Berufsbild Milchtechnologe Alles andere ist Käse
Vorher/nachher: Links pasteurisiert, rechts noch körperwarm
Foto: Simone Neumann/ picture-alliance / dpa/dpawebManche finden, Milch sei das einzige Nahrungsmittel, das zwingend industriell verarbeitet werden muss. Warme Kuhmilch direkt aus dem Euter ist eben nicht jedermanns Sache.
Milch, Joghurt, Butter und Käse hat man zwar im Kühlschrank, aber wie sie da genau hinkommen, weiß man nur ungefähr. Die Fachkräfte, die dafür sorgen, dass aus der Rohmilch ein pasteurisierter Liter im Tetrapak wird, sind die Milchtechnologen. Sie passen auf, dass in Molkereien, Käsereien oder Milchwerken die Hygienestandards und alle anderen lebensmittelrechtlichen Vorschriften eingehalten werden. Nur Kühe sehen sie nie.
Etwa 1700 Milchtechnologen gibt es in Deutschland, sagt Torsten Sach vom Milchindustrie-Verband in Berlin. Der Frauenanteil liegt je nach Region zwischen 15 und 20 Prozent. Damit keine Verwirrung aufkommt: Bis 2010 hieß der Beruf noch "Molkereifachmann".
Cowgirl Luise: Arbeit an der Superkuh
Wenn die Milchsammelwagen von ihren Touren über die Bauernhöfe zurück in die Molkerei kommen, beginnt die Arbeit der Fachleute. Schon Azubis lernen, wie sie Rohmilch auf Geruch, Farbe und Temperatur untersuchen und Proben zur weiteren Analyse entnehmen. Sie arbeiten in hochtechnisierten Betrieben, richten Produktionsanlagen ein, steuern und kontrollieren sie.
In einer Zentrifuge wird die Milch zunächst gefiltert und entrahmt. Dann erst können andere Produkte wie Käse oder Butter hergestellt werden. Die Milchtechnologen achten darauf, dass alles richtig abgefüllt und verpackt wird, hinterher säubern und desinfizieren sie die Maschinen. Und sie müssen dabei sehr genau sein: Jeder Fehler kann aus einer ganzen Joghurtproduktion Abfall machen.
Der Hang zu Sorgfalt und Sauberkeit fängt schon bei der Berufskleidung an: Milchtechnologen kleiden sich im Job komplett in Weiß, die Haare stecken unter einer Haube, Schmuck muss vor Schichtbeginn abgenommen werden.
Während der Ausbildung müssen die Spezialisten keine Kühe melken oder im Stall arbeiten. Aber sie lernen immerhin, wie die Kuh Milch produziert. Die praktischen Fähigkeiten erwerben Azubis im Produktionsbetrieb, außer Chemie, Physik und Mikrobiologie sind ihre wichtigsten Fächer an der Berufsschule "Milcherzeugung" und "Molkereitechnik".
Kühe haben auch kein Wochenende
Außerdem müssen Azubis technisch begabt sein, sagt Manfred Wiest, Personalchef bei Omira, einer Großmolkerei in Ravensburg. Zwar ist formell kein Schulabschluss vorgeschrieben, bei Omira brauchen Lehrlinge jedoch mindestens den Hauptschulabschluss. In den Naturwissenschaften sollte der Notendurchschnitt "befriedigend" sein. Wer in irgendeinem Fach ein "Mangelhaft" hat, hat erst gar keine Chance.
Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, lässt sich aber verkürzen, etwa wenn die Azubis Abitur haben. Nach der Ausbildung können die Fachkräfte eine Fortbildung zum Molkereimeister oder -techniker machen oder an einer Hochschule Lebensmitteltechnologie mit dem Fokus Milchwirtschaft studieren.
Auch Umsatteln ist kein Problem: Da Milchtechnologen sich mit Hygienestandards in der Lebensmittelproduktion auskennen, können sie später auch in anderen Zweigen der Ernährungswirtschaft anheuern.
Natürlich ist es ein Nischenberuf. Aber die Berufschancen sind für Milchmänner und -frauen gut: "Es gibt keine arbeitslosen Milchtechnologen", sagt Verbandsmann Sach. In der Branche wird nach Tarif bezahlt, laut Bundesagentur für Arbeit verdienen die Azubis im ersten Lehrjahr zwischen 499 bis 728 Euro, 553 bis 816 Euro im zweiten und 629 bis 934 im dritten. Nach der Ausbildung gibt es zwischen 2577 und 3010 Euro. Die Zuschläge noch nicht mitgerechnet - denn wer in einer Molkerei arbeitet, muss sich darauf einstellen, auch an Wochenenden und nachts zu arbeiten. Die Produktionsanlagen können nicht abgeschaltet werden. Und die Kühe machen schließlich auch kein Wochenende.
Eine echte Fachkraft ist übrigens leicht zu erkennen: Sie probiert die Milch am Ende selbst.