Der neue Kollege nervt - was soll man tun? - DER SPIEGEL
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Büroalltag Hilfe, der Kollege nervt

Der neue Mitarbeiter ist fachlich gut - doch sein ständiger Gesprächsdrang treibt die Kollegen in den Wahnsinn. Wie bringt man ihn zum Schweigen? Mit Unhöflichkeit, rät Managementexpertin Anne Weitzdörfer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ich arbeite in der Einkaufsabteilung eines öffentlichen Unternehmens, und jetzt ist ein wirklich eigenartiger Kollege in mein Team gewechselt. Er ist Ende 40 und fachlich sehr gut, aber zwischenmenschlich ein sehr schräger Vogel. Er verwickelt uns Kollegen permanent in Gespräche zu Themen, die nur ihn interessieren: Klimawandel, Zinspolitik, Flüchtlinge etc. Er ist dabei immer ganz begeistert und hat auch Ahnung, aber irgendwie ist das meist ohne Zusammenhang und Gespür für die Situation. Seit ein paar Wochen teilen wir uns nun mit drei anderen das Büro und mit jedem Tag geht er mir und uns mehr auf die Nerven. Was tun?
Ralph, 35 Jahre

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Foto: Tobias Nikolajew

Als Beraterin und Coach kennt Anne Weitzdörfer sich mit Problemen im Büro bestens aus. Bevor sie sich selbständig machte, war sie einige Jahre in einer Strategieberatung tätig. Heute berät sie Unternehmen im Bereich Organisationsentwicklung.Jetzt mal ehrlich: E-Mail an Anne Weitzdörfer 

Anne Weitzdörfer antwortet:

Schöne Vorstellung, wie der Kollege auf liebenswürdige und doch schmerzlose Art und Weise auf Sendung geht, wann immer es ihm beliebt. Und Sie und Ihre Mitstreiter jedes Mal wieder einsteigen, obwohl Sie doch auf Durchzug schalten wollten. Das muss man auch erst mal schaffen!

Eine direkte und ehrliche Rückmeldung ist naheliegend: "So interessant deine Themen auch sind, ich möchte gerne konzentriert arbeiten und mich zwischendurch nicht ablenken lassen. Also nimm es bitte nicht persönlich, wenn ich einfach weiterarbeite. Ok?" Das ist so mitten ins Gesicht, dass die Nachricht ankommen sollte. Und darüber hinaus schwer, etwas dagegen zu sagen.

Ich bin sicher, dass Sie jetzt den Kopf schütteln und entgegnen, dass Sie schon genau das probiert haben und es leider nicht funktioniert. Warum nicht? Handelt es sich bei Ihrem Kollegen um ein niedliches kleines Mädchen, das Sie mit großen Reh-Augen ansieht? Vermutlich nicht. Es klingt vielmehr, als würde er Sie geradezu auffordern, in die nächste Ausbaustufe überzugehen: Ignorieren.

Wie sähe das praktisch aus? Der Kollege startet die unverbindliche Plauderei und Sie lassen sich nicht von seinem Charme fangen und arbeiten weiter, ohne den Blick zu heben. Nehmen vielleicht sogar demonstrativ den Telefonhörer in die Hand, klären den schon längst überfälligen Punkt mit der Buchhaltung und widmen sich danach konzentriert Ihren E-Mails. Ja, das ist in der Tat ganz schön unhöflich. Es ist aber noch viel unhöflicher, seine Kollegen vollzutexten, obwohl diese schon sehr deutlich signalisiert haben, dass sie das nicht möchten.

Ich rate Ihnen, die aktuelle Situation als persönliches Training zum Thema Abgrenzung zu sehen. Hier können Sie lernen, was es heißt, wirklich konsequent zu sein. Nein heißt Nein. Und nicht "vielleicht doch ja, weil du irgendwie so begeistert bist". Denn ganz ehrlich, noch finden Sie den Kollegen nur seltsam und schräg. Aber in vier Wochen ist die Situation so eskaliert, dass Sie ihm sofort ungehemmt an die Gurgel springen, wenn er nur Luft holt. Und aus der Nummer kommen Sie dann tatsächlich nur schwer wieder raus. Also los, ziehen Sie es durch, diesmal wirklich!

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