Praktikum bei der IG Metall - DER SPIEGEL
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Gewerkschaftspraktikum: In der Arena der Politik

Foto: Christian von Polentz

Junge Gewerkschafterin Papa legt auf, wenn sie von der Arbeit redet

Für die Metaller-Gewerkschaft hüpft Conny im Gladiatorenkostüm über Berlins Straßen. Selbstverständlich ist das nicht: Conny hat Soziologie studiert, ihr Vater ist Bäcker. Trotzdem träumt die Praktikantin von einem Job bei der IG Metall.
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Das kurze Kleidchen der römischen Kämpferin weht im Wind, ihr Gesicht ist großflächig rot-weiß geschminkt. Zusammen mit zwei anderen Gladiatoren führt sie einen lautstarken Trupp von Jugendlichen an: "Wir stehen zusammen und machen richtig Stress!" So marschieren sie auf den Pariser Platz. Sie fordern eine gerechte Arbeitsmarktpolitik, im Namen der IG Metall.

Das Mädchen im Gladiatorenkleid heißt Conny*, 28. Sie absolviert ein Praktikum bei der IG-Metall-Jugend in Berlin. Dafür ist sie von ihrem Studienort Erlangen nach Berlin gezogen, lebt für ein Vierteljahr von 300 Euro monatlich. Mal schlüpft sie in ein römisches Kampfkostüm, mal in einen hautengen Ganzkörperanzug, verteilt Flyer und diskutiert mit Auszubildenden über ihre Rechte.

Früher hat sich Conny nie politisch engagiert: "Es hat lange gedauert, bis ich eine Institution gefunden habe, mit der ich mich identifizieren konnte", erklärt sie. Die Idee, ausgerechnet für die Gewerkschaft der Metall- und Elektroindustrie zu arbeiten, kam ihr zum Ende des Soziologie- und Wirtschaftsstudiums, bei Seminaren zur Arbeitsmarktpolitik. Sie selbst hat nie in der Branche gearbeitet. Aber in ihrer Abschlussarbeit widmete sie sich den Bedingungen von Leiharbeitern in einem schwäbischen Metallunternehmen. "Da wurde mir klar, dass man als Arbeiter ohne die Hilfe einer Gewerkschaft ein machtloser Einzelkämpfer ist."

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Dass die Gewerkschaft heute vielen als schwerfälliger Funktionärsapparat gilt, der nicht selten wichtige Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt blockiert, kann Conny nicht verstehen. Sie blüht hier auf: Das Miteinander der "Metaller", die Bildungsveranstaltungen in Betrieben und an Hochschulen, die bunten Aktionen am Brandenburger Tor oder am Willy-Brandt-Haus - das alles hat sie überzeugt. "Die Gewerkschaft ist der einzige Ort, an dem Arbeitnehmer zusammen diskutieren und für ihre Rechte kämpfen können", sagt sie.

Trotz ihrer Begeisterung: Unter ihren Freunden fällt Conny die Mitgliederwerbung schwer. Die meisten kommen aus völlig anderen Branchen, viele sind schlicht zufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen.

Arbeitgeberflügel in der Familie

Ein Verhandlungspartner hat sich für Conny bisher als besonders hart erwiesen: ihr Vater. Seit 15 Jahren führt er im Ulmer Umland einen Bäckereibetrieb mit 15 Mitarbeitern. Ihm machen viele Regelungen zu schaffen, die Gewerkschaften durchgesetzt haben. Seit sich seine Tochter für höhere Löhne und Festanstellungen einsetzt, legt der Bäcker bei hitzigen Diskussionen mit ihr manchmal einfach den Telefonhörer auf. "Er sagt, ich soll mit meinem sozialen Gerede aufhören", schmunzelt Conny. Ihre Mutter ist wenig überrascht, schon in den Schulzeugnissen sei der ausgeprägte Gerechtigkeitssinn der Tochter hervorgehoben worden.

Dass sie sich trotz ihrer Herkunft im Backgewerbe für die Metaller-Gewerkschaft interessiert, hat auch mit den eigenen Perspektiven zu tun. "Jede Gewerkschaft leistet unverzichtbare Arbeit", erklärt Conny, "aber die IG Metall war mir aus meiner Abschlussarbeit vertraut. Zudem bietet sie sehr gute Berufschancen für Einsteiger." Gerade hat sie sich für das zwölfmonatige Trainee-Programm der IG Metall beworben. "Die Ausbildung wird auf jeden individuell zugeschnitten", erklärt die Studentin, "und gut bezahlt ist sie auch."

Es wird schwer, sich gegen die anderen Bewerber durchzusetzen: Viele sind schon lange Gewerkschaftsmitglied oder kommen direkt aus einem Betrieb. An Alternativen mag sie gar nicht denken. "Solange es für einen guten Zweck ist, könnte ich mir vorstellen, für einen Verband oder eine Organisation zu arbeiten", erklärt sie. "In der freien Wirtschaft habe ich mit einem Gewerkschaftshintergrund keine Chance mehr." Vorsichtshalber möchte sie ihren Nachnamen nicht in den Medien lesen.

Am letzten Praktikumstag bringt Conny Pralinen und Lebkuchen für die Kollegen mit. Sie stammen aus der Bäckerei ihres Vaters. Kaffee gibt es aus roten Kannen mit IG-Metall-Logo.

*Name geändert.

Foto: Mikko Kromm

KarriereSPIEGEL-Autorin Madeleine Hofmann arbeitet als freie Journalistin in Berlin.