»Es war widerlich« So überstand Erich Kästner die NS-Diktatur
Erich Kästner (um 1930): Verfemt, verboten, verbrannt – aber er überlebte.
Foto:picture-alliance / dpa
Die Nazis riefen zum Flammenspektakel, auch Erich Kästner kam. Als einziger der 24 deutschen Schriftsteller, deren Werke am 10. Mai 1933 mit denen zahlreicher internationaler Autoren verbrannt wurden. Auf dem Berliner Opernplatz deklamierte Propagandaminister Joseph Goebbels ihre Namen, ein Student brüllte: »Gegen Dekadenz und moralischen Verfall« – und warf Kästners Werke ins Feuer.
Eine Frau erkannte ihn unter Zehntausenden Schaulustigen und rief: »Dort steht ja der Kästner!« Er drehte sich um und ging.
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Nach dem Krieg erinnerte er sich an die gespenstische Szenerie so:
»Ich … sah unsere Bücher in die zuckenden Flammen fliegen und hörte die schmalzigen Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners. Begräbniswetter hing über der Stadt. Der Kopf einer zerschlagenen Büste Magnus Hirschfelds stak auf einer langen Stange, die, hoch über der stummen Menschenmenge, hin und her schwankte. Es war widerlich.«