Fotostrecke: "Ich will die mit den Blümchen!"
Selbstdarsteller im Büro Du hast da was im Gesicht
Manchen Menschen ist sie noch wichtiger als das Familienbild auf dem Schreibtisch oder die Topfpflanze vor dem Fenster: die eigene Tasse im Büro. Ein Blick in die Kaffeeküche erspare locker einen Betriebspsychologen, meinte ein Göttinger Volkskundler, nachdem er 2500 Menschen zu ihren Bürotassen befragt hatte. Weil man sie nicht nur in die Hand nehme, sondern auch an den Mund führe, seien Tassen besonders persönliche Erinnerungsstücke, so sein Resümee.
Die Trinkbecherforschung hat seit Erscheinen der Studie im Jahr 1995 wenig Fortschritte gemacht. Erstaunlich eigentlich, denn der Hype um die Bürotassen hat längst ein neues Level erreicht: Mittlerweile werden sie nicht nur hartnäckig gegen Kollegen verteidigt und demonstrativ auf dem Schreibtisch platziert, sondern auch noch fotografiert und in sozialen Netzwerken verbreitet. Bei Instagram und Twitter werden jeden Tag Hunderte Tassenbilder hochgeladen - und nun hat es der Hashtag #cupface sogar zum Trending Topic geschafft.
Ausgelöst hat den Hype dieser Tweet:
Wie die Hamburgerin auf die Idee kam? Ihr Profilfoto auf Twitter zeigt sie mit einer Tasse vor dem Mund - ein Accessoire, das auch andere für ihren Twitterauftritt gewählt haben:
Als sie diesen Tweet las, fragte sie sich, "wie wohl die anderen mit Becher vor dem Gesicht aussehen". Fertig war das Mitmach-Mem.
Wie gut sich Tassen für die Übermittlung von Botschaften auf Twitter eignen, haben vor ihr schon andere entdeckt:
Mit den Tweets wollen die stolzen Trinkbecherbesitzer sich wohl die Bewunderung verschaffen, die ihnen im Büro von den Kollegen verweigert wird. Manche hoffen aber auch auf Mitleid:
Es gibt auch Botschaften, die der Trinker an sich selbst richtet - gewissermaßen zur Eigenoptimierung im Büroalltag.
Aber längst nicht in allen Büros stehen Tassen für die Individualität ihrer Nutzer. "Bei uns werden regelmäßig Zigaretten in Kaffeebechern ausgedrückt", berichtet die Mitarbeiterin einer Marketingagentur aus Düsseldorf. "Die Raucher stehen auf dem Balkon, und die Kippen landen in den Kaffeeresten. Wenn ich die Kollegen darauf anspreche, heißt es nur: 'Die Spülmaschine macht die Tassen wieder sauber.'" Sie selbst, sagt die 35-Jährige, bringe mittlerweile jeden Tag ihre eigene Tasse gespült von zu Hause mit: "Die Becher im Büro sind einfach nur ekelig."
Ein amerikanischer Gadget-Anbieter hat solche Berichte zum Anlass genommen, Ekeltassen herzustellen. Allerdings solle man, heißt es auf der Webseite, vor dem Trinken noch einmal überprüfen, ob nicht irgendein Kollege den Becher doch als echten Aschenbecher genutzt habe.
Gibt es bei Ihnen im Büro auch bemerkenswerte Kaffeetassen? Wir freuen uns, wenn Sie uns ein Bild davon per E-Mail schicken . Bitte schreiben Sie kurz dazu, welchen Beruf Sie haben und warum diese Tasse so besonders ist. Wir sind gespannt!