mich etwas mit dieser Sprache zu befassen. Meine Kenntnisse gediehen jedoch nicht weit.
Die philosophische Nagelprobe
Eines Tages bei einem unserer Treffen im Ratskeller ritt mich allerdings der Teufel. Ich kam auf die Idee, die Vertreter vom Bosporus zu fragen, wie denn der Sinnspruch von Descartes "Ich denke, also bin ich" auf Türkisch hieße. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: "Düsünüyorum o halde varim."
Sie bestanden damit nicht nur die Nagelprobe zur richtigen "Denke", sondern auch die anschließende "tour de cuisine méditerranée" mit selbst zubereiteten, sehr schmackhaften Kichererbsen- und Weiße-Bohnen-Gerichten. Die Freundschaft hielt über Jahre, nicht zuletzt wegen der guten Kochkünste. Von den Gerichten ist mir wegen des beziehungsreichen Namens besonders "kadin göbegi" in lebhafter Erinnerung, eine Süßspeise, die übersetzt "Frauenbauchnabel" hieß. Wer würde ein solches Dessert unangetastet stehen lassen!