Wochenstart: Den Frust am Montag überwinden - DER SPIEGEL
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Verhasster Wochenstart Die Angst vor dem Montag

Sie konnten nicht schlafen, sind müde und schlecht gelaunt? Herzlich willkommen in der Montagsneurose. Woher die Panik vor dem Wochenstart kommt - und was man dagegen tun kann.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Unruhig wälzt sie sich in ihrem Bett hin und her, von links nach rechts, von rechts nach links. Ihr Blick springt zu der Anzeige, die der Radiowecker rotleuchtend an die Zimmerdecke projiziert. Es ist zwei Uhr früh. Und sie ist einfach nur wach.

Petra, 53, Reinigungskraft aus Krefeld, durchlebt ihren wöchentlich wiederkehrenden Horror: die typisch schlaflose Sonntag-auf-Montag-Nacht. "Von Sonntag auf Montag schlafe ich grundsätzlich nicht mehr als drei Stunden, ich komme einfach mit diesem Wechsel von Wochenende auf Wochenstart nicht klar", erzählt Petra, die ihren vollen Namen nicht nennen will.

Zu groß ist ihre Sorge, dass ihr Arbeitgeber sie als nicht motiviert, nicht leistungsfähig wahrnehmen könnte. "Dabei hat meine Panik vor Montag eigentlich nichts mit meinen Job zu tun. Meine Kollegen sind nett, die Arbeit macht mir Spaß."

"Tretmühlen-Feeling"

Trotzdem könne sie nichts dagegen tun, dass sich spätestens Sonntagnachmittag ein Unbehagen, ein "Tretmühlen-Feeling" einstelle, sobald sie an den nächsten Tag denkt. Und egal, was sie dann abends auch probiert, früh schlafen gehen, spät schlafen gehen, statt oft düsterem "Tatort" lieber zuverlässig weichgespültes "Herzkino" gucken, Zunge an den Gaumen pressen, durch die Nase einatmen und durch den Mund wieder aus ("eine Entspannungsübung aus einer Frauenzeitschrift") - nichts hilft.

Wissenschaftler kenne die "Montagsneurose": "Ganz Deutschland schläft in der Nacht von Sonntag auf Montag schlecht", sagt Schlafforscher Dr. Hans-Günter Weeß. Grund sei zum einen das veränderte Schlafverhalten am Wochenende. "Sonntags schlafen die meisten Menschen lange aus. Wenn sie dann abends früh ins Bett müssen, weil es am nächsten Morgen früh raus geht, sind sie tagsüber zu wenig wach gewesen, um ausreichend Schlafdruck aufzubauen."

Zum anderen unterlägen viele Bundesbürger einem übermäßigen Pflichtbewusstsein, "sie beschäftigen sich mit ihrer Arbeit bereits Sonntagabend im Bett, und diese Anspannung lässt sie nicht zur Ruhe kommen". Entsprechend maulig seien sie am nächsten Morgen.

Tipp: Pläne für Montagabends schmieden

Dabei hatten Wissenschaftler den Montag einst zum Erlösertag der Woche für all jene erklärt, die aus ihrem Job viel Anerkennung schöpfen und deshalb regelmäßig am Wochenende eine Minidepression erleiden. Mittlerweile gilt der Montag wieder als miesester Tag der Woche.

Augen zu und durch ist eine Taktik. Wer aber wirklich etwas an seiner Stimmung verändern möchte, kann sich Strategien angewöhnen: So empfehlen Motivationstrainer als Erste-Hilfe-Tipp, für Montagabend schöne Feierabendaktivitäten zu planen wie Kino, Sauna oder Essen mit Freunden.

Stephan Wießler glaubt, dass man noch einen Schritt weitergehen muss. Der 36-Jährige ist ausgebildet in Techniken des "Neuro-Linguistischen Programmierens" (NLP), die sich auf Methoden zur Veränderung eingeschliffener psychischer Abläufe konzentrieren. Sein Rat: Montagsneurotiker müssen ihre "Opferrolle" ablegen.

"Die meisten Menschen stecken in ihrem Leben in einer unbewussten Opferrolle fest, die sich darin äußert, den Umständen oder seinen Mitmenschen automatisch die Schuld an der eigenen Stimmungslage zu geben", sagt Wießler. Der Montag verführe demnach besonders dazu, sich als Opfer zu fühlen, weil er derjenige Tag in der Woche ist, der zwei unangenehme Dinge kombiniert: das Herausreißen aus der Komfortzone des unbeschwerten Wochenendgefühls und die Konfrontation mit nervigen Chefs oder Kollegen.

Notfalls muss ein Jobwechsel her

Die Opferrolle sei zwar bequem, weil man nichts aktiv verändern müsse. Wer sie sich bewusst mache, merke aber, wie lästig sie sei - weil sie einen handlungsunfähig mache. "Wenn ich montags schlechtgelaunt in die Arbeit starte, weil ich weiß, der nervige Kollege könnte mich gleich wieder anblaffen, sollte ich Abstand zwischen ihm und mir schaffen", sagt Wießler.

Und das geht so: Zunächst solle man sich vornehmen, das Meckern nicht zu persönlich zu nehmen, schließlich ist der Kollege bestimmt persönlich frustriert. Gleichzeitig solle man annehmen, dass man selbst verantwortlich für seine Gefühle ist - sind sie negativ, werden sie ausgelöst durch ärgerliche Gedanken, die das Meckern des Kollegen bei einem bewirken. "Sie könnten sich aber auch für andere Gedanken und andere Gefühle entscheiden", rät Wießler. "Allein, indem Sie sich bewusst machen, dass nur Sie es in der Hand haben, wie Sie sich fühlen, haben Sie sich von der Opferrolle distanziert."

Wer gar nicht aus dem Montagsblues herauskommt, sollte ernsthaft über einen Jobwechsel nachdenken. So wie Christian. Der 41-Jährige, der ebenfalls lieber anonym bleiben will, ist Betriebsprüfer bei der Deutschen Rentenversicherung Westfalen und muss dafür sorgen, dass Firmen ihre Bücher richtig führen.

Er ist so unglücklich mit seinem undankbaren Job, dass der Übergang vom Wochenende auf den Wochenbeginn für ihn wie ein Wechsel zwischen zwei Dimensionen ist: "Ich habe Angst vor dem Montag, denn es gibt kaum ein Unternehmen, das mich nicht am liebsten sofort wieder rausschmeißen würde - weil ich wenige Unternehmen in Westfalen finde, die korrekt arbeiten", sagt Christian. Zudem stehe sein Arbeitgeber nicht hinter ihm. Über einen neuen Job denkt er daher ständig nach.

Nicht nur montags.

Zusammengefasst: Viele Menschen haben Angst vor dem Wochenbeginn. Sie schlafen schlecht in der Nacht auf Montag und haben überhaupt keine Lust auf die Arbeit. Grund ist der harte Übergang vom selbstbestimmten Wochenende in eine volle Arbeitswoche. Je nach Schwere der Montagsneurose raten Experten zu schönen Plänen für den Abend bis hin zum Jobwechsel.