Jobdoppel Schneeräumer und Beschneier als Beruf - DER SPIEGEL
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Schneeräumer vs. Schneemacher Her mit den Flocken, weg damit

Weiße Pracht oder lästiger grauer Matsch? Was Skifahrer sich herbeisehnen, wird für Autofahrer schnell gefährlich. Helmut Gamm und Daniel Guntermann kümmern sich beide um Schnee. Der eine stellt ihn her, der andere räumt ihn weg. Bei Wintersportlern sind beide beliebt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Helmut Gamm und Daniel Guntermann arbeiten beide in Winterberg, einem Wintersportort im Hochsauerland. Beide hantieren mit Schnee, haben aber eine völlig konträre Mission: Während Gamm mit 60 Geräten weiße Flocken herauspustet, rückt Guntermann ihnen am liebsten mit Salz und Räumfahrzeug zu Leibe.

Helmut Gamm ist der Schneemacher: Er sorgt dafür, dass Schnee auf den Pisten liegt

Helmut Gamm ist der Schneemacher: Er sorgt dafür, dass Schnee auf den Pisten liegt

  • Schneemacher Helmut Gamm, 49: "Trocken oder feucht - wie hätten Sie's denn gerne?"
"Ich arbeite im Skiliftkarussell Winterberg. Sobald es kalt ist, machen wir Schnee. Für die Grundbeschneiung der Pisten am Anfang des Winters brauchen wir ungefähr eine Woche. Danach beschneien wir nur noch an einzelnen Tagen, je nach Bedarf, zum Beispiel nach einer Tauphase. Die Schneeherstellung läuft vor allem nachts, so von 17 Uhr abends bis 8 Uhr morgens, wenn keine Skifahrer auf den Pisten sind. Normalerweise kümmern wir uns zu zweit um die Beschneiung und die Aufsicht der Lifte. Wenn gerade viel Arbeit ansteht, kommen noch Aushilfen hinzu.

Wir haben hier 30 Schneekanonen und 30 Schneelanzen. Mit beiden Geräten blasen wir ein Luft-Wasser-Gemisch raus, das fein zerstäubt wird und kristallisiert. Der Unterschied: Bei den Schneekanonen kann man wie bei einem Ventilator die Richtung einstellen, bei den Schneelanzen wird der Schnee in zehn Meter Höhe in die Luft gesprüht, da man hat keinen Einfluss auf die Richtung. Deshalb stellen wir die bei starkem Wind ab.

Fotostrecke

Schneehersteller: Neun Stufen für weiße Flocken

Foto: Ferienwelt Winterberg

Ansonsten kommt es bei der Schneeherstellung auf zwei Dinge an: die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit. Trockenen Schnee können wir nur bei trockener Luft machen, meist bei minus fünf bis minus acht Grad. Bei minus zwei oder minus drei Grad ist der Schnee nass, was nicht so optimal für die Pisten ist. Am effektivsten sind minus zehn Grad.

An den Schneeerzeugern lassen sich neun Parameter einstellen, von eins, 'sehr trocken', bis neun, 'sehr feucht'. Die Maschinen messen Temperatur und Luftfeuchtigkeit und geben den optimalen Schneeparameter gleich an. Gesteuert werden sie über ein Display. Verteilt wird der Schnee dann mit Schneeraupen. Das machen aber andere Kollegen, die für die Präparierung der Pisten zuständig sind.

Ich mache seit zehn Jahren Schnee. Davor habe ich 20 Jahre lang als Heizungs- und Lüftungsbauer gearbeitet, war oft auf Montage. Mein jetziger Chef hat mich mal nach einem Tag auf der Piste angesprochen. So zu einem Job zu kommen, ist hier nicht ungewöhnlich, im Ort kennt man sich eben.

Mir gefällt die Arbeit hier, weil ich mit vielen Leuten ins Gespräch komme. Die Skifahrer haben ja Zeit. Außerdem bin ich gerne draußen, ich könnte nicht in der Fabrik stehen oder im Büro sitzen. Klar, manchmal ist es schweinekalt. Da hilft es, Hände und Gesicht mit Fettcreme einzuschmieren und in Bewegung zu bleiben.

Ich mag Schnee einfach, auch weil ich damit groß geworden bin. Ich komme hier aus der Gegend, und Ski fahre ich, seit ich klein bin. Inzwischen komme ich leider nicht mehr so oft dazu, weil im Winter eben etwas mehr Arbeit ansteht als im Sommer. Aber auch dann gibt es etwas zu tun: Die Schneeerzeuger, Sesselbahnen und Lifte müssen gewartet und repariert werden, damit alles läuft, wenn es wieder kalt wird."

Schneeräumer Daniel Guntermann, 36: "Ich bin kein Wintersporttyp"

Daniel Guntermann räumt den Schnee weg: "Alle sind froh, den Räumdienst zu sehen."

Daniel Guntermann räumt den Schnee weg: "Alle sind froh, den Räumdienst zu sehen."

Foto: Alexander Vonnahme

"Ich bin für die Stadt Winterberg als Kraftfahrer tätig, das heißt, im Sommer fahre ich die Kehrmaschine und im Winter das Räumfahrzeug. Wenn ich Bereitschaftsdienst habe, stehe ich um 2.30 Uhr auf, schaue mir die Wetterlage an, kontrolliere die Straßen und entscheide dann, was zu tun ist. Glatteis bekommt man oft allein in den Griff. Da fahre ich dann eine Runde mit dem Streufahrzeug durch meinen Bezirk, die Kernstadt. Das gilt auch bei wenig Schnee.

Es müssen schon ein paar Zentimeter liegen, damit sich das auch wegschieben lässt. Schneit es richtig, brauche ich Unterstützung und rufe die Kollegen an. Wenn es ganz heftig kommt, holen wir noch freie Unternehmer hinzu. Meist sind das Land- und Forstwirte, die einen Schneepflug vor ihre Traktoren spannen.

Weil Feuerwehr, Krankenhaus und Polizei auch in Notfällen erreichbar sein müssen, räume und streue ich diese Zufahrten zuerst. Auch sonst werden Prioritäten gesetzt. Die wichtigen öffentlichen Gebäude wie die Schulen und das Rathaus haben Vorrang, ebenso Hauptstraßen, Busrouten und Gefällestrecken. Hier sind wir öfter und auch intensiver im Einsatz. Wir streuen mehr Salz, um das Tauen zu beschleunigen. Wir haben immer beides dabei: den Schneepflug vorne, das Streugerät hinten, auch für den Gewichtsausgleich.

Überstunden feiere ich im Sommer ab

Ich fahre nicht immer die gleiche Route. Da muss man variabel sein, je nachdem, wie viel Schnee liegt. Wenn es stark schneit, räume ich wichtige Straßen manchmal schon das zweite Mal, bevor ich überhaupt woanders hinkomme. In meinem Räumbezirk kenne ich jede Straße und jedes Haus. Ich mache das seit zwölf Jahren, da weiß man, welche Leute frühmorgens schon vor ihrem Haus geschippt haben. Ich versuche aufzupassen, dass ich denen nicht wieder zu viel Schnee hinschiebe. Da muss man Fingerspitzengefühl haben, aber immer geht das eben nicht.

Ich erinnere mich an eine Nacht, in der 50 Zentimeter Neuschnee fielen. Das hat man selten und deshalb war es auch nicht einfach, die Situation in den Griff zu kriegen. Aber an diesem Tag waren alle froh, den Räumdienst zu sehen!

Meine Arbeitszeiten im Winter sind sehr unregelmäßig, je nach Wetter. Mehr als die Hälfte der Zeit sitze ich aber auf jeden Fall im Räumfahrzeug. Die Überstunden feiere ich dann im Sommer wieder ab. Wenn es viel regnet, so wie in diesem Winter über Weihnachten und bis in den Januar hinein, übernehme ich auch andere Aufgaben und helfe zum Beispiel bei der Landschaftspflege im Baumschnitt.

Wenn es schneit, habe ich gemischte Gefühle. Da gibt's schon Tage, an denen es einem zu viel wird, weil man wenig Schlaf abkriegt und selbst an Wochenenden manchmal kaum seine Familie sieht. Andererseits lebe ich in einer Region, die touristisch vom Winter abhängig ist, da ist der Schnee auch wichtig. Ich selbst bin kein Wintersporttyp. Ich gehe im Sommer lieber zum Schwimmen an den See."

Beschneier und Schneeräumer - die beiden Jobs im Überblick

Beschneier Schneeräumer
Darum geht es:

Schnee für die Skipisten herstellen und die Lifte betreuen.
Darum geht es:

Verkehrssicherung, das heißt, die Straßen freiräumen, um Unfälle zu vermeiden.
Arbeitsplatz:

Draußen, auf der Piste und bei den Sesselbahnen.
Arbeitsplatz:

Im Räumfahrzeug. Es gibt aber auch Kollegen, die mit Schaufel und Salz Treppen und Gehwege von Hand freiräumen.
Typische Aufgaben:

Gucken, dass alles läuft und genügend Schnee auf den Pisten liegt.
Typische Aufgaben:

Bereitschaft haben. Straßen räumen und salzen.
Ist nichts für Leute, die...

...gerne drinnen sind, also Stubenhocker. Man muss schon ziemlich robust sein.
Ist nichts für Leute, die...

...gerne ausschlafen. Mit der Nachtarbeit muss man klarkommen.
Das Schöne am Beruf:

Die Abwechslung. Der Beruf hat eine technische Seite, aber man ist auch viel mit Menschen in Kontakt.
Das Schöne am Beruf:

Wenn sich die Leute freuen, weil der Räumdienst kommt.
Schattenseiten

Manchmal ist es schweinekalt. Da hilft es nur noch, Hände und Gesicht mit Fettcreme einzuschmieren und in Bewegung zu bleiben.
Schattenseiten

Nachtschichten, Rufbereitschaft und damit weniger Zeit bei der Familie im Winter.
So wird man es:

Auf den Skipisten und an den Liften arbeiten Quereinsteiger, die oft eine technische Ausbildung mitbringen.
So wird man es:

Manche Städte, Gemeinden und Landkreise bilden aus, zum Beispiel im Garten- und Landschaftsbau, weil das im Sommer eine der Haupttätigkeiten ist, oder zum Straßenwärter. Es gibt aber auch Quereinsteiger, die meist eine handwerkliche Ausbildung mitbringen.
Das müssen Bewerber mitbringen:

Technisches Verständnis. Und sie müssen gerne draußen sein.
Das müssen Bewerber mitbringen:

Den Führerschein und Teamfähigkeit, schließlich muss man sich auf seine Kollegen verlassen können.
Durchschnittliches Monatsgehalt (brutto):

Variiert je nach Einsatzzeit und Pistenbetreiber.
Durchschnittliches Monatsgehalt (brutto):

Nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes. Die Einstufung ist unter anderem abhängig von der Ausbildung und der Arbeitserfahrung.