Denkmalteschnische Assistenten vermessen und erhalten alte Häuser - DER SPIEGEL
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Denkmaltechnische Assistenten: Ton, Steine, Scherben

Foto: TMN

Denkmalpfleger Herr der Bruchbuden

Sie haben keine Angst vor Schmutz und erkennen im Dachwinkel alter Häuser eine ganze Kunstepoche: Denkmaltechnische Assistenten retten Bauwerke mit Bleistift, Zollstock und Laser. Nach der Ausbildung gehen sie mit anderen Augen durch die Stadt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn Danny Koch durch die Straßen läuft, fallen ihm vor allem Schäden auf. An Fassaden zum Beispiel. Aber auch auf Fenster- und Dachformen oder bestimmte Bauelemente achtet er. "Ich gehe mit anderen Augen durch die Stadt", sagt er. Koch ist 22 Jahre alt und im zweiten Ausbildungsjahr zum denkmaltechnischen Assistenten.

In seinem Job zieht er mit Laser, Prisma und Zollstock los, um historische Gebäude zu erfassen und die Messungen anschließend in den Computer einzugeben. Bis ins Detail vermisst und zeichnet er Häuser: Winkel, Fenster, manchmal sogar die einzelnen Backsteine einer Fassade. So kann er den Zustand der Gebäude genau dokumentieren.

Die Ausbildung dauert drei Jahre, deutschlandweit bieten zwei Schulen die Ausbildung an. An einer von ihnen, dem Soester Börde-Berufskolleg, wurde der Abschluss vor zwei Jahren in "Bautechnischer Assistent mit Schwerpunkt Denkmalpflege" umbenannt. An den Inhalten und der Bedeutung der Ausbildung habe das aber nichts geändert, sagt Dieter Freialdenhoven, der die Ausbildung leitet. "Gerade in den vergangenen Jahren ist der Beruf immer wichtiger geworden."

Technikersprache-Quiz

Grund sei die Verdichtung der Innenstädte und der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum. Historische Häuser werden neu genutzt, Kasernen werden zu Wohnhäusern, ehemalige Verwaltungsgebäude zu Universitäten. "Umnutzung ist nicht nur ökologisch besser, sondern oft auch billiger als Neubau", erklärt Freialdenhoven.

Höhenangst dürfen Bewerber nicht haben

Hinzu kommt der demografische Wandel: Viele Wohnungen werden in den kommenden Jahren ihre alteingesessenen Mieter verlieren. Jüngere Bewohner rücken nach, die eigene Vorstellungen von Architektur haben und die alten Wohnungen umgestalten möchten - da kommen die denkmaltechnischen Assistenten ins Spiel.

Nach ihrem Abschluss landen sie oft in Architektur- oder Ingenieurbüros, aber auch in Denkmal- und Kirchenbauämtern. Andere studieren nach der Ausbildung, zum Beispiel Architektur oder Bauingenieurwesen, denn mit dem Abschluss erhält man die Fachhochschulreife. "Die Ausbildung ist besonders breit angelegt", sagt Christiane Mertag, Fachleiterin für die Ausbildung der denkmaltechnischen Assistenten in Berlin.

Schmutzfest und schwindelfrei

Die Schule hat eigene Werkstätten, in denen die Azubis Stuckelemente aus Gips formen und Wände aus Lehm bauen. "Wir wollen die Schüler für die Schönheit und den Erhalt der Gebäude sensibilisieren", sagt Mertag.

Wer sich für die Ausbildung bewerben möchte, braucht die mittlere Reife. Technisches Verständnis ist eine wichtige Voraussetzung. Außerdem dürfen Bewerber keine Höhenangst haben, weil sie auf Gerüste steigen müssen. Auch Menschen mit Scheu vor Staub oder Schmutz sind hier fehl am Platz.

Um in den Plänen Gebäude zu erkennen, braucht man zudem ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen: "Auch künstlerisches Geschick ist wichtig", sagt Koch. Er selbst hat sich in der Schule mit Mathe schwergetan, dafür gern gezeichnet. Der Bleistift ist heute sein Arbeitsgerät und ständiger Begleiter.

Wie es nach der Ausbildung weitergeht, weiß Koch noch nicht. Vielleicht sucht er sich direkt einen Job, vielleicht wird er doch noch studieren: Architektur oder Bautechnik - wer weiß.

Johanna Fischer, dpa/ant/jon