Pilot der WM-Elf: Berlin, Berlin, wir fliegen nach Berlin!
Siegerflieger-Pilot "Solche Flüge sind Chefsache"
KarriereSPIEGEL: Herr Strohdeicher, vor einem Monat haben Sie die Nationalelf nach dem WM-Sieg von Brasilien nach Berlin geflogen, Millionen Deutsche schauten auf Ihr Flugzeug. Haben Sie sich von der Aufregung mittlerweile erholt?
Strohdeicher: Das war ein tolles Erlebnis, aber aufgeregt waren wir nicht. Der Alltag hat uns schnell wieder eingeholt.
KarriereSPIEGEL: Wie bitte? Sie waren nicht nervös?
Strohdeicher: Das wäre in meinem Beruf schlecht. Aber die Anspannung ist bei einem VVIP-Kunden (Very Very Important Person - d. Red.) schon größer als bei normalen Passagierflügen. Und dann auch noch das Nationalteam nach dem WM-Sieg - da ist der Druck bei allen Beteiligten groß. Vor allem, nachdem wir beim Start zwei Stunden Verspätung hatten.
KarriereSPIEGEL: Was war passiert?
Strohdeicher: Der Kollege vom Flughafen, der das Gepäckförderband steuerte, hat in der Aufregung offenbar Gas- und Bremspedal verwechselt und die Unterseite des Rumpfs erwischt. Kurz vor dem Start kam unser Stationsmechaniker zu mir mit den Worten 'Captain, we've got a problem'. Im Endeffekt war's nur ein Kratzer im Lack, aber das muss natürlich erst mal untersucht werden.
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KarriereSPIEGEL: Wie haben Sie das Ihren Passagieren beigebracht?
Strohdeicher: Ich dachte nur: 'Wie sag ich's ihnen?'. Der große Empfang in Berlin stand an, es war ja alles auf die Minute durchgetaktet. Vor allem die Organisatoren standen unter Druck. Ich habe ihnen über Lautsprecher erklärt, was passiert ist. Es hat sich keiner beschwert. Letztlich konnte ich die Verspätung auf eine Stunde reduzieren. Mehr war nicht drin.
KarriereSPIEGEL: Und während des Flugs war Party angesagt?
Strohdeicher: Im Gegenteil, die Spieler waren alle müde, so eine ruhige Mannschaft erlebt man wohl selten. Sie haben ja schon am Abend vorher gefeiert. Man merkte, dass die Anspannung so langsam abfiel und sie die Ruhe genossen haben.
KarriereSPIEGEL: Einige Spieler haben Fotos mit Ihnen getwittert. Wie kam's?
Strohdeicher: Wir haben ihnen angeboten, sich das Cockpit anzuschauen. Einige Spieler kamen dann auch, wie Manuel Neuer oder Jérôme Boateng .
KarriereSPIEGEL: Joachim Löw auch?
Strohdeicher: Ja. Seine Frau hatte mir auf dem Hinflug gesagt, dass er flugbegeistert ist. Ich schlug ihm vor, bei Start und Landung im Cockpit dabei zu sein. Später kam er mit dem Pokal nach vorn, um sich zu bedanken.
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KarriereSPIEGEL: Vor der Landung in Berlin Tegel haben Sie einen Abstecher zur Fanmeile gemacht und über der wartenden Menge mit den Flügeln gewackelt. War das Ihre Idee?
Strohdeicher: Ja, ich habe mir das zusammen mit den Co-Piloten beim Frühstück überlegt. Das brauchte ein bisschen Vorbereitung, weil über dem Regierungsviertel Flugverbot herrscht. Wir haben das OK aber während des Fluges bekommen. Da war noch mal höchste Konzentration angesagt.
KarriereSPIEGEL: Inwiefern?
Strohdeicher: Von oben muss man erst mal die richtige Stelle finden. Der Lotse in Tegel hat uns zwar die grobe Richtung vorgegeben. Der Rest lief aber auf Sicht, das heißt, wir haben uns am Tiergarten und der Straße des 17. Juni orientiert. Wir hatten nur einen Versuch, für mehr war keine Zeit. Aber letztlich hat ja alles wunderbar geklappt.
KarriereSPIEGEL: Um Ihren Job, die Nationalelf nach dem WM-Sieg nach Hause zu fliegen, haben Sie wohl Tausende Piloten beneidet. Warum fiel die Wahl auf Sie?
Strohdeicher: Ich bin Flugbetriebsleiter bei Lufthansa. Und solche Flüge sind Chefsache, weil sie organisatorisch weit über einen normalen Passagierflug hinausgehen. Ich habe das Team schon mal zu einem Qualifikationsspiel geflogen, aber das hat das Ganze natürlich noch mal getoppt. Das war einmalig.
KarriereSPIEGEL: Werden Sie von Kollegen oder Passagieren auf den Siegerflieger-Einsatz angesprochen?
Strohdeicher: Von Passagieren nicht, eher im privaten Bereich, von Schulfreunden oder dem Handwerker. Die Frage 'Wäschst du dir noch die Hände, nachdem du den Pokal in den Händen hattest?' habe ich anfangs schon das eine oder andere Mal gehört. Aber das hat sich mittlerweile wieder gelegt.
KarriereSPIEGEL: Auf der WM-Maschine stand "Siegerflieger". Da muss jemand nach dem Finale eilig dekoriert haben.
Strohdeicher: Ja, wir hatten den Foliensatz und sechs Mechaniker dabei, die sich gleich nach dem Finale an die Arbeit gemacht haben. Das sauber und gerade hinzukriegen, ist mehr Aufwand als man denkt.
KarriereSPIEGEL: Was hätte da gestanden, wenn Deutschland verloren hätte?
Strohdeicher: 'Danke, Jungs!'.