Aussteiger aus der Bank: Berufswechsler erzählen - DER SPIEGEL
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Banker machen Schluss: Raus aus dem Job!

Foto: Dagmar Stratenschulte

Bank-Aussteiger Geld zählen ist nicht alles

Geh zur Bank, da hast du's im Winter schön warm! Diesen Rat verflucht mancher Banker inzwischen und will nur noch eins: raus. Berufsberaterin Uta Glaubitz hat drei von ihnen bei ihrem Ausstieg begleitet - hinein in die Küche, hinters Pult oder aufs Wasser.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Zahl allein ist grausam: Seit Beginn der Finanzkrise haben weltweit über 300.000 Banker ihren Job verloren. Und es sollen noch mehr werden. Zwar schwanken die Zahlen, fest aber steht: So sicher, wie man dachte, sind Bankerjobs eben doch nicht. Tempi passati.

Natürlich müssen die Ex-Banker nicht unter der Brücke schlafen. Manche flüchten beispielsweise in die Finanzabteilung eines Konzerns. Andere fragen sich: Was, wenn ich die Krise als Anlass nähme, noch einmal neu zu denken? Bin ich überhaupt zufrieden mit dem, was ich tue? Oder betrachte ich mein Gehalt eher als Schmerzensgeld? Könnte ich in einem anderen Beruf vielleicht glücklicher sein?

Ein Berufswechsel ist eine anstrengende, langwierige Sache. Auch ein Berufsberater sieht erst nach Jahren, ob ein Plan aufgegangen ist oder nicht. Zeit also, drei Ex-Banker zu fragen, die mitten im Leben ihren Beruf gewechselt haben: Sebastian Draack aus Hamburg, Andreas Dürr aus Berlin und Susan Landthaler aus Jena - alle mit Kindern und alle heute mit neuem Job.

  • Die Lehrerin

Susan Landthaler war nach der Wende in eine Bankkarriere geschlittert. Sie war Kundenberaterin, spezialisiert auf Immobilienfinanzierung. "Das hat meine Allgemeinbildung ganz schön geschult. Ich musste ständig mit meinen Kunden über alles Mögliche reden, nicht nur übers Geld", sagt sie.

Und das kam ihr zugute. Landthaler buddelte ihren alten Traum wieder aus und schrieb sich mit 39 Jahren für Deutsch und Geschichte auf Lehramt an der Universität Jena ein. In der Bank hatte sie Lehrlinge ausgebildet, das erkannte man ihr als Unterrichtspraktikum an.

Die ersten vier Semester brauchte Landthaler fürs große Latinum. Dazu kamen Literaturwissenschaft, Phonetik, Grammatik, Antike, Mittelalter, neue Geschichte, Fachdidaktik und pädagogische Psychologie. Ihre Noten liegen fast alle im Einserbereich.

In der ersten Hälfte dieses Jahres ging es ins Praxissemester an eine Gesamtschule. Gerade der Umgang mit "schwierigen Schülern" fällt ihr manchmal leichter als den jüngeren Kollegen: "Ich bin einfach gelassener, kann aber auch klare Ansagen machen." Ihr zwölfjähriger Sohn hat von sich aus eine vorübergehende Taschengeldreduzierung angeboten. Sein eigener Berufswunsch für die Zukunft ist "vielleicht Koch".

  • Der Koch

Auch Sebastian Draack, Angestellter der Hamburger Sparkasse, träumte von einem Job als Koch. Aber nicht irgendwo, eigentlich kam nur das Louis C. Jacob in Frage, eine der feinsten Hamburger Adressen mit 17 Punkten im Gault Millau und zwei Michelinsternen.

Draack gab seine Bewerbung nach dem Essen beim Kellner ab. Umgehend wurde der damals knapp 30-Jährige zum Probearbeiten eingeladen. Und er bekam den Job. Das bedeutet: 60 Stunden-Woche, manchmal zehn Tage am Stück durcharbeiten. Und den ganzen Tag in der Küche hin- und herlaufen. Seine ehemaligen Kollegen hielten ihn für verrückt. "Aber mir macht es Spaß", sagt Draack. "Nach dem Kochen weiß ich, was ich gemacht habe: Wie viele Portionen habe ich gekocht, und wie hat's den Gästen geschmeckt. Das ist ein ganz anderes Lebensgefühl als in der Bank."

Draack konnte seine Ausbildung verkürzen, in diesem Sommer hat er abgeschlossen, schriftlich mit einer Eins, praktisch mit einer Zwei. Obwohl er zwischendurch auch noch Vater geworden ist. Jetzt ist er gerade in Elternzeit und kocht jeden Tag zu Hause.

  • Der Sportveranstalter

Andreas Dürr fand das ständige Sitzen am Schreibtisch anstrengender als Sport zu machen. Er war früher Leistungssportler im Ruderkader der DDR gewesen. Nach der Wende wurde er Banker bei der Hypovereinsbank. Seine Karriere lief gut, bis er sich mit 35 Jahren entschloss, eine eigene Sportagentur zu gründen.

Seinem Hobby folgend begann er mit Drachenbootrennen für Unternehmen, unterstütze damit Events zu Teambuilding, Kommunikation oder Führungskräfteentwicklung. Später kamen Bogenschießen, Floßbau und Stadtralleys dazu. Zu seinen Kunden gehören heute die Bayer AG, Sony, T-Mobile und Rolls-Royce.

In diesem Jahr betreut Dürr mit seiner Agentur starke-teams.com etwa 80 Veranstaltungen. Während der ersten Jahre arbeitete er Vollzeit in der Bank weiter. Später reduzierte er Schritt für Schritt seine Arbeitszeit, bis der dreifache Vater mit Anfang 40 zum Vollzeitsportveranstalter wurde. "Am Ende ist man am besten in dem, was man am liebsten macht." Das hätte eine Berufsberaterin nicht schöner sagen können.