Eine vergilbte elektrische Zahnbürste und eine DDR-Kaffeemühle: Zwei profane Haushaltsgeräte stören das Panoptikum der Orgasmusmaschinen. Sie irritieren beim Anblick des Dildo-Reigens, eine Sinfonie in Neongrün, Orange, Lila und fleischfarben: verziert mit Noppen, Rillen und Adern, gefertigt aus Silikon, Bakelit und Chrom, geformt als Pistole, Dino-Würmchen, Ei.
Was haben die Zahnbürste und die Kaffeemühle hier zu suchen, in der wohl größten historischen Vibratoren-Privatsammlung Deutschlands, gelegen im dritten Stock einer verwinkelten Hamburger Altbauwohnung?
Lust und Macht
In den vergangenen Jahren sind die Diskussionen über Sexualität heftig und emotional geworden: Sexuelle Minderheiten fordern mehr Rechte, die #MeToo-Bewegung prangert sexualisierten Machtmissbrauch an, die Geschlechtergrenzen scheinen sich zu verschieben.
Wie war das eigentlich früher? Diese Ausgabe schaut in die Betten vergangener Epochen und zeigt, wie Menschen seit der Antike über Lust und Moral debattierten – und was sie tatsächlich praktizierten.
»Vibration is life«, sagt Sammlungsinhaberin Nadine Beck, versonnen stülpt sie sich einen rosafarbenen Penisring mit Klitorisbürstchen aus den Sechzigerjahren über den Finger. Auch Kaffeemühlen und Zahnbürsten wurden zweckentfremdet – das gehört zur Historie des Vibrators, ebenso wie all die schönen Märchen, die sich um den surrenden Freudenspender ranken.