Endspurt in die Besinnlichkeit: Achilles' Verse - DER SPIEGEL
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Trainingsplan für Weihnachten Endspurt in die Besinnlichkeit

Die Weihnachtszeit ist wie Vorbereitung auf einen Wettkampf: ein ständiger Wechsel zwischen Euphorie und Verzweiflung. Wie man die Leidensphasen übersteht? Ein Trainingsratgeber von Anna Achilles.
Erfolg in Phase zwei: Intervalltraining - zwischen Shopping und Weihnachtsmarkt
Erfolg in Phase zwei: Intervalltraining - zwischen Shopping und Weihnachtsmarkt

Erfolg in Phase zwei: Intervalltraining - zwischen Shopping und Weihnachtsmarkt

Foto: Adam Berry/ Getty Images
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die gute Nachricht: In zwei Tagen werden wir erlöst. Dann sind wir im Ziel. Dann ist Weihnachten. Die Adventszeit ist wie die Vorbereitung auf einen Wettkampf. Zu Beginn des Trainings ist der Athlet hoch motiviert. Kurz vor dem Rennen will er nur noch, dass es vorbei ist. Die schlechte Nachricht: Weihnachten wird wiederkommen. Besser jetzt schon darauf einstellen.

Phase eins

Die erste Trainingsphase ist geprägt von Euphorie. Weihnachten klingt nach tanzenden Schneeflocken, leuchtenden Tannenbäumen, Harmonie und Kaminfeuer. Nur, dass diese Weihnachtsromantik eintritt, ist so wahrscheinlich wie ein Besuch des echten Weihnachtsmanns. Denkt der Hobbyathlet an seine Wettkämpfe, hat er ein ähnlich illusorisches Bild von sich im Kopf: locker, lächelnd, mit wehendem Haar ins Ziel sprintend. Dass die Realität anders aussieht, beweisen die Zielfotos.

Trainingsphase eins ist aber nicht zu unterschätzen. Sie legt den Grundstein für spätere Erfolge. Spätestens, wenn gegen Ende des Sommers die ersten Freibäder schließen, sollte die Vorbereitung beginnen. Im Supermarkt findet man jetzt eine große Auswahl an Dominosteinen und Schokonikoläusen. Ideal, um sich einen Trainingspuffer zu erarbeiten. Außerdem, wir wissen alle: Die richtige Ernährung ist genauso wichtig wie das richtige Training .

Phase zwei

Trainingsphase zwei startet, wie jedes Jahr, am ersten Advent - und kommt, wie jedes Jahr, völlig überraschend. Wer kann schon ahnen, dass am 24. Dezember Heiligabend ist? Der Druck wächst. Der Puls steigt. Wie jedes Jahr hat man keine Ahnung, was man den Eltern, dem Ehepartner oder dem Laufkumpel schenken soll. Etwas Kreatives wäre toll. Um weihnachtsmüde Gehirnzellen anzutreiben, eignet sich Intervalltraining. Zwischen jeder Einheit Shopping einen Abstecher auf den Weihnachtsmarkt machen. Ein Becher Glühwein hilft gegen Wehwehchen, egal ob Läuferknie oder Weihnachtspanik.

Phase drei

Spätestens, wenn das dritte Lichtlein brennt, in Trainingsphase drei, droht Überforderung. Kurz vor den Feiertagen stapelt sich die Arbeit im Büro. Weihnachtsfeiern reihen sich aneinander, und statt tanzender Schneeflocken platschen dicke Regentropfen gegen die Scheibe. Von wegen besinnliche Weihnachtszeit. Stress statt Harmonie. Gesund kann das nicht sein. Jedes Mal schwört man sich: Nächstes Jahr fange ich viel früher an zu trainieren. Trotzdem, auch wenn es schwerfällt: Jetzt auf den letzten Metern nicht nachlassen. Das Ziel ist nicht mehr weit. Quäl dich, du Sau.

Das Finale

Heiligabend. Der Tag, auf den wir uns so lange vorbereitet haben, ist da. Wir kommen ins Ziel. Nach wochenlanger Schinderei werden wir für unsere Mühen entlohnt. Der Gänsebraten schmeckt genauso gut wie das Bier im Ziel eines Rennens. Jetzt beginnt der angenehme Teil des Wettkampfs: Wir können uns entspannen. Regeneration ist auch dringend nötig. Denn in einem Jahr kommt schon das nächste Weihnachten.

ZUR PERSON
Foto: Christine Scholz

Jahrgang 1987 und Nichte von Achim Achilles. Für den Wunderläufer stellt sie aber keine Konkurrenz dar: Anna ist notorisch trainingsfaul und mindestens so untalentiert wie ihr Onkel. Ihr Motto: Bewegung soll Spaß machen und muss nicht wehtun. Anna lebt in München und macht zurzeit ein Volontariat beim Bayerischen Rundfunk.Facebookseite von Anna Achilles