Olivenöl: Qualität ist laut Stiftung Warentest drastisch gesunken - DER SPIEGEL
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Stiftung Warentest Qualität von Olivenöl ist drastisch gesunken

Ranzig, stichig, schlammig: Laut Stiftung Warentest können Verbraucher nicht einmal mehr auf die höchste Güteklasse »nativ extra« vertrauen. Im Test fielen sechs von 23 Ölen durch. Schuld ist der Klimawandel.

Zu unschönen Begriffen wie ranzig, stichig oder schlammig griffen die Expertinnen und Experten der Stiftung Warentest beim Test von verschiedenen Olivenölen. Insgesamt 23 Öle haben sie geprüft, nur vier von ihnen schnitten mit der Gesamtbewertung »gut« ab. Sechs Produkte fielen durch.

Das Ergebnis fällt noch schlechter aus als 2022, wo immerhin zwei Drittel der Öle gut abschnitten. Ernüchternd – bei einem Produkt, das weitläufig als gesund gilt und immer teurer wird. Die Tester sehen für die schlechte Qualität so vieler Olivenöle einen Grund: »Zum ersten Mal haben wir den Eindruck, dass sich die Klimakrise in einem Lebensmitteltest niederschlägt«, sagt der Lebensmittelchemiker Jochen Wettach, der die Untersuchung für die Stiftung Warentest leitete. Im Mittelmeerraum hätten viele Olivenbäume in den vergangenen beiden Sommern unter extremer Hitze, Wassermangel und Schädlingen gelitten, heißt es in dem Bericht der Stiftung Warentest . Die Früchte hätten Schaden genommen, die Ernte sei eingebrochen, Olivenöl sei knapp geworden. In der Saison 2022/23 sank die Produktion in der EU demnach um geschätzt 40 Prozent.

Die Folge: Schlechtere Gesamtqualität zu deutlich höheren Preisen. Im letzten Test 2022 habe der Durchschnittspreis für einen Liter Olivenöl noch bei 10,30 Euro gelegen. Im aktuellen Test liegt er bei 15,70 Euro. Das häufig verkaufte »Bertolli Originale« oder Discounter-Öle kosten mittlerweile rund doppelt so viel, heißt es in den Testergebnissen. In einem Interview mit dem SPIEGEL  im Sommer vergangenen Jahres hatte Bertolli-Manager Tomislav Bucic bereits erklärt, dass die Preise für die Rohware binnen eines Jahres um 50 Prozent gestiegen seien. Gleichzeitig sei es so trocken gewesen, dass es deutlich weniger hochqualitatives Öl gegeben habe.

Die Produzenten könnten so die Anforderungen an die höchste Güteklasse »Nativ extra« nicht mehr garantieren. Das zeigte sich auch in den Stiftung-Warentest-Ergebnissen: Nur zwei der Öle der höchsten Güteklasse konnten überzeugen. Das »Cosmo di Russo Caieta« aus Italien und das »Rapunzel-Bioöl« von der Insel Kreta ragten demnach geschmacklich hervor, sie seien rundum ausgewogen, deutlich bitter und scharf im Geschmack.

Sechs der »Nativ Extra«-Öle erhielten hingegen die Note »mangelhaft«. »Die Öle hätten nicht als nativ extra verkauft werden dürfen, denn laut EU-Olivenöl-Verordnung darf Olivenöl dieser Güteklasse keinen einzigen sensorischen Fehler aufweisen«, schreiben die Tester. »Ranzige Noten gehen auf Sauerstoffkontakt zurück, teils schon auf angegriffene Rohware wie beschädigte Oliven.« Auch Bertolli-Manager Bucic prognostizierte im Interview, dass sich das Sortiment in den Supermarktregalen verkleinern werde: »Einige werden die hohen Standards des deutschen Handels nicht halten können.«

Oliven werden mit steigenden Temperaturen mancherorts früher reif und müssen daher auch schon früher geerntet werden. Viele Bauern müssen ihre Abläufe daher nun umstellen.

Welches Öl soll ich kaufen?

Die EU-Olivenöl-Verordnung teilt Olivenöl in unterschiedliche Kategorien ein:

  • Die höchste Güteklasse ist »Natives Olivenöl extra«: Öle dieser Kategorie müssen ein Mindestmaß an Fruchtigkeit aufweisen und ohne sensorische Fehler sein, schreiben die Warentester. Die Herstellung müsse mechanisch und ohne Wärmezufuhr erfolgen. In Deutschland dominiere diese Öl-Variante den Markt.

  • Die zweithöchste Güteklasse ist »Natives Olivenöl«. Es wird wie »Nativ extra«-Öl produziert, die Anforderungen an die chemische Qualität sind aber weniger streng. Leichte sensorische Fehler werden demnach toleriert. In Deutschland ist natives Olivenöl kaum im Angebot.

  • Die dritte Güteklasse heißt schlicht »Olivenöl« und besteht aus raffinierten und nativen Ölen. Es wird meist als Bratöl verkauft.

  • Zuletzt gibt es »Lampant-Öl«, das nicht in Supermärkten verkauft wird. Es handelt sich um ein Rohprodukt, das nicht als Lebensmittel gehandelt werden darf. Es hat starke sensorische Fehler und muss vor dem Verzehr erhitzt und chemisch behandelt werden.

Gut für die Gesundheit, aber teils voller Schadstoffe

Die schlechte Qualität der Olivenöle kann sich auch negativ auf gesundheitliche Aspekte auswirken. Den Warentestern zufolge kann Klimastress auch die Gehalte an gesundheitsförderlichen Polyphenolen in Olivenöl senken. Das habe das Polytechnische Institut im portugiesischen Bragança in einer Studie nachgewiesen. Polyphenole können zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen. Im Test zeigte sich: Die aktuell geprüften »Nativ extra«-Öle hatten im Schnitt ein Sechstel weniger Polyphenole.

Ebenso enthält Olivenöl eine große Menge ungesättigter Fettsäuren, vor allem Ölsäure, aber auch Linolsäure und Omega-3-Fettsäuren. Auch diese gelten als besonders gut für das Herz-Kreislauf-System und helfen, schädliches LDL-Cholesterin im Blut zu senken. Den ungesättigten Fettsäuren werden außerdem antioxidative, entzündungshemmende und gerinnungshemmende Eigenschaften nachgesagt. Allerdings bleibt Olivenöl ein hochkalorisches Lebensmittel. Es sollte also in Maßen konsumiert werden.

Doch offenbar sind einige der Supermarkt-Öle nicht nur geschmacklich miserabel, sondern auch noch gesundheitsschädlich: Drei der getesteten Öle erhielten von der Stiftung Warentest die Schadstoffnote »ausreichend«. »Filippo Berio« und die Bratöle von »Bertolli« und »Rewe Beste Wahl« seien stark mit aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (Moah) belastet, die als möglicherweise krebserregend gelten und etwa von Erntemaschinen eingetragen werden, heißt es in den Testergebnissen.

kry