Von wegen Ruhestand Mehr Menschen im Rentenalter arbeiten noch
Arbeitnehmer in einer Werkhalle in Brandenburg
Foto: Patrick Pleul/ picture alliance / dpaImmer mehr Menschen arbeiten noch, auch wenn sie eigentlich schon pensioniert sind. Die Zahl der Senioren, die im Ruhestand einer Erwerbsarbeit nachgehen, ist von 5,1 Prozent im Jahr 1996 auf 11,6 Prozent im Jahr 2014 gestiegen.
Das geht aus einer Studie des Deutschen Zentrums für Altersfragen hervor, die das Bundesfamilienministerium veröffentlichte.
Auch die Quote der Arbeitnehmer in Deutschland, die bis 65 Jahre berufstätig bleiben, ist gestiegen: 2014 lag sie bei knapp 39 Prozent. Im Jahr 2008 hatte der Anteil noch bei knapp 28 Prozent gelegen.
Warum Senioren länger arbeiten, hat der sogenannte Alterssurvey nicht erhoben. Doch die Bildung spielt dabei offenbar eine Rolle: Während 2014 von den 40- bis 65-Jährigen mit niedrigem Bildungsniveau lediglich 50,6 Prozent erwerbstätig waren, lag der Anteil bei Personen mit mittlerem Bildungsniveau bei 70,8 Prozent und bei Menschen mit hohem Bildungsabschluss bei 81,5 Prozent.
Ob gebildete Menschen im Alter eher arbeiten wollen, ob sie leichter einen Job finden, gesundheitlich fitter oder aus anderen Gründen häufiger erwerbstätig sind, bleibt offen.
Eine Erwerbstätigkeit im Ruhestand wird der Studie zufolge meistens in Teilzeit geleistet und ist nicht unbedingt an den früheren Arbeitsplatz gebunden: Nur etwa ein Viertel der erwerbstätigen Ruheständler arbeitet für den vorherigen Arbeitgeber. Häufiger gehen sie einer selbstständigen Tätigkeit nach.
Mehr Sport, bessere Gesundheit
In der Debatte um die Rente mit 67 sendet der Alterssurvey auch eine politische Botschaft: "Angesichts der Tatsache, dass die Erwerbstätigen in Deutschland größtenteils mit ihrer Arbeit zufrieden sind und sich im Berufsalltag weder unter- noch überfordert fühlen, scheinen die Voraussetzungen gegeben, das politische Ziel des längeren Verbleibs im Erwerbsleben erreichen zu können", schreiben die Autoren.
Kritiker befürchten hingegen, dass die Rente mit 67 zu verstärkter Altersarmut führen wird, weil viele Menschen nicht bis zu diesem Alter berufstätig sein können. Zwar planen immer mehr Erwerbstätige der Studie zufolge, bis zur höheren Regelaltersgrenze zu arbeiten. Allerdings gelingt das seltener: 1996 waren nur 3,6 Prozent direkt vor dem Ruhestand arbeitslos. 2014 seien es mehr als viermal so viele gewesen.
Der Deutsche Alterssurvey gilt als wichtige Langzeitstudie über das Älterwerden. Erhebungen fanden 1996, 2002, 2008 und 2014 statt.
Die Studie zeigt auch, dass es den Menschen in der zweiten Lebenshälfte insgesamt immer besser geht: Gut zwei Drittel von ihnen seien körperlich kaum eingeschränkt. Die 40- bis 85-Jährigen treiben häufiger Sport als noch vor 20 Jahren. Besonders deutlich zeige sich dieser Trend bei den über 60-Jährigen.