Derrick Lin: Mit Miniaturfiguren zum Instagram-Star - DER SPIEGEL
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Fotoserie mit Miniaturfiguren: Rafting auf Papierstapeln

Foto: Derrick Lin

Büroalltag auf Instagram "Je mehr Stress, desto besser sind meine Fotos"

Miniaturen in der Mittagspause: Mit Handykamera, Lampe und Spielfigürchen bildet Derrick Lin seinen Agentur-Alltag ab. Mehr als 12.000 Menschen verfolgen die Fotoserie des Werbers.
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Zur Person
Foto: privat

Derrick Lin arbeitet als Senior Brand Strategist für die Werbeagentur Resource/Amirati in Columbus im US-Bundesstaat Ohio. Mehr als 12.000 Menschen haben seine Miniatur-Fotoserie auf Instagram abonniert.Derrick Lin auf Instagram Derrick Lin auf Tumblr 

KarriereSPIEGEL: Herr Lin, was sagt eigentlich Ihr Chef dazu, dass Sie bei der Arbeit mit Modellfigürchen spielen?

Lin: Meine Firma unterstützt meine Fotoserie. In unserer Werbeagentur wird Kreativität geschätzt, die Gründerin hat mir sogar gesagt, ich solle ruhig alle Räume unseres Büros zum Fotografieren nutzen. Auf die Idee bin ich überhaupt erst durch die Agentur gekommen: Im Herbst 2013 wurde anlässlich eines Firmenjubiläums ein interner Instagram-Fotowettbewerb ausgeschrieben. Miniaturen und winzige Details haben mich schon immer fasziniert, und mit den Figuren kann man wunderbar Emotionen ausdrücken. So habe ich das erste Foto geschossen, mit meinem iPhone, im Licht meiner Schreibtischlampe.

KarriereSPIEGEL: Haben Sie den Wettbewerb gewonnen?

Lin: Ja, als Preis gab es einen Gutschein für Starbucks.

KarriereSPIEGEL: Und danach konnten Sie einfach nicht mehr aufhören?

Lin: Meine Kollegen waren von Anfang an von der Idee begeistert. In der Werbe-Industrie vergeht jeder Tag schnell, häufig ist es stressig, da gibt es viele dieser kleinen Momente, die jeder Werber sofort wiedererkennt. Mit dem Start der Serie ist mir klargeworden, dass sich das nicht nur auf die Werbeindustrie beschränkt. Jeder, der in einem Büro arbeitet, kennt frustrierende oder stressige Situationen. Ich versuche, die amüsante Seite zu zeigen.

KarriereSPIEGEL: Sie arbeiten als Senior Brand Strategist. Das klingt nicht so, als ob Ihr Job viel mit Fotografieren zu tun hätte.

Lin: Nein, ich entwerfe Marketingstrategien für meine Kunden, hauptsächlich digital und mobil. Meine Arbeitstage verbringe ich vor allem mit Recherchieren und Schreiben und damit, Präsentationen vorzubereiten und vorzutragen. Meist betreue ich mehrere Klienten und renne von einem Meeting zum nächsten. Ich renne wirklich. Meine Kollegen rufen schon immer "Run Derrick Run!", wenn sie mich von Weitem sehen. Üblicherweise mache ich drei bis fünf Dienstreisen im Jahr, zu Kunden oder Konferenzen. Ein paar Figuren habe ich immer im Gepäck. So ist zum Beispiel eines meiner Lieblingsbilder entstanden: der Mann, der in New York ein Taxi rufen will.

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KarriereSPIEGEL: Wie viel Zeit stecken Sie denn in die Serie?

Lin: Angefangen habe ich damit, drei Monate lang jeden Tag ein Foto zu machen. Danach habe ich das Pensum etwas zurückgefahren. Meist schaffe ich mehrere Fotos pro Woche, je nachdem, wie meine Arbeit mir Zeit lässt. Ich nutze jede Pause für die Bilder. Oft ist die Bildunterschrift zuerst da. Dann überlege ich, wie ich das humorvoll in Szene setzen kann, und formuliere die Zeile zum Bild so um, dass sie nicht zu offensichtlich ist. Üblicherweise brauche ich 20 bis 30 Minuten für das Fotoshooting.

KarriereSPIEGEL: Mittlerweile sind fast 400 Fotos entstanden. Haben Sie keine Angst, dass Ihnen die Ideen ausgehen?

Lin: Ich habe mir ernsthaft darüber Sorgen gemacht, aber bislang ist mir immer etwas eingefallen. Manchmal kommen auch meine Kollegen mit Ideen zu mir. Sie helfen mir überhaupt viel, zum Beispiel bei der Suche nach Orten für Fotoshootings oder Requisiten. Viele volontieren auch als Models. Die Werbeindustrie ist ja für chaotische Zeitpläne und unvorhergesehene Ereignisse bekannt, mein stressiger Job ist deshalb meine Inspirationsquelle. Ich glaube, je gestresster ich bin, desto besser sind meine Fotos. Und sollte ich irgendwann mal keine Einfälle mehr haben, mache ich einfach davon ein Bild.

KarriereSPIEGEL: Ihr Büro muss ja schon wie ein Spielzimmer aussehen. Was machen Sie mit all den Figuren?

Lin: Über die Jahre habe ich 400 bis 500 Miniaturen aus Spielwaren- und Bastelläden gesammelt. Ich nutze sie als Fundus und setze sie immer wieder in unterschiedlichen Konstellationen ein. Es würde mir schwerfallen, mich von ihnen zu trennen.

Foto: Jeannette Corbeau

Das Interview führte KarriereSPIEGEL-Redakteurin Verena Töpper.

Foto: Beatrice Blank