Bürstenmacherin: - DER SPIEGEL
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Bürstenmacherin: Fesche Feger für die Welt

Foto: Waltraud Grubitzsch/ dpa

Bürstenmacherin Von wegen alter Besen

Ob Staub auf dem Schrank oder Krümel in der Tastatur - Ursula Römer hat für jede Lebenslage das richtige Handwerkszeug. Die 73-Jährige ist eine der letzten Bürstenmacherinnen. Ihre Werke aus Ziegenhaar oder Schweineborsten sind auch in New York gefragt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Für ihre Kunden hält Ursula Römer, 73, ein Gästebuch parat. Jeder, der bei ihr eine Bürste kauft, soll sich dort eintragen. Ein Pfarrer aus Indien hat schon mehrmals unterschrieben, ein Journalist der "New York Times", Touristen aus Japan und Skandinavien, sogar der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog hat einen Gruß hinterlassen. Römer ist einer der wenigen Menschen, die in Deutschland noch Bürsten von Hand herstellen. "Ich will das Alte bewahren, wie es meine Vorfahren gemacht haben", sagt sie.

Das urige Geschäft auf der Flaniermeile zum Naumburger Dom ist 128 Jahren alt. Ihr Großvater hat es eröffnet. Auch die großen Vitrinen, in denen Bürsten in allen möglichen Größen und Formen liegen, stammen noch von ihm. Ein bisschen wie im Museum sieht es aus. "Nein, nein, machen Sie auf! Probieren Sie die Bürsten ruhig aus", fordert Ursula Römer eine potentielle Kundin auf, die unschlüssig vor den Glasscheiben steht.

Vom Schrubber aus Wildschweinborsten über die Holzzahnbürste bis zum Staubwedel aus Ziegenhaar hat Römer alles im Angebot. "Man muss sich immer etwas Neues einfallen lassen", sagt sie. So hat sie zum Beispiel eine Computerbürste kreiert, mit der man Krümel aus der Tastatur fegen kann.

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Pinselmacher: Dicke Borsten für feine Striche

Foto: Daniel Karmann/ dpa

Ihr Handwerk gelernt hat Römer bei ihrem Vater. Er hat ihr gezeigt, wie man mit der "Bündelabteilmaschine" umgeht und die richtige Menge Borsten zusammenpackt, wie man sie auf die richtige Länge schneidet und an dem sogenannten Besendeckel befestigt. Bis kurz vor seinem Tod mit 99 Jahren stand Kurt Steinbrück noch selbst im Geschäft. So will es seine Tochter auch machen: "Ich bleibe meiner Kundschaft treu."

Mit einer geschickten Handbewegung zieht sie eine Drahtschlaufe durch ein Loch im Holzscheit. In das entstandene Öhr legt sie ein kleines Bündel dunkler Schweineborsten und zieht die Schlaufe fest. Sieben Euro wird die Kleiderbürste später kosten. Vielen ist das zu teuer. Ihr Handwerk werde geschätzt, sagt sie, aber am Ende würden viele doch auf die günstigere Variante aus dem Kaufhaus ausweichen.

Auch deshalb gibt es nur noch wenige Bürstenmacher in Deutschland. Römer macht sich nichts vor: "Es ist ein aussterbender Beruf." In Mittelfranken gibt es sogar schon ein Pinsel- und Bürstenmuseum, um an das Handwerk zu erinnern. Wie es mit ihrem Laden weitergeht, wenn sie nicht mehr kann, weiß Ursula Römer noch nicht. Sie hat einen Angestellten - den Partner ihrer Tochter. Vielleicht wird er das Geschäft übernehmen.

Romina Kempt/dpa/vet