Dellwarzen Mitbringsel aus dem Schwimmbad
Freibad: Dellwarzen-Viren werden oft beim Spielen im Schwimmbad übertragen
Foto: Hauke-Christian Dittrich/ dpaErst sah es aus wie ein kleiner Pickel. Tim war im Schwimmbad, kurz danach entdeckte seine Mutter die kleine Erhebung am Oberschenkel. Tims Mutter dachte sich nichts dabei. Aber die runden Hautknötchen blieben - und es wurden immer mehr. 20, 30 Stück hatte der Vierjährige nach wenigen Wochen über Bauch, Oberschenkel und Armbeugen verteilt. "Dellwarzen", diagnostizierte der Kinderarzt.
Fast jedes Kind bekomme diese Warzen irgendwann einmal, sagt Peter Höger, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Dermatologie am Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg. "Doch oft sind es so wenige, dass sie das gar nicht merken." Für Ärzte sind sie Routine. Für Eltern werden sie schnell Dauerthema. "Tim haben die Warzen nicht gestört", erzählt seine Mutter. "Aber ich wurde ständig darauf angesprochen, was er denn hat."
Wie bei Tim fängt es häufig mit einem Schwimmbadbesuch an. Dort laufen die Kinder nur mit Badeanzug oder -hose herum, weshalb sie sich besonders leicht mit den Warzenviren infizieren. Der Grund: Die kleinen, oft Stecknadelkopf großen Warzen haben eine kleine Delle. "Wenn man dagegen drückt, tritt ein Brei aus, der voller Viren steckt", sagt Albert Rübben, Oberarzt an der Klinik für Dermatologie und Allergologie der RWTH Aachen. Stößt ein Kind beim Planschen gegen ein anderes, können sich die Viren verbreiten. Durch das Wasser ist die Haut aufgeweicht und den Angreifern deshalb weitgehend schutzlos ausgeliefert.
Viren als Auslöser
Häufig betroffen sind Kinder zwischen zwei und fünf Jahren. Grund sei das noch schwache Immunsystem, sagt Rübben. Hat sich das Kind mit dem Molluscum contagiosum-Virus an einer Hautstelle infiziert, dauert es zwischen einer und mehreren Wochen, bis dort die ersten Warzen auftauchen. "Das hängt von der übertragenen Virusmenge ab", erklärt Höger. Die Warzen können sich in ihrer unmittelbaren Umgebung selbst ausbreiten. Viel häufiger verteilt aber das Kind die Viren über den Körper: indem es mit Armen oder Beinen an den Warzen reibt, aus Versehen gegen sie drückt oder an ihnen herumkratzt. Vermeiden lässt sich das kaum.
Warzen werden normalerweise durch humane Papillomviren verursacht, Dellwarzen aber nicht. Sie entstehen bei einer Infektion mit dem Molluscum-contagiosum-Virus, einem Erreger aus der Gruppe der Pockenviren.Vor allem Kinder im Alter bis zu zehn Jahren entwickeln Dellwarzen.Für Menschen mit einem gesunden Immunsystem sind Warzen fast immer harmlos. Mit der Zeit baut der Körper eine Immunabwehr gegen die Viren auf - die Warzen verschwinden von alleine, erklärt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen IQWiG auf dem Verbraucherportal gesundheitsinformation.de. Doch das kann dauern. Studien mit Schulkindern zeigten: Bei 50 Prozent der Jungen und Mädchen waren die Warzen nach einem Jahr verschwunden. Nach zwei Jahren waren 70 Prozent frei von Warzen.Warzen:Artikel auf gesundheitsinformationen.de
Besonders anfällig sind Kinder mit trockener Haut. "Sie ähnelt einer Mauer mit bröckeligem Lehm", sagt Höger. Die Viren können dort leichter eindringen. Regelmäßiges Eincremen kann helfen, die Verbreitung einzudämmen. Ob Fett- oder Feuchtigkeitscreme aufgetragen wird, sollte der Kinder- oder Hautarzt entscheiden. Das hängt vom Hauttyp und einer möglichen Hauterkrankung ab. Der Arzt kann auch geeignete Produkte nennen. "Die gut riechende Creme aus dem Supermarkt nützt oft nicht", so der Dermatologe.
Leben mehrere Kinder im Haus, gilt: keine Handtücher tauschen, nicht zusammen in die Badewanne, beim Rangeln möglichst etwas überziehen. Das bietet zwar keinen absoluten Schutz, senkt aber das Risiko, dass sich auch die Geschwister anstecken.
Selbstlösendes Problem
Ansonsten können Eltern gelassen bleiben. Bei einem gesunden Kind verschwinden die Warzen irgendwann von allein. "Weil die Viren nicht im Blut, sondern auf der Haut sind, braucht das Immunsystem aber lange, um die Infektion zu erkennen", sagt Rübben. Höger spricht von einer Tarnung: "Die Dellwarzen bilden eine Kapsel, um sich zu verstecken. So verhindern sie, dass das Immunsystem eingreift. " Auf lange Sicht haben sie trotzdem wenig Chance: Rund 28 Prozent aller Dellwarzen verschwinden innerhalb von drei Monaten, mehr als 90 Prozent im Laufe eines Jahres.
Die Warzen können mit einer Vitamin-A-Lösung behandelt werden, sagt Rübben. "Damit irritiert man die Warze, um das Immunsystem anzuregen." Ob es dadurch zu einer früheren Abheilung kommt, sei aber nicht sicher geklärt.
Also zurücklehnen und abwarten? Nicht in jedem Fall. "Wenn das Gesicht befallen ist, rate ich zur Behandlung", sagt Höger. Oder bei einem ausgedehnten Befall mit 30 bis 50 Warzen, wenn es noch keine Anzeichen für eine Abheilung gibt. "Dann ist es sinnvoll, die Virenlast zu verringern, um eine weitere Verbreitung zu verhindern."
Dafür werden die Warzen in der Regel unter örtlicher Betäubung abgeschabt. Bei Tim wurde die sogenannte Kürettage empfohlen. "Die Hautärztin sagte aber auch: Das wird eine ziemlich blutige Geschichte", erinnert sich Tims Mutter. Sie entschied sich deshalb dagegen. Heute - gut ein Jahr nach dem ersten Auftreten - sind fast alle Warzen verschwunden. "Tim hat noch zwei." Doch auch um sie herum zeigt sich bereits eine Rötung - das Zeichen dafür, dass die Dellwarze den Kampf gegen das Immunsystem verloren hat und bald abheilt.