Kochen, putzen, wickeln: Familienpfleger bringen Eltern auf Kurs
Familienpfleger Haushaltsfee im Noteinsatz
Angelika Brandenburg, 54, hat in ihrem Beruf schon viel erlebt. Kinder, die sich apathisch im Laufgitter vor- und zurückwiegen, und Haushalte voller Dreck. Jugendliche, die ihre Eltern anpöbeln, nachts auf der Straße leben oder morgens nicht aufstehen. Sie hat in Familien gearbeitet, in denen elf Kinder tobten und weinten. Derweil saß die Mutter unbeteiligt auf dem Sofa, schon wieder schwanger und viel zu erschöpft zum Streiten.
Beruf: Familienpflegerin. Angelika Brandenburg ist eine zierliche Frau mit blonden Haaren und spielt Feuerwehr - wenn es in Berliner Elternhäusern brennt. Sie kümmert sich um Kinder, wenn Mutter und Vater das nicht schaffen. Organisiert Hilfe, wenn der Pflegesohn die Schule schwänzt. Kocht, putzt, wäscht und fragt auch schon mal die Vokabeln ab, wenn das sonst keiner macht.
Arbeitsort: Familie. Angelika Brandenburg hat schon viele Wohnungen gesehen. Sie arbeitet bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Die schickt sie in Problemfamilien, die beim Jugendamt bekannt sind. Oft sind es Haushalte mit vielen Kindern, bei denen alles drunter und drüber geht. "Da braucht es viel Einfühlungsvermögen", sagt die erfahrene Haushaltsfee. Aber sie ist nicht nur in Brennpunkten unterwegs.
Auch Familien, in denen ein Elternteil schwer erkrankt ist, brauchen Brandenburgs Hilfe. Dann sorgt sie dafür, dass der Haushalt weiter läuft: Sie holt die Kinder von der Schule ab, bringt sie zum Ballett oder zum Fußball. Sie tut alles, damit das Familienleben in geregelten Bahnen läuft.
Familienleben kennt keine Ferien
"Familienpflegerinnen werden gesucht", sagt Claudia Beck vom Deutschen Caritasverband. Doch man solle den Beruf nicht unterschätzen, die Tätigkeit verlangt viel. Um sich immer wieder auf neue Familien einzustellen, sei Offenheit gefragt. Außerdem müssten Familienpfleger flexibel sein: Das Familienleben gehe schließlich auch am Wochenende weiter.
Beruf Hauswirtschafterin: Putzen in der Arbeitszeit
Und wie sieht die Berufsausbildung aus? In den meisten Ländern reicht ein Hauptschulabschluss. In Nordrhein-Westfalen kann man jedoch auch ohne Abschlusszeugnis in die Ausbildung einsteigen. Bedingung: Die Bewerber sind mindestens 26 Jahre alt und haben bereits sechs Jahre lang einen großen Haushalt geführt.
Die Auszubildenden sollen einen Eindruck von möglichst vielen Einsatzfeldern bekommen. "Deshalb wechseln sich in den ersten zwei Jahren die Unterrichtsblöcke in den Fachschulen mit mehrwöchigen Praktika ab", erklärt Tatjana Vogel. Die Lehrerin bei der Kaiserswerther Diakonie bildet in Düsseldorf angehenden Nachwuchs aus. Familienpfleger-Azubis hospitieren häufig in der Kinder- und Jugendhilfe oder in der Altenpflege.
Wenn sie nach zwei Jahren ihre staatliche Abschlussprüfung und anschließend ein Berufsanerkennungsjahr gemacht haben, sollen Familienpfleger alltagstauglich in drei Bereichen sein:
- Hauswirtschaft
- Säuglings, Kleinkinder- und Altenpflege
- Erziehung
Mit einem üppigen Lohn können die Fachkräfte nicht rechnen. Familienpfleger in Berlin verdienen zum Beispiel nur knapp über Mindestlohn - zwischen neun und zehn Euro brutto in der Stunde. Das kann allerdings von Bundesland zu Bundesland variieren.
Für Angelika Brandenburg sind die schönsten Momente die, wenn sie nach Jahren Eltern wieder trifft, die glücklich sind und in deren Familie alles rundläuft. "Dann sieht man, was man erreicht hat."