Burnout: Woran Sie erkennen, dass Sie ein Workaholic sind - DER SPIEGEL
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Workaholics "Lassen Sie uns ein bisschen langsamer sein"

Sie schuften mindestens 60 Stunden die Woche, Sie sind immer erreichbar und Sie glauben, dass Lunch was für Loser ist? Dann haben Sie diesen Samstag einen Grund zu feiern: den Tag des Workaholic.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Zur Person
Foto: Jörg Simanowski

Ilona Bürgel promovierte zum "Autobiographischen Gedächtnis". Sie arbeitete 15 Jahre im Management der freien Wirtschaft. Dabei war sie eine der ersten Frauen in Führungspositionen im Anwaltsbereich. Als Spezialistin für den Wirtschaftsfaktor Wohlbefinden führt die Psychologin, Referentin und Autorin heute ihr eigenes Unternehmen in Dresden.

KarriereSPIEGEL: Frau Bürgel, wie sollten wir an diesem Samstag den "Tag des Workaholic" standesgemäß begehen?

Ilona Bürgel: Tun Sie etwas anderes, als Sie normalerweise tun würden. Leider sind selbst samstags viele im Stress: Da müssen das Altglas weggebracht, der Einkauf erledigt, die Wohnung geputzt, der Rasen gemäht werden, und das alles am besten vor 14 Uhr. Lassen Sie uns am Samstag alle ein bisschen langsamer sein.

KarriereSPIEGEL: Ist der Workaholic als Begriff nicht etwas aus der Mode gekommen und inzwischen vom Burn-out abgelöst?

Ilona Bürgel: Das Wort wird weniger gebraucht, aber das Phänomen ist noch da: Menschen überlasten sich. Das Burn-out stellt das Ende des Prozesses dar, in dem ein Workaholic steckt. Gemeinsam ist beiden: Die Betroffenen kennen keine Grenzen mehr, die Belastung wird zu viel.

KarriereSPIEGEL: Workaholic ist ja eine Wortschöpfung aus Work und Alcoholic. Ist es nicht ein bisschen weit gegriffen, Arbeit mit einer Sucht zu vergleichen? Man kann doch auch Lust auf Leistung haben.

Ilona Bürgel: Selbstverständlich - Leistung ist sinnstiftend, es gibt mir ein gutes Gefühl, wenn ich erfolgreich bin. Der feine kleine Unterschied zwischen Engagement und Workaholismus ist, dass der Suchtgefährdete keinen Ausgleich hat, nicht auf sich achtet, sich nicht erholt.

KarriereSPIEGEL: Lassen Sie uns einen kleinen Schnelltest machen. Ich bin ein Workaholic wenn…

Ilona Bürgel: … mehrere der folgenden Kriterien regelmäßig, und das regelmäßig ist entscheidend, auf mich zutreffen:

  • Ich arbeite permanent mehr als vereinbart, gerne auch am Wochenende;
  • ich baue keine Überstunden ab oder verzichte auf Ausgleichstage für Wochenenddienste;
  • ich mache keine Mittagspause;
  • ich checke auch außerhalb der Arbeitszeiten meine E-Mails;
  • ich freue mich wenig an privaten Dingen - und bin im Kopf ständig im Büro;
  • ich benötige Entspannungshilfen wie Alkohol, Süßigkeiten oder Schlaftabletten, um abzuschalten - oder Aufputschmittel, um wach zu bleiben;
  • ich fühle mich oft müde und erschöpft;
  • auch im privaten Umfeld rede ich ständig über die Arbeit;
  • ich werde unruhig, wenn ich warten muss oder es mal nichts zu tun gibt.

KarriereSPIEGEL: Wenn nun mehrere dieser Punkte regelmäßig auf mich zutreffen - wie gehe ich damit um?

Ilona Bürgel: Der erste Schritt ist wie bei jeder Sucht: Nachdenken. Und sich eingestehen: Ich habe ein Problem. Um etwas nachhaltig zu verändern, müssen Sie auch Ihre Werte hinterfragen, Sie brauchen gewichtige Alternativen zu ihrem Job. Zum Beispiel, wenn ihr Kind in einem Jahr aus dem Haus geht und Sie sich sagen: Das ist die letzte Chance, meinen Sohn noch täglich zu erleben, also muss ich abends pünktlich das Büro verlassen. Auch gut: Sich verabreden, zum Sport zum Beispiel - und das dann in den Kalender eintragen. Sie müssen sich selbst unter Druck setzten, von der Arbeit loszulassen, sonst wird das nichts. Gut ist es, andere mit ins Boot zu holen, die einen erwarten, die nachfragen, wann man das Büro verlassen hat oder ans Mittagessen erinnern.

KarriereSPIEGEL: Klingt jetzt nicht unbedingt weniger stressig als einfach weiterzuarbeiten.

Ilona Bürgel: Deshalb müssen sie die Veränderung ja auch unbedingt wollen und brauchen einen sehr guten Grund. Es ist harte Arbeit, seine Gewohnheiten zu verändern. Bis zu drei Monate dauert es, bis das Gehirn neue Gewohnheitsstrukturen bildet. Solange muss man unbedingt durchhalten, auch wenn man sich am Anfang zwingen muss.