Tödliche Tricks der CIA - DER SPIEGEL
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Geheimes CIA-Handbuch: Zaubern für den Geheimdienst

Foto: Phil Franke

Tödliche Tricks der CIA Abramakaber

Wegzaubern mal anders: Um ihre Agenten fit für den Kalten Krieg zu machen, heuerte die CIA in den fünfziger Jahren einen New Yorker Magier an. John Mulholland brachte den US-Agenten bei, wie man am besten trickste und tötete. Nun wird sein geheimes Handbuch erstmals veröffentlicht.
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Nach Feierabend rückte der "Technische Dienst" der CIA an und raffte Tausende hochgeheimer Dokumente zusammen. Stapelweise landeten die Unterlagen im Reißwolf. Wenig später protestierte der Leiter des betroffenen Staatsarchivs - zu spät. Eine der größten Vertuschungsaktionen in der Geschichte des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes war bereits abgeschlossen. Gewissenhaft vernichteten die CIA-Männer an jenem 30. Januar 1973 jeden greifbaren Papierfetzen, der einen Hinweis auf das ominöse Projekt MK-Ultra liefern konnte - eine der bizarrsten Geheimoperationen des Kalten Krieges.

In Versuchslabors testete die CIA ab den frühen fünfziger Jahren biologische und chemische Substanzen. Hunderten Probanden wurde ohne deren Wissen die synthetische Droge LSD verabreicht. Parallel loteten Forscher für den Nachrichtendienst die Möglichkeiten der Hypnose aus.

Vor allem aber engagierte die Führung von MK-Ultra 1953 den damals populären Zauberkünstler John Mulholland im Kampf gegen den Kommunismus. Der Magier aus New York verfasste für die CIA ein Handbuch. Darin lieferte der Illusionskünstler unter anderem konkrete Ratschläge, wie US-Agenten feindliche Aktivisten mit Giftcocktails ausschalten konnten.

Lange galt das Werk als vernichtet. Alle Kopien seien bei der Säuberungsaktion in den Siebzigern geschreddert worden, vermuteten Historiker. Doch unlängst entdeckten Rechercheure unverhofft eine Kopie des Agentenschmökers. Nun erscheint eines der raren Zeugnisse aus der unheimlichen MK-Ultra-Ära erstmals in deutscher Sprache.

Mini-Pistolen in Zahnpastatuben

Kenner wie der CIA-Insider und Mitherausgeber Robert Wallace gehen sogar davon aus, dass der Täuschungskünstler Mulholland in den Fünfzigern etliche Geheimwaffen inspirierte, die dann in den Werkstätten des Nachrichtendienstes tatsächlich gebaut wurden. So montierten CIA-Techniker Mini-Pistolen in Zahnpastatuben, sie installierten Giftspritzen in Kugelschreibern und versteckten Mikrofilme in ausgehöhlten Dollar-Münzen.

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Geheimes CIA-Handbuch: Zaubern für den Geheimdienst

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Pate stand Illusionist Mulholland bei der Kunst der perfekten Tarnung. Verbrieft ist etwa der Plan, einen Spion der CIA aus dem feindlichen Ausland auszuschleusen, indem er das Fell eines Bernhardiners überstreifte und in einem Hundekäfig ausharrte.

Im Rausch der Vertuschung nutzten die Heimlichtuer der Agentenbehörde mit Vorliebe tote Briefkästen, die diese Bezeichnung wahrlich verdienten: Geheime Botschaften platzierten Spione zeitweilig in Rattenkadavern.

Geheimwaffen und Gifte ließ die CIA durch Spezialkommandos zum Einsatz bringen. Dem Ministerpräsidenten des Kongo, Patrice Lumumba, sollte 1960 etwa ein CIA-Agent eine toxische Zahnpasta in den Kulturbeutel schmuggeln. Die Operation wurde allerdings kurzfristig abgesagt; der zuständige CIA-Leiter in Léopoldville warf die giftige Zahnpasta in einen Fluss.

Mit ungewöhnlichen Methoden wollte der Geheimtrupp dem amerikanischen Staatsfeind Nummer eins beikommen: Ein Plan sah vor, Fidel Castro durch halluzinogene Sprays zu verwirren, die verdeckt auf seine Zigarren gesprüht werden sollten. In einem anderen Szenario sollten die Stiefel des kubanischen Revolutionsführers mit einer Chemikalie präpariert werden, die zum Ausfall seiner Barthaare hätte führen sollen.

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Das einzig wahre Handbuch für Agenten: Tricks und Täuschungsmanöver aus den Geheimarchiven der CIA

Melton, Keith,Wallace, Robert
Verlag: Heyne Verlag
Seitenzahl: 256
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Dümmlicher Gesichtsausdruck als Erfolgsrezept

Für seine Operationen benötigte der Geheimdienst geschulte Agenten, die sich unauffällig bewegten und den Gegner in die Irre führen konnten. Das Handbuch von Magier Mulholland lieferte die gewünschte Anleitung, wie man einen gegnerischen Spion heimlich mit Tabletten, Pulver oder einer Flüssigkeit vergiften konnte.

"Es kommt gar nicht auf die Fingerfertigkeit an", belehrte Mulholland seine Leser, "sondern darauf, sich eine Folge von Bewegungen auszudenken und sie ganz natürlich auszuführen."

Für diverse Tötungsarten hatte der Täuschungsspezialist einen bis ins Detail ausgefeilten Ablauf erstellt. Eine eisern zu befolgende Choreografie war etwa vonnöten, wenn ein Spion seinem Gegenüber Feuer gab und dabei unauffällig eine Giftpille in das Getränk der Zielperson schnipste.

"Indem man beim Ausführen eines Tricks einen leicht dümmlichen Gesichtsausdruck aufsetzt, wirkt man auf den Beobachter desinteressiert", riet Mulholland der Agentenschar - ergänzt durch die Mahnung: "Natürlich sollte man es nicht übertreiben, denn wer von einem Moment auf den nächsten vollkommen schwachsinnig dreinsieht, erregt auch nur wieder Aufmerksamkeit."

Weiblichen Geheimdienstlern empfahl Mulholland, "einfach so zu tun", als hätten sie nichts kapiert. Sie schauen "also eher ratlos als dumm".

Wie viele Gegner die CIA dank Mulhollands Methoden tatsächlich zur Strecke brachte, ist nicht bekannt. Dem Autor des Handbuchs, im Zivilberuf ein friedliebender Zauberer, lag jedenfalls wenig an dem Bekanntwerden seines Nebenjobs.

Bis zu seinem Tod im Jahre 1970 berichtete er weder Verwandten noch Freunden von seinem Doppelleben als CIA-Berater für geheime Giftanschläge.